Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Augsburg: Rumänische Banden machen Geschäfte mit gestohlener Edel-Ware

Augsburg

Rumänische Banden machen Geschäfte mit gestohlener Edel-Ware

  • |
  • |
  • |
    Besonders beliebt bei den rumänischen Banden: Champagner wird gestohlen und dann in "Hilfspaketen" nach Bukarest  geschickt.
    Besonders beliebt bei den rumänischen Banden: Champagner wird gestohlen und dann in "Hilfspaketen" nach Bukarest geschickt. Foto: Symbolbild: Oliver Berg (dpa)

    In der Urteilsbegründung tat der Vorsitzende Richter der Jugendkammer, Lenart Hoesch, etwas, das ungewöhnlich ist. Er sparte nicht mit kritischen Anmerkungen zur europäischen Politik. Die vorschnelle Erweiterung der EU mit Öffnung der Grenzen in Richtung Osten begünstige einige Formen der Kriminalität. Das war die Erkenntnis des Gerichts nach zwei aufwendigen, über Wochen andauernden Prozessen, in deren Mittelpunkt rumänische Diebesbanden standen.

    Hochpreisige Ware problemlos an Kassen vorbeigeschmuggelt

    Auf der Anklagebank saßen zwei Frauen und elf Männer aus einem der ärmsten Länder Europas, die ihr Heil in einem der reichsten Staaten der EU, in Deutschland, suchten – auf verbotene Weise. Bei beiden Verfahren gewann die Jugendkammer Einblick in die Arbeitsweise straff organisierter Tätergruppen, die sich die Einkaufswelt bestimmter Supermärkte zunutze machten. In voll bepackten Rucksäcken schmuggelten sie Champagner, Whisky, Cognac, Zigaretten, aber auch hochpreisige Zahnpasta, Edelsalami, Rasierklingen, Schokolade und Kaffee problemlos an den Kassen vorbei.

    Das Ziel: Läden zweier großer Lebensmittelkonzerne

    Die Kripo hatte die Täter, darunter zwei Heranwachsende, nach Observationen und Telefonüberwachungen ermitteln können. Die Rumänen, in zwei Banden mit losen Kontakten in der gesamten schwäbischen Region aktiv, waren – bis auf wenige Ausnahmen – eigens aus der Hauptstadt Bukarest nach Deutschland gereist, fanden hier Unterschlupf bei Landsleuten. Vor allem Läden zweier großer Lebensmittelkonzerne waren ihr Ziel – Märkte, bei denen der Eingangsbereich großzügig konzipiert und schlecht zu kontrollieren ist. So marschierten die Diebe auf dem selben Weg, wie sie den Supermarkt betreten hatten, voll bepackt mit Beutegut wieder hinaus. Wie simpel dies funktionierte, überraschte selbst das Gericht. Beim Absatz der Waren gingen die Banden teils unterschiedliche Wege. Eine Gruppe verscherbelte die Alkoholika, wohl auf Bestellung, in Augsburger Bars und anderen Lokalen zu Dumpingpreisen. Gegen fünf Gastronomen wird wegen Hehlerei ermittelt beziehungsweise stehen Prozesse bereits bevor.

    Hilfspakete mit Champagner und Edelsalami

    Die zweite Bande versorgte vor allem Abnehmer in ihrem Heimatland Rumänien. Ziemlich dreist, wie der „Export“ der „heißen Waren“ organisiert wurde: Das Diebesgut wurde in bis zu 20 Kilo schwere Pakete verpackt und dann, als „Hilfslieferungen“ deklariert, per Fernbus von Augsburg nach Bukarest verfrachtet – was aufgrund offener, unkontrollierter Grenzen reibungslos über die Bühne ging. Bis zu 17 solcher Pakete transportierte ein Bus bei einer Fahrt in die rumänische Hauptstadt. Die Mütter zweier Bandenmitglieder sorgten dort für den Absatz von Champagner, Schokolade und Edelsalami.

    Schokolade statt Geld als Bezahlung

    Der Erlös in Euro wurde umgehend per Western Union wieder nach Augsburg transferiert. Damit zahlte der Bandenchef seine Leute aus. Obwohl der Wert der geklauten Waren viele tausend Euro betrug, fiel der Reingewinn offenbar nicht allzu üppig aus. In einem Telefonat, das ein Augsburger Bandenchef mit einem Kollegen an der holländischen Grenze führte und das abgehört wurde, riet der eine dem anderen, seine Leute doch „mit Schokolade“ zu entlohnen, falls man gerade nicht mit Euros flüssig sei.

    Bandenmitglieder zu Gefängnisstrafen verurteilt

    Bei ihren Einkaufstouren gingen die Diebe konspirativ vor. Beuteartikel wurden bei Handygesprächen mit Codenamen bezeichnet. Immer wieder tauchte „Mona Lisa" auf. Im Prozess behauptete ein Angeklagter, damit sei seine Schwester gemeint. Später räumte er ein, „Mona Lisa" sei der Deckname für Champagner Moët &Chandon gewesen. Was die Kripo, die bei der Telefonüberwachung rumänisch sprechende Beamte einsetzte, letztlich an Einzeltaten ermitteln konnte, bezeichnete Richter Lenart Hoesch als „Spitze des Eisbergs". Die in Haft sitzenden Mitglieder der beiden Banden wurden zu Gefängnisstrafen bis zu viereinhalb Jahren verurteilt.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden