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"Rettet die Bienen"

29.01.2019

So schlimm ist das Insektensterben in unserer Region

Noch fliegt der Schwalbenschwanz über schwäbische Wiesen. Der Schmetterling mit einer Flügelspannweite von bis zu siebeneinhalb Zentimetern ist allerdings besonders geschützt.
Bild: Pfeuffer/BN

In Schwaben verschwinden Bienen, Falter, Grashüpfer oder Vögel. Der Bund Naturschutz ruft auf, das Volksbegehren "Artenvielfalt" zu unterstützen.

Die Zeit drängt, sagt Insektenforscher Alfred Karle-Fendt vom Bund Naturschutz (BN). Auf vielen Wiesen in Schwaben überleben nur noch Blattläuse, Schwebefliegen und kleine Spinnen. Andere Tiere haben auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen keine Chance mehr zu gedeihen. Die Felder werden etwa sechs Mal im Jahr gemäht. Die Folge: Pflanzen wie der Wiesenbärenklau wachsen kaum noch, Falter und Grashüpfer verschwinden und mit ihnen sterben Vögel wie die Feldlerche aus. "Das Zeitfenster zu handeln ist jetzt", sagt Karle-Fendt.

Unterschreiben eine Million Bürger das Volksbegehren "Artenvielfalt – Rettet die Bienen", wäre die bayerische Staatsregierung tatsächlich verpflichtet zu handeln. Die Öko-Partei ÖDP hat das Volksbegehren in die Wege geleitet, ab Donnerstag, 31. Januar bis Mittwoch, 13. Februar können sich Wahlberechtigte in den Rathäusern eintragen.

Die Kernforderungen des Volksbegehrens sind: Hecken, Bäume und kleine Gewässer sollen in der Landwirtschaft erhalten bleiben, blühende Randstreifen sollen an allen Bächen und Gräben geschaffen werden, einzelne, lokale Lebensräume sollen zu Biotopverbünden ausgebaut werden, der Pestizideinsatz soll deutlich sinken. Derzeit gibt es laut ÖDP etwa zehn Prozent ökologisch bewirtschaftete Fläche, 2030 sollen es 30 Prozent sein.

Die Rote Liste hat sich in den vergangenen Jahren um etliche bedrohte Arten verlängert. Ist der Trend unaufhaltsam? Es scheint so. Aber Experten sehen auch Grund zur Hoffnung.
Video: dpa

Ein Wandel scheint greifbar. Doch nicht alle befürworten gesetzliche Regeln in diesem Bereich. Der Bayerische Bauernverband (BBV) etwa ist der Ansicht, dass mehr ökologische Landwirtschaft nicht per Gesetz verordnet werden kann, sondern durch Nachfrage wachsen sollte.

Damit bringe der BBV das Volksbegehren in "Misskredit", sagt der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Richard Mergner. "Wir greifen nicht die Bauern an", sagt er. Ziel sei, Insekten jetzt zu schützen und Landwirte langfristig entsprechend zu fördern. "Denn wenn es so weiter geht, kracht das Ökosystem zusammen."

Diese Tiere gibt es bei uns nicht mehr

Dieses Horrorszenario könnte in 20 Jahren Realität sein, glaubt Insektenforscher Alfred Karle-Fendt von der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu. "Für die jetzige Generation ist es normal, dass in den Wiesen nichts lebt", sagt er und wirft einen Blick zurück in die 80er Jahre.

Früher, so sagt er, flogen im Sonnenuntergang unzählige Geistermotten über die Felder im südlichen Schwaben. Dass der Nachtfalter, der auch Großer Hopfen-Wurzelbohrer heißt, nicht mehr fliegt, liege daran, dass sich die Landschaft "schleichend" verändert hat. Häuser und Gewerbegebiete kamen hinzu, Wiesen und Felder werden inzwischen anders bewirtschaftet.

