1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wird dieses Baudenkmal in der Innenstadt zur Bauruine?

Augsburg

15.09.2017

Wird dieses Baudenkmal in der Innenstadt zur Bauruine?

Ein Dach mit Lücken: Wenn es weniger schön ist, fällt der Regen in das „Hohe Meer“.
Bild: Annette Zoepf

Das denkmalgeschützte Haus "Hohes Meer" gehört einer Firma, die Luxuswohnungen errichten will. Doch der Baufortschritt stockt, in der Dachplane klafft ein Loch.

Neulich soll auf der Rückseite des Gebäudes mal etwas passiert sein. Zwei Bagger seien dort angeblich herumgefahren, berichten Anwohner. Zumindest für eine kurze Zeit mal Betrieb. So was sorgt für Gesprächsstoff, wenn eine bekannte Immobilie jahrelang leer steht, und wenn sie, wie aktuell, von außen ein wenig und beim Blick durch die Fenster schon etwas mehr wie eine Bauruine aussieht.

Die Geschichte vom "Hohen Meer"

Es geht um das „Hohe Meer“, also das Gebäude in der Frauentorstraße, in dem die Gaststätte mit dem markanten Namen einmal ihren Platz hatte. Im Laufe der Jahre war es immer mal wieder für besondere Nutzungen im Gespräch. Ein Hotel, ein Café im Erdgeschoss, etwas in diese Richtung. Nichts wurde draus. Seit Jahren nun gehört das Haus einer Firma namens Dolphin Trust, die früher Dolphin Capital hieß: einem Immobilienentwickler aus der Stadt Langenhagen in der Nähe von Hannover. Der Plan des Unternehmens: Das Haus sanieren und umbauen, 13 Luxuswohnungen errichten. Erstmals berichtete unsere Zeitung 2014 über das Projekt, schon damals hieß es, alle Wohnungen seien verkauft. Bereits 2011 hatte das Unternehmen angefangen, sie zu vermarkten. Passiert ist bis heute: wenig. Auf dem Gelände auf der Rückseite des Hauses stehen aktuell tatsächlich zwei Bagger; die neueste sichtbare Entwicklung gab es aber im April dieses Jahres: Da baute die Firma, die das Baugerüst an der Frontfassade stellte, eben jenes Gerüst ab. Was nichts mit einem möglichen Baufortschritt zu tun hatte. Man habe, hieß es damals aus diesem Unternehmen gegenüber unserer Zeitung, das Gerüst schlicht an anderer Stelle gebraucht.

Heute wirken einige Fenster an der Fassade zur Frauentorstraße halbwegs neu, andere hingegen nicht. Ab dem ersten Obergeschoss hat jemand die Fassade neu gestrichen, im Erdgeschoss nicht. Drinnen ist kein Boden verlegt, die Wände sind kahl und unverputzt, die Decken ebenso. Nicht viel deutet darauf hin, dass hier bald mal jemand wohnen könnte, am wenigsten das Dach. Das besteht im vorderen Gebäudeteil aus einer schwarzen Plane mit mehreren großen Löchern. In das Gebäude regnet es also rein. Man muss kein Experte sein, um zu ahnen, welche Auswirkungen das auf die Bausubstanz haben kann.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was auch deshalb nicht ganz unproblematisch ist, da es sich bei der Immobilie um ein denkmalgeschütztes Haus handelt. Vermutlich wurde es um 1600 errichtet, in der bayerischen Denkmalliste steht es als „ehemaliges Gasthaus Hohes Meer, stattlicher viergeschossiger, giebelständiger Sattelbau mit hohem Giebel über weit vorkragendem Gesims, Fassade von 1887, im Kern älter“. Denkmalgeschützte Gebäude bringen gewisse Verpflichtungen mit sich: Der jeweilige Eigentümer hat sie „instandzuhalten, instandzusetzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen“, wie es im Denkmalschutzgesetz heißt. Die Behörden können die Eigentümer dazu verpflichten, es drohen Zwangsgelder. In Augsburg hat das die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt im Falle des „Hohen Meeres“ in der Vergangenheit auch getan, wie der zuständige Baureferent Gerd Merkle auf Anfrage mitteilt. Sicherungsarbeiten seien danach auch ausgeführt worden. Weitergehende Aussagen dazu könne man aus Datenschutzgründen nicht tätigen, heißt es weiter.

Nach Informationen unserer Zeitung hat die Stadt die zuständige Projektgesellschaft der Dolphin Trust, die „Dolphin Capital 32. Projekt GmbH & Co. KG“ bereits schon einmal per Bescheid dazu verpflichtet, das Dach so abzudichten, dass dort kein Regenwasser eindringen kann. Ansonsten hätte die Dolphin 5000 Euro zahlen müssen. Bereits 2015 hatte es demnach schon einmal Schäden gegeben, weil es in das Haus reingeregnet hatte.

Die Bauarbeiten sollen wieder weitergehen

Künftig sollen nach Auskunft der Dolphin Trust wieder Baufortschritte sichtbar sein. Man habe seit März neue Verträge mit einer ortsansässigen Dachdeckerfirma, einer Schreinerei sowie einem Unternehmen für Aufzugsbau ausgehandelt, teilt das Unternehmen mit. Zuvor hätten die Bauarbeiten aufgrund mangelhafter Bauausführung seitens des beauftragten Bauunternehmens gestoppt werden müssen. Aktuell stelle der zuständige Architekt einen neuen Bauzeitenplan auf. Was das Loch im Dach angeht: Die schlechte Wetterlage der letzten Wochen habe Schäden im südseitigen Dachbereich verursacht, heißt es von Dolphin Trust. Die Abdichtung sei jedoch bereits eingeleitet worden.

In Ausnahmefällen kann die zuständige Denkmalschutzbehörde die Maßnahmen zum Schutz des Denkmals theoretisch auch selbstständig durchführen lassen. Es ist allerdings ein Mittel, das in der Praxis nur selten umgesetzt wird und für Behörden Risiken birgt: eine Klage vor dem Verwaltungsgericht etwa, oder die Möglichkeit, dass man auf den Kosten für die Arbeiten sitzen bleibt.

Einige Anwohner sind mit dem aktuellen Zustand der Immobilie jedenfalls „nicht besonders glücklich“, wie Roland Frank vom Verein „Bürgeraktion Obere Stadt“ sagt. „Das Gebäude verschandelt das Straßenbild“, sagt er.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_0205.tif
Augsburg

Credolino im Hochfeld baut Kindergarten

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen