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Serie Teil 4: Kultur und Sport: Halbzeitbilanz: Der größte Wunsch, der größte Fallstrick

Serie Teil 4: Kultur und Sport

Halbzeitbilanz: Der größte Wunsch, der größte Fallstrick

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    Setzt auf die Verbindung von Kultur und Sport: Doppelreferent Peter Grab.
    Setzt auf die Verbindung von Kultur und Sport: Doppelreferent Peter Grab.

    Alles ist eine Frage der Erwartung. Jene seiner eigenen Bürgergruppierung Pro Augsburg in ihren Referenten Peter Grab war hoch: Die Kultur- und Sportpolitik sollte zur „Schwerpunktarbeit der kommunalen Regierung“ und aufgrund der hohen Synergieeffekte (Vereins- und Jugendarbeit sowie Breiten- und Profistrukturen in beiden Bereichen) in einem Referat gebündelt werden. So stand es im Wahlprogramm, so kam es nach der Regierungsübernahme: Pro Augsburg setzte das Doppelreferat beim stärkeren Koalitionspartner CSU durch. Doch der größte Wunsch der Gruppierung geriet auch zum größten Fallstrick: Die Zusammenlegung zweier so arbeitsintensiver Bereiche scheinen Referent und Mitarbeiter über Gebühr zu fordern. Das mag eine Erklärung dafür sein, dass mit der Sanierung des Curt-Frenzel-Stadions und der Interimsspielstätte fürs Theater gleich zwei große Projekte in der Zuständigkeit des Doppelreferats schief gingen. Interessant ist, dass Erfolge und Misserfolge kaum eines anderen städtischen Referats so eng mit seinem Leiter in Verbindung gebracht werden.

    Im Bereich Kultur und Sport agierte die Stadtregierung bislang oft glücklos, was sich unter anderem an Grabs einzigem eigenen Projekt KuSpo aufzeigen lässt: Zur Auftaktveranstaltung kamen kaum Besucher, Rathaus-Opposition und Künstler forderten die sofortige Einstellung. 250000 Euro, verteilt auf drei Jahre, seien zu viel Geld für ein Event, das nichts anderes mache, als bereits bestehende Aktionen unter einem Dach zusammenzufassen. Mit der Zeit schrumpfte KuSpo zu einem Fördertopf für Veranstaltungen und Vereine. Ob es 2012 eine Fortsetzung gibt, ist fraglich.

    Einen ähnlich großen Aufschrei provozierte Grab, als er das Konzept des Brecht-Festivals umwarf und damit einen dicken Strich unter die Arbeit der Vorgängerregierung setzte. Einer Forderung aus dem Wahlprogramm Pro Augsburgs wurde er damit allerdings gerecht: Eine der kommunalen Aufgaben bestehe darin, „Lebensfreude zu intensivieren, die sich nicht nur auf die sogenannte hohe Kultur beschränkt“. Der „neue Brecht“ bietet viel Populäres. Misst man den Erfolg eines Projekts rein an Besucherzahlen, läuft das Festival gut.

    Auf der Liste groß angekündigter Neuerungen, die am Ende im Sand verliefen, steht das Thema „Kulturkoordinatorin“. Im Resümee, das Peter Grab vor Kurzem selbst zog, tauchte dieser Punkt gar nicht mehr auf. Dass der Referent ihn gerne verschweigen würde, verwundert nicht: Das Pilotprojekt ging gründlich schief. Im Februar 2009 trat Iris Steiner den Posten an, noch im Sommer 2009 wurde sie für das WM-Rahmenprogramm abgezogen. 2010 holte sie sich ihren Job als Koordinatorin mithilfe eines Anwalts zurück, um kurz später doch hinzuwerfen. Grab kommentiert dies im Rückblick so: „Dem Etat geschuldet, geschahen mit Iris Steiner Dinge, die so nicht geplant waren.“

    Goerlich ist im Gespräch für einen höheren Posten

    Lieber verweist der Referent da auf den Popkulturbeauftragten Rich Goerlich, dessen Position ebenfalls neu geschaffen wurde. Goerlich ist allgemein angesehen und wird für viele Aufgaben eingesetzt. So wirkte er unter anderem beim Modular-Festival mit und ist verantwortlich für das Rahmenprogramm der Frauenfußball-WM. Grab sähe ihn dem Vernehmen nach gerne auf einem höheren Posten, im Gespräch ist der des Kulturamtsleiters. Den aber hat derzeit Thomas Weitzel, der offenbar auch nicht mit dem Gedanken spielt, ihn aufzugeben.

    Mit dem Doppelreferat scheinen die Sportler besser klarzukommen als die Kulturschaffenden. Das liegt wohl daran, dass die Zuschüsse an die Vereine fließen wie bisher. Auch beim Bauunterhalt läuft’s besser als in der Kultur, sieht man vom Curt-Frenzel-Stadion ab: Beim Stadtbad riss die Regierung in letzter Minute das Ruder herum und entschloss sich gegen einen Verkauf. Das Eisstadion Haunstetten sowie die Hallen des DJK Hochzoll und der TSG Hochzoll wurden saniert.

    Grab selbst sieht sich und seine Politik positiv: „Wir haben vieles angepackt, was die Vorgängerregierung liegen ließ.“ Er macht dies auch an Punkten fest, die zwar in die Amtszeit der neuen Regierung fallen, aber nicht von ihr in die Wege geleitet wurden; der Eröffnung der Stadtbücherei zum Beispiel.

    Auffällig an Grabs eigener Bilanz ist einmal mehr, dass er sich an detailverliebten Aufzählungen entlanghangelt, deren Zusammenstellung seine Mitarbeiter allein schon Stunden kosten dürfte. Als er auf die vergangenen drei Jahre zurückblickte, standen auf seiner 24-Seiten-Liste Dinge wie „Zwei Maßnahmen des 100-Gribl-Punkte-Programms auf den Weg gebracht (Nr. 97 = Sichere Stufen zur Theater-Garderobe und Nr. 98 = Räume für Sanitätsdienst)“. Masse allerdings ist nur eine Seite. Sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass überregional beachtete Paukenschläge, wie sie die Vorgängerregierung mit der Eröffnung mehrerer Museen oder der Kulturhauptstadt-Bewerbung landete, bei Pro Augsburg und CSU bislang fehlen.

    Das Doppelreferat, das mit den „weichen Standortfaktoren“ eigentlich die angenehmen Seiten der Kommunalpolitik bedient, machte bislang eher durch Negativschlagzeilen von sich reden. Irgendwie ist die Kultur- und Sportpolitik damit aber doch zur Schwerpunktarbeit der Regierung geworden: Curt-Frenzel-Stadion und Theatercontainer werden sie noch lange beschäftigen. Auch wenn sie das vor drei Jahren so nicht erwartet hatte.

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