Vor vierzig Jahren habe es mehr Streuwiesen gegeben. Also Wiesen, auf denen die Blumen wuchsen. Aus dem Gras wurde Stroh für die Ställe. Inzwischen wird auf den Wiesen und Weiden hauptsächlich Gras für Futter angebaut. Durch bessere Technik gelangen die Mähfahrzeuge sogar auch an unwegsame Stellen, etwa an Böschungen und Gräben. Dort lebte einst der weiße Kleinschmetterling Graszünsler.

Im Sommer hat Karle-Fendt untersucht, wie viele Insekten noch auf den Feldern leben. Dazu stellte er an verschiedenen Orten nachts eine Lampe auf, über die ein Netz gespannt war. Auf Wiesen, die alle drei Wochen gemäht werden, blieb das Netz annähernd weiß. "Dort lebt eigentlich gar nichts mehr", sagt er.

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Bedrohte Arten: Das sind die Gewinner und Verlierer 2018
Bild: Marcus Dewanger, dpa

Maisanbau wegen der Pestizide problematisch für Bienen

Auch im nördlichen Schwaben verschwinden Tierarten. "Wir verlieren selbst in Naturschutzgebieten Arten", sagt Eberhard Pfeuffer, Insektenforscher der BN-Kreisgruppe Augsburg. Im Augsburger Stadtwald etwa seien von 89 verschiedenen Tagfalterarten 23 ausgestorben. Von 41 Heuschreckenarten gebe es zehn gar nicht mehr, etwa den Kiesbank-Grashüpfer. Als Grund nennt Pfeuffer zum einen Autoabgase aus der Luft wie Stickstoffe und zum anderen das Begradigen und Aufstauen der Wildflüsse. Dadurch verdrängte Ackerfläche einstige Moorgebiete und damit die Birkhühner, die nichts mehr zu fressen fanden.

Maisanbau auf Äckern sei wegen der Pestizide problematisch für Bienen und andere Insekten, sagt Pfeuffer. Die Monokulturen bedrohten aber auch Hirten, deren Schafe beispielsweise im Landkreis Donau-Ries weiden. Nehmen die Ackerflächen zu, könnten sie kaum noch von einer Weide zur nächsten ziehen. "Und ohne Schäfer sind die Heiden verloren", betont Pfeuffer.

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04.02.2019

Tja, ich bin weder Landwirt noch in irgend einer Weise direkt involviert. Aber wenn Biogasanlagen ökologisch subventioniert werden und damit Monokulturen von Mais von sog. Ökologen produziert werden, dann "entlarven" sich die Fachleute und Ökologen selbst. Man kann halt nicht alles haben. Übrigens rate ich Ihnen Ihre sog. Argumente mal mit dem Verband der chinesischen Parteifunktionäre ich China zu diskutieren.........ach ja ich vergaß das sind ja keine Argumente....

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04.02.2019

Was haben Sie eigentlich an meiner Argumentation nicht verstanden? Ich muss schon darauf beharren, dass man in einer Diskussion die Regeln der Logik anerkennt. Das ist nicht Ideologie, sondern Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine Diskussion geführt werden kann. Das impliziert z.B. auch, dass man wissenschaftlichen Befunden nur durch wissenschaftliche Falsifizierung widersprechen kann. Inwiefern ist Ihre Argumentation logisch? Welche meiner Aussagen lässt Sie z.B. darauf schließen, dass ich der Vermaisung der Landschaft das Wort rede? Wie kommen Sie darauf, dass das Volksbegehren zu mehr Maisanbau führen wird, nicht zu weniger? Wo sind Ihre wissenschaftlichen Studien, die die Erkenntnisse der von mir angeführten Wissenschaftsorganisationen aushebeln würden? Haben Sie sich mit dem Inhalt des Volksbegehrens Artenvielfalt auseinandergesetzt und wissen Sie, worüber Sie sprechen?

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04.02.2019

Enteignung ist, wenn der Staat Eingriffe in Grund und Boden vornimmt, ohne sachgerechte Entschädigungsleistungen im entsprechenden Gesetz vorzusehen!

