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Fragen und Antworten

24.11.2020

Todesfälle, Klinikbetten, Kontrollen: Wie ernst ist die Corona-Lage in Augsburg?

Die Augsburger Uniklinik wird derzeit von Soldaten unterstützt - mit dabei sind Oberstabsgefreiter Markus Vilcu (links) und Hauptfeldwebel Christoph Blank. Die Lage im Gesundheitssektor ist angespannt.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Was hat der Teil-Lockdown gebracht und was will die Stadt Augsburg erreichen? Fragen und Antworten zur Lage an der Uniklinik, und zum strengeren Kurs der Polizei.

Die Stadt Augsburg legt bei den Corona-Regeln noch einmal nach - ab Freitagabend gelten Verschärfungen. Hat der Teil-Lockdown denn bis jetzt nichts gebracht?

Doch. Im städtischen Gesundheitsamt ist man überzeugt davon, dass die Lage ohne den Teil-Lockdown, der in Augsburg seit 30. Oktober gilt, noch viel angespannter wäre. Das massive Wachstum bei den Infektionszahlen, das noch Ende Oktober zu beobachten war, ist gestoppt. Allerdings gibt es auch keinen klaren Trend nach unten. Zuletzt pendelte sich die Zahl der neu gemeldeten Corona-Infektionen bei um die 120 pro Tag ein. Der Sieben-Tage-Schnitt pro 100.000 Einwohner stabilisierte sich bei etwas unter 300. OB Eva Weber (CSU) sagt, das reiche nicht aus. Die Werte müssten „deutlich nach unten“.

Welches konkrete Ziel verfolgt die Stadt mit ihren Corona-Beschränkungen?

OB Eva Weber gibt als Ziel aus, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz wieder unter den Wert von 50 gedrückt werden soll. Davon ist die Stadt aktuell noch weit entfernt. Würde es beim derzeitigen Trend bleiben, so wäre dieses Ziel laut Weber erst Ende Februar zu erreichen. Anders als immer wieder kritisiert, sei die Zahl 50 nicht willkürlich von der Politik festgelegt. Nur in diesem Bereich sei es dem Gesundheitsamt noch möglich, die Kontakte von Infizierten gut nachzuvollziehen und Infektionsketten zu durchbrechen. Dr. Thomas Wibmer, der kommissarische Leiter des Gesundheitsamtes, bestätigt das. Bei zehn bis 20 gemeldeten Neuinfektionen pro Tag sei die Nachverfolgung noch gut zu leisten. Entscheidend für sie sei aber auch die Lage am Uniklinikum und an den Klinken in der Region, sagt die Oberbürgermeisterin. Die Situation sei dort noch immer sehr angespannt, die Häuser arbeiteten weiter an der Belastungsgrenze. An der Uniklinik könne die Versorgung, auch im Intensivbereich, nur sichergestellt werden, weil die Klinik auch Patienten an andere Krankenhäuser abgebe – so seien etwa am Wochenende erneut drei Intensivpatienten an andere Klinken verlegt worden.

Eine Plakataktion soll Bürger an die Corona-Regeln erinnern.
Foto: Silvio Wyszengrad

Ist die Lage an der Uniklinik in Augsburg wirklich so angespannt? Laut bundesweitem Intensivregister gab es, Stand Dienstag, in Augsburg immerhin noch 34 freie Intensivbetten.

Die Zahlen des Registers, das im Internet eingesehen werden kann, seien nur bedingt aussagekräftig, heißt es an der Uniklinik. Denn angegeben werden dort die Bettenzahlen für ganz Augsburg - also auch für andere Häuser, etwa die Hessing-Klinik. Diese Intensivbetten stehen aber für Corona-Patienten gar nicht zur Verfügung. Laut dem internen Lagebericht der Uniklinik - Stand Ende letzter Woche - gab es insgesamt 42 Intensivbetten für Covid-Infizierte. Zeitweise waren nur noch wenige dieser Betten frei. Hätte die Uniklinik nicht Intensivpatienten auch an teils weiter entfernte Krankenhäuser abgeben können, wären schon alle Betten voll gewesen. Oberbürgermeisterin Eva Weber wehrt sich gegen den Vorwurf, die Stadt schüre Panik. Das sei weder „Panikmache“, noch würden „Horrorszenarien“ verbreitet. Sie sagt: „Das ist nun mal die Realität.“

Die Zahl der Todesfälle ist zuletzt deutlich gestiegen. Wer ist besonders betroffen?

Während der ersten Welle im Frühjahr wurden gut ein Dutzend Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in Augsburg gezählt. Jetzt, in der zweiten Welle sind es deutlich mehr. Alleine in den vergangenen vier Wochen meldete das Gesundheitsamt über 40 Corona-Tote. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, allerdings hatten nicht alle von ihnen Vorerkrankungen. 56 der bisher 61 Verstorbenen in Augsburg waren 70 Jahre oder älter. Vier Betroffene waren zwischen 60 und 70, einer Jahrgang 1970. Todesfälle bei unter 50-Jährigen wurden bisher in Augsburg nicht festgestellt. Professor Michael Beyer, der Ärztliche Direktor der Uniklinik, warnte aber Jüngere davor, Covid-19 zu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Krankheit könne auch sie, selbst ohne Vorerkrankungen, hart treffen - inklusive Beatmung auf der Intensivstation. Dr. Thomas Wibmer vom Gesundheitsamt rechnet mit weiteren Todesfällen. Denn derzeit seien ältere Menschen auch wieder relativ stark betroffen, anders als im Sommer, als sich überwiegend jüngere Menschen infizierten, die meist keine oder nur mildere Symptome haben.

