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Umwelt

14.04.2019

Verschandeln Kleidercontainer die Landschaft in Augsburg?

Am Schwammerlweg hat die Stadt einen neuen Kleidercontainer an einer Engstelle aufgestellt und dafür Kies auf den Grünstreifen geschüttet. Anwohner meinen, der Container sei überflüssig.
Bild: Fridtjof Atterdal

Viele der Anfang des Jahres aufgestellten Sammelbehälter stehen an ungeeigneten Plätzen, so der Vorwurf. Pro Augsburg befürchtet zudem weitere Kosten von 800.000 Euro.

Anfang des Jahres hat der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb (AWS) 300 Altkleidercontainer im ganzen Stadtgebiet aufgestellt. Zugleich wurde die Sammlung von Alttextilien neu geregelt. Doch mittlerweile gibt es massiv Kritik am Vorgehen der Stadt. Viele der Container stehen an unsinnigen Plätzen oder verunstalten die Landschaft, heißt es. Und die Stadtratsfraktion von Pro Augsburg befürchtet Kosten von 800000 Euro auf die Stadt zukommen, weil viele der Behälter nachträglich ein Fundament benötigten.

In Bergheim am Schwammerlweg steht einer der grünen Altkleiderbehälter ganz am Stadtteilrand an einer Verengung für eine Spielstraße. Wer hier Kleider einwerfen möchte, muss illegal parken oder ein gutes Stück zu Fuß laufen. Der Behälter stehe völlig unsinnig und verschandle das Landschaftsbild, sagen die Anwohner. „Ich habe genau einmal jemanden gesehen, der hier Kleider einwirft“, sagt eine Nachbarin, die anonym bleiben will. Nach ihren Angaben gibt es alleine in Bergheim vier Altkleidercontainer – dieser werde überhaupt nicht genutzt. „Jeden Tag ärgere ich mich, wenn ich aus dem Fenster schaue und das hässliche Ding sehen muss“, sagt die Frau.

Streit um Kleidercontainer in Augsburg

Bergheims Pro-Augsburg Stadträtin Beate Schabert-Zeidler findet den Standort einen „städtebaulichen und planerischen Irrsinn“. Die 300 Container seien aufgestellt worden, damit man die vom Stadtrat beschlossene Quote erreicht. Die Vorgaben des Stadtrates, dass sich die Container in die öffentliche Fläche integrieren und das Stadtbild möglichst wenig beeinträchtigen sollen, seien nicht beachtet worden. Weil einige Container an Straßen mit absolutem Halteverbot oder sogar vor Verkehrsschildern stehen, würden sie auch die Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigen.

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Und ein weiteres Problem hat Pro Augsburg ausgemacht. Laut einem Bericht von Umweltreferent Reiner Erben im Umweltausschuss Ende Januar, wurde offenbar bei der Auswahl der Standorte keine Rücksicht auf die Beschaffenheit des Untergrundes genommen. Derzeit stehen einige Container auf ungeeigneten Rasenflächen provisorisch auf Betonplatten. An diesen Standorten müssten Fundamente errichtet werden – für 4400 Euro pro Container. Laut dem Referentenbericht handelt es sich um 180 Standorte – was einen finanziellen Aufwand von knapp 800000 Euro bedeuten würde, wie Pro Augsburg vorrechnet. Umweltreferent Erben wollte sich auf Anfrage vor dem nächsten Stadtratstermin im Mai weder zu den Kosten noch zu den Aufstellungskriterien äußern.

27 Kilogramm Alttextilien wandern pro Jahr und Einwohner in den Müll

Zum Hintergrund: 27 Kilogramm Alttextilien wandern rechnerisch pro Jahr und Einwohner in Augsburg in den Müll. Das wollte die Stadt ändern. Aus diesem Grund wurden die Sammelcontainer der unterschiedlichen Unternehmen abgezogen, die bis dahin auf öffentlichem Grund standen.

Die Stadt stellte einheitliche grüne Behälter auf, die vom AWS betreut werden. Für die Verwertung der Textilien holte man sich zwei Unternehmen an Bord – die Aktion Hoffnung – Hilfe für die Mission GmbH und die Lorenz Wittmann GmbH.

Bei der Vorstellung des Systems im Januar betonte Erben, der überwiegende Teil der gesammelten Altkleider werde als Secondhand-Ware wiederverwertet. Kaputte Textilien würden als Textilfaser, beispielsweise als Putzlappen, weiterverwertet. Nur der geringste Teil würde verbrannt. „Ich bin stolz auf unser neues System mit hohen ökosozialen Standards“, sagte Erben damals.

Ganz so rosig sehe es bei der Verwertung mittlerweile allerdings nicht mehr aus, berichtet Aktion-Hoffnung-Geschäftsführer Johannes Müller. Weil die Menschen immer billigere Mode einkauften, wäre es auch immer schwerer, verwertbare Kleidung in den Containern zu finden. „Ein T-Shirt für fünf Euro können sie nicht noch einmal weiterverkaufen“, so seine Erfahrung. Und weil die Kleidungsstücke aus immer mehr unterschiedlichsten Chemiefasern zusammengesetzt würden, eigneten sie sich nicht einmal mehr als Dämmmaterial oder Putzlappen. „Wir bewegen viel Menge, aber keine Qualität“, beklagt Müller.

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