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Augsburg

09.05.2018

Ruheforst in Bergheim verzögert sich

Im Südwesten Bergheims soll ein „Ruheforst“ entstehen, ein Naturfriedhof unter Bäumen, wie hier in Ostenfeld (Schleswig-Holstein).
Bild: Carsten Rehder, dpa

Derzeit wird untersucht, ob Totenasche die Umwelt oder das Grundwasser schädigen könnte. Bis Ergebnisse vorliegen, trifft die Stadt keine Entscheidung

Das Projekt „Ruheforst“ in Bergheim liegt erst einmal auf Eis. Wie Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben auf Anfrage mitteilte, wird auf zunächst auf das Ergebnis einer Studie über die Umweltbelastung durch Totenasche gewartet, bevor weiter über das Vorhaben entschieden werden kann. Die Studie wird frühestens im Herbst erwartet.

In Bergheim soll wie berichtet der erste Naturfriedhof in Südbayern entstehen. Über 800 Menschen könnten dort unter Bäumen in Urnen aus Holz ihre letzte Ruhe finden. Vorhabensträger ist das Haus Fugger Babenhausen, das laut Stadt mit der RuheForst GmbH zusammenarbeitet. Gegen das Vorhaben gibt es Widerstand im Stadtteil. Die Gegner haben mehrere Kritikpunkte. So befürchten sie, dass es durch den Friedhof zu mehr Verkehr in Bergheim kommen könnte. Unter anderem durch Trauergesellschaften könnte es auch zu einem erhöhten Parkdruck kommen, heißt es.

Erste Studienergebnisse waren nicht aussagekräftig

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Der Punkt, der das Projekt erst mal zum Stillstand gebracht hat, ist aber die Frage einer möglichen Grundwasserverunreinigung. „Mit dem Vorhabenträger ist besprochen, dass derzeit laufende Untersuchungen zur Umweltbelastung von Totenasche abgewartet werden“, so Erben. Erste Ergebnisse der Studie seien noch nicht aussagekräftig gewesen. Weitere Studien liefen, die hoffentlich klarere Ergebnisse lieferten. „Im Anschluss ist geplant, ein bauleitplanerisches Verfahren durchführen, bei dem alle Nutzungskonflikte wie ruhender und fließender Verkehr planerisch bewältigt werden müssen“, so der Referent weiter. Dann habe auch die Öffentlichkeit die Gelegenheit, Einwendungen vorzubringen.

Hintergrund für die Untersuchung der Totenasche ist die Befürchtung, dass bei der Verbrennung Schadstoffe entstehen könnten, die ins Grundwasser geraten. Beispielsweise könnten Schwermetalle aus Zahnplomben oder Prothesen in der Asche sein, auch andere Giftstoffe, die der Verstorbene im Lauf seines Lebens aufgenommen hat, könnten in den Waldboden übergehen. Sowohl die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) als auch das Umweltbundesamt forschen zu diesem Thema, das erst durch die in letzter Zeit an mehreren Orten in Deutschland entstandenen Waldfriedhöfe ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten ist. Das Thema ist schwierig, weil Totenasche nicht ohne Weiteres untersucht werden darf. Auch die Entnahme von kleinen Mengen verstößt gegen die Totenruhe, sodass die Wissenschaftler zum Teil auf Rückstände im Kamin der Krematorien zurückgreifen müssen, die niemandem zugeordnet werden können, heißt es in Fachkreisen. Nicht nur die Toten könnten belastende Stoffe enthalten. Auch die Metallverkleidung der Verbrennungsöfen könnte aufgrund der großen Hitze unter Umständen Giftstoffe abgeben, vermuten die Experten. Auch die Holz-urnen für die Asche sind Objekte der Untersuchung.

Auch die Metallverkleidung der Verbrennungsöfen könnte kritisch sein

Forscher der Albert-Ludwigs-Universität untersuchen für das Umweltbundesamt, unter welchen Standortverhältnissen die Anlage von Bestattungswäldern aus Sicht des Natur-, Boden- und Grundwasserschutzes unbedenklich ist, ist in einem Fachartikel der Zeitschrift „Friedhofskultur“ nachzulesen. Mit den Ergebnissen soll eine Handlungsanweisung oder ein Kriterienkatalog erarbeitet werden, um die Entscheidung zu erleichtern, wo Urnenwälder angesiedelt werden könnten, heißt es weiter. Das Projekt begann im Oktober 2016 und soll noch bis zum 30. September 2018 laufen. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, ist auch in Bergheim mit einer Entscheidung zu rechnen.

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