Wer wird als Covid-19-Todesfall erfasst - auch ein Unfalltoter, der mit dem Virus infiziert war, wie immer wieder kolportiert wird?

Nein, bei einem Unfalltod wird auch ein positiv auf das Virus getesteter Mensch nicht als Corona-Todesfall gezählt. Nach Angaben von Augsburgs Gesundheits- und Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) wird jeder Tote gezählt, der an oder mit dem Virus verstorben ist. Das bedeutet: Jeder, bei dem Covid-19 als Todesursache festgestellt wird, aber auch jene, bei denen es entsprechenende Vorerkrankungen gab oder bei denen die genaue Todesursache unklar bleibt. In der Praxis sei diese Abgrenzung nicht immer ganz einfach, so Erben. Gebe es bei einem Verstorbenen den Verdacht, dass er mit dem Virus infiziert war, dann könne auch noch nach dessen Tod ein Test veranlasst werden.

Welchen Effekt auf die Infektionszahlen erhofft sich die Stadt von den weiteren Einschränkungen, die ab Freitagabend gelten sollen?

Dr. Thomas Wibmer vom Gesundheitsamt sagt, es gehe letztlich immer darum, die Kontakte zwischen den Menschen weiter zu reduzieren. Der Höhepunkt der zweiten Welle sei aktuell wohl überschritten. Es fänden aber noch zu viele Kontakte statt. Wibmer sagt: „Wir lassen dem Virus noch zu viel Raum.“ Er hofft, dass es mit den neuen Maßnahmen gelingt, die Sieben-Tage-Inzidenz schon bis Weihnachten unter die Marke von 50 zu drücken.

Die Maskenpflicht in der Innenstadt und an weiteren belebten Orten in Augsburg gilt nach wie vor. In diesen Zonen kommt auch noch ein Verbot des Ausschanks von alkoholischen Getränken dazu. Die Polizei kündigt an, streng zu kontrollieren. Was bedeutet das?

Polizeivizepräsident Markus Trebes wählt deutliche Worte. „Wir haben unsere Beamten angewiesen, noch konsequenter zu ahnden, insbesondere bei beharrlichen Verstößen.“ Zuletzt seien immer wieder Verstöße festgestellt worden - etwa bei privaten Partys oder bei der Maskenpflicht im öffentlichen Raum.

Bei Demonstrationen, wie hier von Corona-Kritikern in der Innenstadt, will die Polizei noch strenger auf die Einhaltung der Regeln achten.
Foto: Michael Hochgemuth

Auch gebe es regelmäßig Verstöße gegen Quarantäneregeln. Der Ermessensspielraum, auch mal ein Auge zuzudrücken, werden fast „auf Null“ heruntergefahren, sagt Markus Trebes. Auch Atteste, die von der Maskenpflicht befreien, würden konsequent auf Echtheit überprüft. Der strengere Kurs gegen Corona-Verstöße gelte auch für Demonstrationen, sagt Trebes.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Corona: Was zählt, ist die Lage am Klinikum Augsburg

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.11.2020

"die Sieben-Tage-Inzidenz schon bis Weihnachten unter die Marke von 50 zu drücken."
Das ist Realitätsfern. In dieser Zeitspanne lernen leichter die Affen im Augsburger Zoo Panzer fahren.

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25.11.2020

Jetzt mal ganz dumm gefragt: Im Frühjahr wurden doch tausende Beatmungsgeräte angeschafft / bestellt. Wo sind diese Kapazitäten nun? Für mich stellt sich die Corona-Lage eher so dar dass die verantwortlichen Politiker und Beamten den Sommer über geschlafen haben! Das eine zweite Welle kommt war doch klar!

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25.11.2020

Betten und Geräte sind eine Sache. Das Personal eine andere Sache. Die Ausbildung dazu dauert mehrere Jahre und nicht nur wenige Wochen.

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24.11.2020

Eva Weber - ohne Worte. Bis Weihnachten unter 50. Da lacht ja die Koralle.

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24.11.2020

Bis Weihnachten unter 50.

Das ist Wunschdenken und utopisch.

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24.11.2020

Leider haben Sie Recht. Lockdown Light wird zum Synonym für inkonsequentes, unbeherztes Vorgehen, für das Verständnis und Akzeptanz nur schwer vermittelbar ist. Solidarität im Sinne von Helfen und Teilen wird nicht mit einem Teil-Lockdown erreicht. Nach meiner Überzeugung braucht es konsequentes, gerechtes, nachvollziehbares Handeln. Wenn es tatsächlich noch bis Februar oder März in dieser Art weitergehen soll, dann wird bis dahin unsere Wirtschaft sehr stark geschwächt. Es wäre ein Rechenspiel, herauszufinden, ob ein kurzer harter Lockdown oder die aktuelle Weichspülerversion mehr schadet. Leider fehlt das notwendige Erfahrungswissen. Fakt ist, dass Menschen sterben und das gilt es zu verhindern. Dazu kann und muss nach meiner Meinung jeder seinen Beitrag leisten auch wenn es unbequem ist.

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