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04.02.2019

Was, bitte, verstehen Sie unter "Eingriffen in Grund und Boden"?
Noch einmal: Ein Bebauungsplan in der Stadt schränkt auch die Freiheit der Grundeigentümer ein, um Allegemeingüter (einheitliches Ortsbild, Steuerung der Bevölkerungszahlen, Lärmschutz...) zu schützen. Meinen Sie nicht, dass Allgemeingüter (und Grundrechte) wie sauberes Trinkwasser, saubere Luft, körperliche Unversehrtheit der Bevölkerung, natürliche Vielfalt, Schutz der Heimat usw. Einschränkungen der Landnutzung rechtfertigen sollten?

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04.02.2019

Das neue Naturschutzgesetz schließt übrigens "Entschädigungen" für die betroffenen Landwirte nicht aus; ein Naturschutzgesetz kann diese aber nicht regeln - das muss die Staatsregierung bei der Umsetzung machen. Bei Volksbegehren gilt in Bayern das Koppelungsverbot: Es kann immer nur ein einziges Gesetz geändert werden.

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04.02.2019

Unsere Verfassung schütz Eigentum (Gott sei dank). Wenn nun der Staat dem Eigentümer vorschreibt, dass er bestimmte "Nutznießungen" zum Wohle der Allgemeinheit nicht vornehmen darf (z.B. bestimmte ertragreichere Bewirtschaftungsformen) so hat er den Eigentümer darür zu entschädigen. So etwas sieht dieses Volksbegehren leider nicht vor. Ein gutes Beispiel ist die Trinkwassergesetzgebung. Hier schreibt der Gesetzgeber vor, dass in bestimmten Gebieten bestimmte Bewirtschaftungsformen verboten sind. Im Gesetz steht, dass er angemessen zu entschädigen ist. Leider muß dann der Grundeigentümer in kostenintensiven Streit gehen um eine angemessene Entschädigung zu erzielen. Die Wasserzweckverbände bzw. Gemeinden möchten ja, dass der Wasserpreis niedrig bleibt und übersehen dabei gerne die Berechtigten Ansprüche der Eigentümer. So etwas ist kalte Enteignung und im Grunde nichts anderes. Das Wohl der Allgemeinheit wird auf Kosten der Eigentümer umgesetzt - und genau dies will dieses Volksbegehren und die Unterzeichner.

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04.02.2019

Bevor Sie jetzt nach Belegen für meine ungeheuerlichen Unterstellungen rufen:

Zur Wirkung von Pestiziden:
www.leopoldina.org/presse/nachrichten/diskussionspapier-pflanzenschutz/ (Die Leopoldina ist die nationale Akademie der Wissenschaften in Deutschland.)
www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/pestizide_kleingewaesser/#more-3927 (Die ANL ist eine Institution des Landes Bayern.)

Zum Einfluss der industrialisierten Landwirtschaft auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland:
www.mpg.de/11663357/feinstaubbelastung-aus-duenger
www.faz.net/aktuell/wissen/der-benziner-hat-ein-russproblem-16018127.html

Zu Ausmaß und Ursachen des Artensterbens:
www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/mehr-als-die-haelfte-der-feldvoegel-in-europa-ist-verschwunden-16004132.html
www.nytimes.com/2018/11/27/magazine/insect-apocalypse.html?action=click&module=Top Stories&pgtype=Homepage
www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/gruene_wiesen/

Und zuletzt bitte auch dies beachten:
www.mpg.de/12681256/voksbegehren-artenvielfalt

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04.02.2019

Tja, wie ich schon sagte, Sie wollen alles haben z.B. eine schöne Natur; eine gesunde Natur; keine Schädlingsbekämpfungsmittel; billige Lebensmittel und
dem Eigentümer dafür nichts bezahlen!
Die Folge Ihres Handelns ist der Import von Lebensmitteln aus dem Ausland - was heute schon in Unmaßen passiert - ach so ich vergaß, dass Sie die "Restwelt" auch noch evangelisieren.
Übrigens leben in der BRD ca. 80 Millionen Menschen - in der Restwelt ca. 8,5 Mrd. - ich höre die Chinesen schon bis nach dem allerheiligsten und ökologischsten Land auf der Erde - lachen!!

