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Ausstellung

21.03.2011

Sehen, was nicht zu sehen ist

Der Kunstverein Bobingen zeigt Fotoarbeiten von Karen Irmer

Ein Dreiklang dominiert die Titel, die Karen Irmer ihren Bildern gegeben hat. „Dunkeln“. „Dickicht“. „Dämmern“. Die zwischen 2008 und 2010 entstandenen neuen Fotoarbeiten der 1974 in Friedberg geborenen Künstlerin verschließen sich der einfachen, eindeutigen Wahrnehmung. Sie erfordern ein Gespür für das Verborgene, das Unsichtbare, das Verschwinden, das Unwägbare. Das Offensichtliche findet in diesen Bildern nicht statt.

Karen Irmer lockt mit ihren Werken in ein Reich diffuser Unkenntlichkeit, in dem die Routine des schnellen Wiedererkennens versagt. Alles Bunte, alles Grelle ist erloschen, verschluckt, verrätselt von Nacht und Dämmern und Stille. Konsequent erscheint deshalb auch der Titel der Ausstellung im Kunstverein Bobingen: „nicht zu sehen“.

Schwer bestimmbar ist, was in diesem Zwischenreich der Grautöne vor den Augen des Betrachters erscheint und was nicht. Bezeichnend dafür ist die Aufnahme einer Moorlandschaft. Es gibt keinen festen Grund, keinen Anfang, kein Ende, nur nebulöses Verschwimmen, mehr Ahnung als Gewissheit.

Ein Fischmaul öffnet sich in der Schwärze, die an eine lichtlose Meerestiefe gemahnt. Und dann tauchen, wie Erscheinungen, im Auge des Betrachters mehr und mehr Fische auf – als hauchzarte Aufhellungen, blass, fast durchsichtig.

Zwei Wasserschildkröten schwimmen an die Oberfläche

Ein Schwarm von schwachem Licht im Tiefschwarz, von den Augen geduldig herausgelöst im Grenzbereich der Wahrnehmung. Nichts anderes will die Künstlerin als diesen Prozess in Gang setzen, der den Ausstellungstitel verwandelt: „doch zu sehen“.

Auf einem anderen Großformat (100 x 150 cm), das zunächst als Rechteck von stumpfem, undurchdringlichem Schwarz vor Augen steht, schwimmen sich nach längerem Hinsehen zwei Wasserschildkröten an die Oberfläche der Sichtbarkeit. Was man sieht und was nicht ist auch eine Frage des Lichteinfalls. So auch auf dem dritten schwarzen Wasserbild der „Dunkeln“-Serie, auf dem eine Qualle weiß wie eine Wolke aus dem Dunkel hervorsticht, als wäre sie in tausend Metern Tiefe angeblitzt worden.

In der Bildserie „Dickicht“, acht kleinen Hochformaten, zeigt Karen Irmer menschenleere Unorte, die überall im Waldnirgendwo sein können. Fichten, Gestrüpp, Büsche, Wildwuchs. Jedes dieser Waldstücke ist ein undurchdringliches, feines Gespinst aus Linien und Hell-dunkel-Geflimmer, schimmerndes Gewölle aus Grau und Silber und schwarz. Im Gewirr des Geästs gibt es keine Orientierung, keine Ordnung, kein Zentrum. Die Augen können diese Totalität schwer erfassen und ergründen. Zudem steckt im Unterholz und in Schattenecken noch so viel Verborgenes, Unzugängliches, Unsichtbares.

Eine Installation ohne jede Effekthascherei

In langsamen, fürs Auge kaum wahrnehmbaren Überblendungen projiziert die Künstlerin in Bobingen in einem Raum Landschaftsaufnahmen an die Wand. Wie hier Himmel und Meer, Wolken und Land, Wiesen und Strand erscheinen und verschwinden, auseinander hervorgehen und ineinander übergehen, ist ein Höhepunkt der Ausstellung. Diese meditative Reise durch fließende Bilder ist eine Installation, die ohne jede Effekthascherei, ohne Sound und Schnickschnack inszeniert ist.

Laufzeit bis 17. April. Geöffnet Mittwoch bis Freitag 16 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

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