Die Gewerkschaft Verdi hat im Namen von Mitarbeitern der städtischen Altenheime ein Schreiben an alle Stadträte verschickt. Darin wird die Ablösung des Altenhilfe-Chefs Martin Neumeier gefordert. Nach Angaben von Verdi unterstützen 200 der rund 620 Mitarbeiter die Forderung mit Unterschriften.
Anlass ist einerseits die Datenpanne in dem größten städtischen Eigenbetrieb. Bewertungslisten von Mitarbeitern waren im Computersystem aufgetaucht. Sie waren nicht mit dem Personalrat abgesprochen. Außerdem herrscht dem Schreiben zufolge ein schlechtes Betriebsklima. Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Kai Winkler sind die Mitarbeiter eingeschüchtert. Deshalb trauten sich manche nicht, eine Unterschrift zu leisten oder ließen sie nachträglich schwärzen. Trotzdem seien 200 Unterschriften übrig geblieben. Diese und den Mitarbeiterbrief bewahre Verdi auf.
„Führungsverständnis ist beschämend“
Unserer Zeitung liegt das Schreiben der Mitarbeiter vor. Darin heißt es, das Betriebsklima sei von Angst und Verunsicherung bestimmt. Grund seien Abmahnungen, Drohungen und willkürliche Versetzungen. Wörtlich schreiben die Mitarbeiter: „Die Unternehmensphilosophie und das Führungsverständnis des Eigenbetriebs Altenhilfe der Stadt Augsburg sind beschämend.“ Und weiter: „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Leitung des Eigenbetriebs ist aus unserer Sicht nicht mehr möglich. Wir fordern die Ablösung von Herrn Neumeier.“
Das ist mit Sozialreferent Max Weinkamm nicht zu machen. Er steht zu dem Werkleiter, sieht Verdi „nahe am öffentlichen Rufmord“ und betont: „Wer Werkleiter ist, hat weder Herr Winkler noch die Gewerkschaft zu bestimmen, sondern der Dienstherr.“ Personalamtsleiter Roland Lösch bereite einen Brief vor, in dem er verlangt, dass Listen und Mitarbeiterbrief dem Personalamt vorgelegt werden.
Weinkamm räumt ein, dass bei der Datenpanne ein Fehler geschehen sei – aber: „Wer nichts arbeitet, macht keine Fehler.“ Für ihn sei das Thema abgeschlossen; insgesamt leiste Neumeier sehr gute Arbeit.
Auch ein schlechtes Betriebsklima kann er nicht feststellen, vielmehr schüre die Gewerkschaft Ängste. AZ-Informationen, dass acht Prozent der Mitarbeiter Abmahnungen erhielten, bestätigt der Sozialreferent. Diese seien vom Personalamt geprüft und rechtlich korrekt. Schließlich gehe es darum, die Senioren zu schützen.
Der Gesamtpersonalratsvorsitzende Michael Egger sieht das anders: „Die Leute haben Angst, in die Arbeit zu gehen.“ Jeden Tag wenden sich laut Egger mehrere Mitarbeiter an ihn und bitten um Hilfe. Er kann daher die Forderung der Beschäftigten nachvollziehen.
Martin Neumeier will gegen Gewerkschaft rechtlich vorgehen
Der Werkleiter Martin Neumeier will nun rechtlich gegen Gewerkschaftssekretär Winkler vorgehen. Auch er spricht von Rufmord und erwägt eine Unterlassungsklage. Die Vorwürfe weist er zurück. Zurzeit arbeite man die Datenpanne in sachlicher Atmosphäre bei Veranstaltungen in den Heimen auf. Außerdem habe es keinerlei Drohungen und willkürlichen Versetzungen gegeben. Ohnehin sei er in Versetzungen in der Regel nicht involviert. "Kommentar