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Natur in der Region

12.08.2019

Was Sie noch nicht über die Augsburger Wälder wussten

Augsburg ist die größte kommunale Waldbesitzerin in Bayern.
Bild: Guido Kirchner, dpa

Die Stadt Augsburg ist die zweitgrößte kommunale Waldbesitzerin Deutschlands. Was es außerdem über die städtischen Wälder zu wissen gibt.

Der Wald gilt vielen als Metapher für die Natur, ihre Schönheit und Fruchtbarkeit. Als Gegenpol zu einer sich immer schneller entwickelnden Welt suchen auch Augsburger die Ruhe und Entspannung der Wälder in und außerhalb der Stadt. Sie gehen spazieren, Beeren und Pilze sammeln oder laufen ihre Runden mit dem Hund.

Dazu haben sie viel Platz: Denn mit rund 38.600 Hektar sind Landkreis und Stadt Augsburg zu knapp einem Drittel bewaldet. Hätten Sie's gewusst?

13.000 Hektar der Wälder um Augsburg sind Staatswald

Bei etwa 13.000 Hektar der Wälder im Landkreis Augsburg handelt es sich um Staatswald, diese Flächen machen etwa 34 Prozent der Gesamtfläche aus. Bewirtschaftet wird dieser Staatswald vom Forstbetrieb Zusmarshausen und den Bayerischen Staatsforsten. In Privatbesitz befindet sich nach Angaben des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten knapp die Hälfte der Flächen, insgesamt also 47 Prozent.

Mit mehr als 7000 Hektar ist Augsburg - verglichen mit anderen Kommunen - die größte Waldbesitzerin in Bayern und die zweitgrößte innerhalb Deutschlands. Damit besitzt die Stadt eine Fläche so groß wie Haunstetten, Göggingen, Inningen und Bergheim zusammen. Diese Waldfläche verteilt sich auf sieben Forstreviere, wovon sich zwei innerhalb des Stadtgebiets befinden. Der Rest liegt außerhalb.

Das Jahr 2019 ist übrigens ein besonderes für die Stadt. "1249 kam Augsburg durch eine Schenkung an Wald", sagt Jürgen Kircher von der Forstverwaltung. Die Urkunde dazu liege noch im Stadtarchiv. "Damit ist Augsburg seit 770 Jahren Waldbesitzerin - von mittlerweile 7700 Hektar Bewirtschaftungsfläche."

Hätten Sie's gewusst? Zu knapp einem Drittel sind Kreis und Stadt Augsburg bewaldet.
Bild: Peter Fastl

Der Siebentischwald und der Haunstetter Wald liegen im Stadtgebiet und zählen zu den letzten erhaltenen, naturnahen Lechlandschaften. Fast ihre gesamte Fläche steht unter Naturschutz. Die Auenwälder schützen Augsburg vor Hochwasser und dienen als Trinkwasserspeicher und -filter.

Mehr als 30.000 Festmeter Holz produzieren die Reviere Augsburgs

Die städitischen Reviere außerhalb produzieren jährlich mehr als 30.000 Festmeter Holz. Dabei versuchen die zuständigen Behörden, auf eine nachhaltige Waldwirtschaft zu achten. "Es wird höchstens so viel abgeholzt wie nachwächst", heißt es vonseiten der Stadt. Durch die Einnahmen kann die Forstverwaltung selbst für Pflege und Unterhalt ihres Walds aufkommen.

Ein Großteil der Überschüsse etwa fließt an frühere Besitzer des Stadtwalds: vier Stiftungen, die Seniorenheime und andere soziale Einrichtungen. Der Sektor Forst und Holz umfasst rund 3000 Beschäftigte und erzielt einen jährlichen Umsatz von 700 Millionen Euro.

Der Stadtwald ist der erste PEFC-zertifizierte Forst

Als Erholungsgebiet hat der Stadtwald für die Augsburger eine große Bedeutung. Im Jahr sind hier etwa vier Millionen Menschen unterwegs - mit Tieren, dem Fahrrad, Freunden und allein. Deutschlandweit ist der Stadtwald sogar der erste PEFC-zertifizierte Erholungswald überhaupt.

Seit 2000 verpflichtet sich die Augsburger Forstverwaltung, die vorgegebenen Standards dieser unabhängigen Wald-Zertifizierungsstelle einzuhalten. Für dieses Siegel müssen insgesamt 60 Kriterien erfüllt sein.

Rund vier Millionen Menschen sind jedes Jahr im Augsburger Stadtwald unterwegs.
Bild: Peter Fastl

Dazu gehört beispielsweise, dass Forstbetriebe und -verwaltungen nicht mehr Bäume schlagen dürfen als nachwachsen. Dass sie keine gentechnisch veränderten Setzlinge pflanzen. Und dass sie die Artenvielfalt im Wald erhalten.

Zum Erholungsgebiet des Stadtwalds gehört auch der Siebentischwald. Weshalb der Park gerade diesen Namen trägt, dazu gebe es viele Theorien, sagt Jürgen Kircher von der Forstverwaltung. Nachvollziehbar aber sei diese: "Vor vielen Jahren hatte ein Förster des Waldes das Schankrecht inne und schenkte in seiner Vergnügungsgaststätte dementsprechend Bier aus."

Im Siebentischwald hat ein Förster eine Gaststätte betrieben

Eben diese Schenke soll "Zu den sieben Tischen" genannt worden sein. Warum es sie heute nicht mehr gibt? "Wie vieles andere soll sie der Bombennacht von 1944 zum Opfer gefallen sein", erzählt Jürgen Kircher. Aufgebaut habe man sie nie wieder.

Die Stadt Augsburg pflegt außerdem ein Waldstück in der Oberpfalz. Das Forstrevier Fuchsmühl, sagt Jürgen Kircher, liege im Naturpark Steinwald etwa 300 Kilometer nordöstlich von Augsburg und verringere durch seine Lage das Betriebsrisiko für den städtischen Forstbetrieb. "Dies ist vor allem in Zeiten des sich drastisch wandelnden Klimas von unschätzbarer Bedeutung."

Blühwiesen wie diese im Stadtwald sichern unter anderem die Insektenvielfalt in der Region.
Bild: Annette Zoepf

Durch einen Truppenübungsplatz kam Augsburg an Wald in der Oberpfalz

Wie aber kommt Augsburg an ein Revier in der Oberpfalz? Auch diese Geschichte sei auf den Krieg zurückzuführen, sagt Jürgen Kircher. Damals habe der nationalsozialistische Staat den Bau von Truppenübungsplätzen forciert. Dazu benötigte er Land. So musste die Stadt Augsburg im April 1937 rund 90 Hektar aus dem Stadtwald westlich der Stadt an das Deutsche Reich verkaufen. "Der Verkaufspreis lag bei 599.537 Reichsmark."

Dieses Geld wollte die Verwaltung wieder in Waldbesitz anlegen. Weil sie aber in Südbayern keine geeigneten Flächen fand, erwarb Augsburg das Schlossgut Fuchsmühl mit Wald und Landwirtschaftsflächen zum Preis von rund 660.000 Reichsmark in der Oberpfalz. "Und so erhielt die Stadt für die 90 Hektar bei Augsburg gut 900 Hektar in der Oberpflanz." (AZ)

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