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04.02.2019

Hilfszahlungen an die Landwirte sind, wie gesagt, durch das Gesetz nicht ausgeschlossen; ich hätte auch gar kein Problem damit, dass die Landwirte für Naturschutzmaßnahmen bezahlt werden, und bin mir sicher, dass die Lobbyarbeit des BBV dafür schon begonnen hat.
Ich muss aber gestehen, dass mir persönlich bei der Argumentationslinie, die Sie verfolgen, etwas unwohl wird: Es sieht doch sehr nach Schutzgelderpressung aus, wenn der Landwirt Geld dafür verlangt, dass er sein Land so bewirtschaftet, dass der Nitrateintrag ins Trinkwasser auf einem auch für Schwangere und Kranke gesundheitsverträglichen Maß bleibt - so, als hätte er selbst kein Interesse daran, dass der Nitratwert nicht weiter steigt. Es gibt ja schon Wasserversorger in Bayern, die den Bauern Extrazahlungen dafür leisten, und die werden dann über steigende Wasserpreise refinanziert.

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04.02.2019

Sehr bezeichnend, dass Sie auf persönliche Verunglimpfungen zurückweichen müssen; es sind Ihnen wohl die Argumente ausgegangen?

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04.02.2019

Na ja, zum einen ist es also doch so, dass der Eigentümer um eine Entschädigung kämpfen muß (auf seine Kosten ohne staatl. Rechtsschutz) und zum anderen
sehe ich die Welt halt wie sie ist - nämlich global und nicht idealisiert.
Natürlich kann man das Optimum auf kosten anderer fordern - noch können wir uns das wohl leisten im Land der Erben. Allerdings haben wir auch ca. 11 Mio im Mindestlohnbereich und auch die müssen Essen und Trinken und brauchen Strom. Allerdings brauchen die auch eine Aldi und Lidl - das aber sehen Weltverbesserer und Erben halt nicht.
Empathie ist halt so eine Sache und wie Göthe schon sagte: Vom Gelde hängt und zum Gelde drängt alles..........................

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04.02.2019

Ihnen ist schon klar, dass sie sich mit Ihrer Position gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft und gegen die renommiertesten Wissenschaftsinstitutionen in Deutschland (Leopoldina, Max-Planck-Gesellschaft ...), außerdem gegen den Kleinbauernverband AbL und die Bio-Erzeugerverbände (ja, auch das sind Landwirte) stellen und sie diese Position allein mit einigen Funktionären des Bayerischen Bauernverbands teilen, also eines Verbandes, der eine Landwirtschaftspolitik mitträgt und mitgestaltet, die abgesehen von den Verheerungen in der Natur ein massives Höfesterben in Bayern, fast flächendeckende Wirtschaftsprobleme bei landwirtschaftlichen Betrieben und einen massiven Ansehensverlust des gesamten Bauernstandes verursacht hat? Ihre billige Polemik gegen Vernunft und Wissenschaft ist selbstentlarvend.

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30.01.2019

Warum ruft bei diesem Thema der linksgrüne Mainstream eigentlich nicht nach einer europäischen Lösung? Der europäische Wettbewerb läuft sonst an Deutschland vorbei und überhaupt kann man die Grenzen für Bienen nicht schließen.

Für eine regionale, ja fast nationale Initiative trage ich mich nicht ein.

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03.02.2019

Volksbegehren in Bayern dürfen natürlich nur auf die Landesgesetze abzielen. Die meisten Regelungen sind in anderen Bundeländern schon Gesetz, ohne dass dort Hungersnöte ausbrächen - und ohne dass es den bayerischen Bauern durch diesen "Vorteil" der Unterregulierung besser ginge.

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30.01.2019

Gut gemeint - aber einfach eine kalte Enteignung ohne Entschädigungszahlungen an die Eigentümer? das könnte auch von den Linken stammen?

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03.02.2019

Wer bitte soll enteignet werden? Halten Sie Bebauungspläne in den Siedlungen auch Enteignung? Wissen Sie, worum es beim Volksbegehren geht? Vielleicht einmal hier: www.volksbegehren-artenvielfalt.de schauen oder da: www.lbv.de/news/details/ein-volksbegehren-fuer-die-bauern/

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