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Augsburg

13.04.2019

Rabbiner Brandt verlässt die jüdische Gemeinde

Rabbiner Henry G. Brandt steht im 92. Lebensjahr. Aus gesundheitlichen Gründen zieht er sich aus der Augsburger Synagoge zurück.
Bild: Silvio Wyszengrad

Aus gesundheitlichen Gründen legt Henry G. Brandt den Dienst in der Synagoge nieder. Von Augsburg wird sich der jüdische Ehrenbürger jedoch nicht verabschieden.

Rabbiner Henry G. Brandt hat seinen aktiven Dienst in der Augsburger Israelitischen Kultusgemeinde beendet. Er scheide aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt, teilen übereinstimmend der Rabbiner und die jüdische Gemeinde auf Anfrage mit. Brandt war 15 Jahre lang Seelsorger an der Augsburger Synagoge. Er steht im 92. Lebensjahr. Als Ehrenbürger Augsburgs werde er in der Stadt weiterhin präsent bleiben, versprach Brandt. „Mein Ziel, die Synagoge wieder in die Mitte der Stadt zu rücken, habe ich erreicht“, bilanzierte er. Als Höhepunkt empfand er die 100-Jahr-Feier der Synagoge mit dem Bundespräsidenten.

Henry G. Brandt war zu Jahresbeginn krank

„Wir scheiden in freundschaftlichem Einvernehmen“, betonte der Rabbiner. Gerüchte, Brandt sei der Kultusgemeinde als Rabbiner zu liberal gewesen, wollte er nicht bestätigen. „Wir hatten keine Auseinandersetzungen in dieser Richtung“, sagte er. Anfang des Jahres sei er „ziemlich ernsthaft“ krank gewesen und zwei Monate nicht im Dienst. Seine Ärzte hätten ihm ans Herz gelegt, leiser zu treten. So einigte sich Brandt mit der Gemeinde, ab April als Rabbiner beurlaubt zu werden, auch wenn sein Vertrag noch bis 30. September läuft. Den symbolträchtigen Sederabend am 19. April, mit dem Pessach, das höchste jüdische Fest, anfängt, wird Brandt nicht mehr in Augsburg zelebrieren. „Das erste Mal in meiner Laufbahn kann ich Pessach mit meiner Familie feiern. Darauf freuen sich schon alle.“

War Henry G. Brandt der Gemeine zu liberal?

Gemeindepräsident Alexander Mazo betonte ebenfalls, man trenne sich im Guten ohne irgendein Konfliktpotenzial. Ob Brandt der Kultusgemeinde zu liberal war? „Das ist eine interne Angelegenheit“, sagte Mazo. „Er ist so, wie er ist, und vertritt eine eigene Position.“ Sichtbar wurden die unterschiedlichen Auffassungen, als vorigen Herbst von der Kultusgemeinde gefordert wurde, auf dem alten jüdischen Friedhof Kriegshaber mindestens vierzig alte Bäume zu fällen, weil sie angeblich die ewige Grabesruhe stören. Rabbiner Brandt war zu dieser Sache allerdings nicht konsultiert worden – obwohl er der Meinung war, man hätte ihn fragen müssen, wenn etwas aus religiösen Gründen erfolgen soll.

Hans-Eberhard Schurk, der Vorstand der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg, bedauerte den Rückzug von Brandt. „Er ist ein Mann, der die Menschen achtet und gegenüber allen Wertschätzung zeigt. Er ist sehr klug und weise und hat eine klare Meinung von Gut und Böse – mit einem Fingerzeig nach oben“, würdigte Schurk den Rabbiner. Immer habe er ein offenes Ohr für die Belange des Museums gehabt. „Es ist schade für Augsburg, wenn so eine Persönlichkeit geht.“

Einsatz für Augsburg

Dies hat der Ehrenbürger Henry Brandt gar nicht vor. Dass er die Kultusgemeinde verlasse, „bedeutet nicht, dass ich mich von Augsburg, der Stadt und ihrer Gesellschaft freistellen werde“, beteuerte Brandt. Als Ehrenbürger stehe er diesbezüglich in der Pflicht. So erbrachte seine Benefizlesung aus seinem Buch „Zeit für Wunder“ im Dezember 5230 Euro Erlös für den Kältebus für Obdachlose. Brandt pflegt enge Beziehungen zur Universität und zu Freunden in allen Konfessionen.

Oberbürgermeister Kurt Gribl erklärte: „Rabbiner Henry Brandt ist eine faszinierende und scharfsinnige Persönlichkeit, der es immer wieder gelingt, schwierige Zusammenhänge auf den Punkt zu formulieren und in hohem Maße überzeugend zu wirken. Vor seiner Arbeit und seiner verbindlichen Art habe ich höchsten Respekt. Auch wenn er sich jetzt als Gemeinderabbiner zurückzieht, ist es umso schöner, dass er in Augsburg bleibt und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Ich freue mich auf viele anregende Begegnungen mit dem Ehrenbürger unserer Stadt.“

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