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Augsburg

22.02.2017

Was Kai Diekmann in Augsburg über Daniel Biskup verrät

Sahen sich gemeinsam die Fotografien von Daniel Biskup (Mitte) an: Theo Waigel (v.l.), Kai Diekmann, Christof Trepesch sowie Kulturreferent Thomas Weitzel.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Gäste kamen zur Eröffnung der Ausstellung "Russland – Perestroika bis Putin" des Neusäßer Fotografen Daniel Biskup. Was Ex-Bild-Chef Kai Diekmann über den Neusässer verriet.

Über elf Jahre lang hat Fotograf Daniel Biskup den politischen und gesellschaftlichen Umbruch in Russland in Bildern dokumentiert. Am Dienstagabend wurde die Ausstellung des bekannten Neusässers „Russland – Perestroika bis Putin“ in der Katharinenkirche im Schaezlerpalais eröffnet. Dabei gab es auch interessante Geschichten zu hören.

Ein Junge sitzt mit seinem Akkordeon an einer Säule. Er spielt die Melodie des Liedes „Lambada“. Vor ihm steht eine Plastiktüte, geöffnet für Geldspenden. Das Foto entstand im Mai 1994 in Moskau. Es ist eines der 90 Bilder, die die Aufmerksamkeit der Vernissage-Besucher auf sich ziehen. „Als ich das erste Mal nach Russland reiste, hätte ich nie gedacht, dass ich 30 Jahre später darüber eine Ausstellung mache“, sagt Daniel Biskup. Darum seien solche Ausstellungs-Eröffnungen Festtage für ihn.

Waigel: Der Fotograf richte den Blick aufs russische Volk

Wie sehr seine Fotografiekunst geschätzt wird, zeigte am Dienstagabend die volle Staatsgalerie in der Katharinenkirche im Schaezlerpalais. Ein Sitzplatz war bald nicht mehr zu finden. Viele der Gäste, unter denen auch Prominente aus Politik und Gesellschaft waren, lauschten den Eröffnungsreden, unter anderem der des ehemaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel, im Stehen. Dieser würdigte Biskup dafür, dass er seinen Blick auf das Volk richte, im Gegensatz zu den Politikern. „Seine Bilder sind eine gute Reflexion für uns“, sagte Waigel selbstkritisch.

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Schon 1988 erkannte der damals 25-jährige Politik- und Geschichtsstudent Biskup, dass in der damaligen Sowjetunion eine historisch einmalige Phase des Umbruchs anstand. Ohne ein Wort Russisch sprechen zu können, machte er sich mit seiner Kamera und ein paar Filmen dorthin auf. Wie auch in den darauffolgenden Jahren. Tausende Bilder entstanden. Sie sind nicht nur eine Zeitreise durch die Geschichte Russlands, sondern auch eine Art persönliches Tagebuch von Daniel Biskup. Er fotografierte stürzende Denkmäler, Demonstrationen, aber auch Bürger, Schaufenster und Modenschauen. Es sind „spannende Bilder“, wie er sagt. Die für ihn eindrucksvollsten Fotos veröffentlichte Biskup unlängst in einem Bildband. In der aktuellen Ausstellung, die den Namen dieses fotografischen Geschichtsbuches „Russland – Perestroika bis Putin“ trägt, ist ein großer Teil davon zu sehen.

Diekmann und Biskup - fast schon ein eheähnliches Verhältnis

Dass Biskup Augsburg als Ausstellungsort ausgewählt hat, liegt nicht nur daran, dass er in Neusäß lebt. Ausschlaggebend war für ihn auch, sagt er, dass über 40.000 Menschen mit russischstämmigem Hintergrund in der Fuggerstadt leben. Zudem wohne mit Theo Waigel, der beim Aushandeln des Zwei-plus-vier-Vertrages mit dabei war, der den Weg für die deutsche Wiedervereinigung ebnete, einer der letzten bedeutenden Zeitzeugen ebenfalls in der Nähe von Augsburg.

Neben Waigel begleitete auch ein langjähriger Weggefährte Biskups die Ausstellungseröffnung: der ehemalige Welt-am-Sonntag- und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. In einer launigen Gesprächsrunde zwischen Waigel, Diekmann und Biskup, die der stellvertretende Chefredakteur unserer Zeitung, Gerd Horseling, moderierte, wurde aus dem Nähkästchen geplaudert.

Aussstellungseröffnung Daniel Biskup
58 Bilder
Fotoausstellung von Daniel Biskup eröffnet
Bild: Silvio Wyszengrad

Diekmann verriet etwa, dass er mit Biskup nach 17 Jahren Freundschaft inzwischen ein nahezu eheähnliches Verhältnis führe. Man liebe sich, mitunter aber hasse man sich. „Wenn wir zu Fuß unterwegs sind, kommen wir nicht voran, weil Daniel immer irgendetwas sieht.“ Das habe ihn manchmal wahnsinnig gemacht. Der Journalist hob hervor, dass Biskup ein Fotokünstler sei, der den Menschen, die er fotografiere, stets ihre Würde lasse. Zudem habe Biskup ein Auge für Details. „Selbst auf dem Schreibtisch von Donald Trump, der zugemüllt ist, entdeckt er etwas“, so Diekmann (Lesen Sie dazu auch: Wie Fotograf Daniel Biskup Donald Trump erlebte ).

Der Journalist war 1999 auf Biskup aufmerksam geworden, als er ein Foto von ihm in der taz gesehen hatte. „Es zeigte ein Flüchtlingsmädchen in einem Flüchtlingslager im Kosovo, das sich gerade schminkte. Daniel zeigte mit dem Bild, dass dies eine Welt ist, die auch unsere ist.“ Diekmann nahm zu dem Neusässer Kontakt auf. Das war der Beginn einer Zusammenarbeit, aus der dann auch Freundschaft wurde.

Daniel Biskups Ausstellung „Russland – Perestroika bis Putin“ läuft bis Sonntag, 7. Mai. Geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.

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