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Ausstellung

17.10.2013

Spurensucherin mit der Kamera

Arbeiten der Fotografin Andy Heller in der Neuen Galerie im Höhmannhaus

Bilder aus zwei ihrer Serien und aus zwei unterschiedlichen Welten zeigt die 1975 in Augsburg geborene Fotografin Andy Heller derzeit in der Neuen Galerie im Höhmannhaus. Titel der Ausstellung: „86497/ CA 94103“. Zwei Postleitzahlen, die für die Orte stehen, an denen die Farbfotos entstanden. 86497 – das ist Horgau im Landkreis Augsburg. CA 94103 – das ist ein eher unwirtlicher Teil von San Francisco in Kalifornien, USA, der geprägt ist von einem Autobahnkreuz.

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Andy Heller, die 2000 bis 2006 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte und dort Meisterschülerin bei Professor Joachim Brohm war, betreibt mit ihrer Kamera Ortserkundungen und Bestandsaufnahmen. Sie zeigt zwar keine Menschen. Aber sie registriert, was in von Menschen gestalteten Lebensräumen ist. Sie sucht nach den Spuren, die gesetzt und hinterlassen wurden, nach Objekten, die auf die Anwesenheit von Menschen verweisen – und sei es nur eine orange Plastiktüte, die sich in einer Baumkrone neben der Scheune verfangen hat.

Die versteckten Rückseiten von Anwesen in Horgau

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In San Francisco sind es zurückgelassene oder für die Nacht deponierte Habseligkeiten – das „Mobiliar“ von Obdachlosen wie gefaltete Pappkartons, Wolldecken und ein angeketteter Koffer. In Horgau untersucht Andy Heller die Rückseiten und versteckten Ecken auf den Anwesen, wo die Leute alte Fässer, Bretter, Ziegelsteine, rostige Traktoren, Leitern und Undefinierbares lagern; Dinge stapeln, die man vielleicht noch einmal gebrauchen kann. Der typische Verhau hinterm Schuppen, Ansammlungen von Material, das geparkt ist im Reich der Möglichkeiten zwischen Verwendung und Verwitterung.

So zeigt uns diese Ausstellung also Such- und Spurenbilder, was fast immer gleichbedeutend ist mit: Stillleben. Heller fokussiert nicht direkt auf die Fundstücke und Objekte, auf die Artefakte menschlichen Lebens in der asphaltierten Unwirtlichkeit der Großstadt oder dem Einfamilienhauselend im Brachland.

Die Fotografin zeigt immer die Umgebung, das Umfeld, die Situation, den Rahmen, die räumlichen Zusammenhänge, den Resonanzraum. Keine „schönen“ Orte, sondern die Nicht-Schauseiten, die von der Straße aus uneinsehbaren Hinterhöfe (Horgau) und den öffentlichen Raum von größter zivilisatorischer Abnutzung und Austauschbarkeit (San Francisco).

Allerweltsstraßenecken in San Francisco

Unscheinbar und sehr beiläufig wirken folglich auch die Dinge und Spuren, auf die es der Fotografin ankommt. So entdecken wir in den zugeparkten Allerweltsstraßenecken San Franciscos unter dem Schild einer Tankstelle eine braune Papiertüte. Zwei Holzbretter lehnen an einer Hauswand, eine weiße Stofftasche an einem Maschendrahtzaun. Ein Berg abgeschnittener Äste von Straßenbäumen. Heller spricht von „Skulpturen im Stadtraum“, die unauffällig mit ihrer Umgebung verschmelzen und von denen schwer zu sagen ist, ob es persönliche Habseligkeiten sind oder Unrat.

Das alles ist sehr unspektakulär und ohne jede Effekthascherei. Andy Heller richtet den ruhigen Blick auf Zwischenräume der Stadt, auf die Füllmasse im Straßenbild, die man, etwa im Auto vorbeifahrend, nur halb bewusst wahrnimmt. Und auf dem Dorf, wo alles etwas archaischer, dauerhafter, statischer wirkt, betrachtet sie die gelagerte Absichtslosigkeit zwischen Schneeresten und privatem Niemandsland.

Eine konsequente Wahrnehmung und Erkundung unserer Lebensräume.

Laufzeit bis 1. Dezember. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr

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