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Masken

24.03.2016

Vom Neid zerfressen, vom Zorn entstellt

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5 Bilder
Vom Neid zerfressen.

Für die Ausstellung „Die sieben Todsünden“ im Diözesanmuseum schuf der Allgäuer Bildhauer Bruno Wank fünfzehn Masken aus Bronzeguss. Ein Panoptikum der Missstimmungen

Der zornige Mensch verändert sein Aussehen. Die Adern schwellen an, die Augen treten hervor, die Backen und das Kinn verzerren sich, der Kopf senkt sich wie zum kämpferischen Stoß, der Mund verbreitert sich zum Schrei. Der innere Aufruhr ist dem Menschen direkt ins Gesicht geschrieben. Genauso wie jede andere Stimmung, denn das Gesicht ist ein Spiegel der Seele. Und wer anderes vorgaukeln will, muss schon eine Maske tragen. Für seine Ausstellung „Die sieben Todsünden“ hat das Diözesanmuseum St. Afra den Allgäuer Künstler Bruno Wank gebeten, in Bronze Masken für sündhafte Neigungen zu gießen.

Nicht sieben Masken sind es geworden, sondern fünfzehn. Bruno Wank wollte jeden Anschein einer abschließenden Behandlung des Themas vermeiden. Er sagt: „Die Sünde hört nicht auf, sie wandelt nur ihr Aussehen.“ So hat Papst Franziskus zu Weihnachten 2014 seinen Kardinälen fünfzehn Krankheiten vor Augen geführt, vor denen sie sich hüten sollten. Etwa die Versuchung, sich für unersetzlich zu halten, oder mental zu versteinern oder des Schwatzens, Murrens und Schlechtredens. Diese Reihe darf jeder weiterdenken und ergänzen.

Der 55-jährige Bildhauer aus Görisried (Ostallgäu) hat es sich auch verkniffen, allzu plakativ die traditionellen Merkmale der Todsünden in seinen Masken abzubilden. „Die Deutung bleibt den Betrachtern in aller Freiheit überlassen, die Masken sollten ihr Geheimnis bewahren“, erklärt Wank. Wer sie genau studiert, wird einige auffällige Haltungen entdecken: geblähte Nasenflügel, ein spitzer Mund, feiste und aufgeblähte Backen, breites Grinsen, verkniffene Augen, spöttisch hochgezogene oder mürrisch hinabhängende Mundwinkel. Ein wahres Panoptikum menschlicher Missstimmungen entfaltet sich in diesen Gesichtszügen. Eine fast konturlose Maske wirkt sogar wie vom Neid zerfressen.

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„Hinter jeder Maske steckt ein wirklicher Kopf, ein wirklicher Mensch“, verrät der Künstler – angefangen von seinen Töchtern bis hin zu markanten Mienen knorriger Allgäuer und Allgäuerinnen. Doch Bruno Wank hat sie komplett verändert und künstlerisch weiterentwickelt. „Die Porträtierten werden sich in diesen Masken wahrscheinlich selbst nicht mehr erkennen.“ Was der Bildhauer innen entdeckte, hat er nach außen gestülpt. Manchmal buchstäblich. Eine Maske hat er mit der ganzen Hand durchlöchert, sodass sie vier Augen hat. Nur eine beließ er beim innerlichen Ausdruck – die Memento-mori-Maske, seine Erinnerung an die Hinfälligkeit alles Menschlichen, seine Sterblichkeit. Wie bei einem Totenschädel gehen hier die Augenhöhlen nach innen.

Ganz verschiedenartig erscheint die Oberfläche dieser Masken, mal spiegeln sie silbrig oder golden auf Hochglanz poliert, mal sind sie rau, mal wirken sie gar wie aus Keramik. Es seien allerdings allesamt Bronzegüsse und er verwende jedes Mal dieselbe Legierung, beteuert Wank. Nirgendwo schüttet er zum Finish noch Silber hinein, wie es beim Glockenguss des Klangs halber üblich ist. Der Allgäuer, der in der Gießerei seines Vaters aufgewachsen ist und an der Münchner Akademie studierte, beherrscht lediglich die Kunst, einen Guss perfekt zu steuern. So manipuliert er den Farbton der Bronze. Auf den schrundigen Masken belässt er die Gusshaut.

noch im Diözesanmuseum St. Afra, Kornhausgasse 3–5. Anschließend ab 4. Juni in Bruno Wanks Privatgalerie „Verpackerei Görisried“.

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