Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Wirtschaft: Bäckerei Ihle will München erobern

Wirtschaft

Bäckerei Ihle will München erobern

  • |
  • |
  • |
     Willi-Peter und Alexander Ihle wollen es wissen.
     Willi-Peter und Alexander Ihle wollen es wissen. Foto: Silvio Wyszengrad

    Mit seinen Werken in Friedberg und Gersthofen ist das Unternehmen Ihle die größte Bäckerei in Bayern. Deutschlandweit zählt die Firma, die intensiv auf Expansion setzt, zu den sieben Großen. In der Region Augsburg ist Ihle mit 130 Filialen Marktführer. Diese Rolle will der Bäcker auch im Raum München übernehmen, wo ebenfalls bereits 130 Filialen eröffnet wurden und noch viele weitere hinzukommen sollen. Wir sprachen mit den Geschäftsführern Willi-Peter und Alexander Ihle in der Friedberger Firmenzentrale über Wettbewerb, Expansion, Firmenkultur und Probleme in der Vergangenheit. Beide Unternehmer waren bisher gegenüber Medien sehr zurückhaltend. Davon war bei unserem Interview nichts zu spüren.

    Wie wird man das größte Bäckereiunternehmen in Bayern?

    Alexander Ihle: Den Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung hat unser Vater mit seinem Pioniergeist bereits Ende der sechziger Jahre gelegt. Er begann damit, Handelsketten zu beliefern und eröffnete die ersten Ihle-Filialen unter dem Dach von Supermärkten. Es war immer wichtig für uns, Veränderungen am Markt und Trends sehr genau zu beobachten und darauf zu reagieren. Vor vielen Jahren waren wir die Ersten, die am Sonntag öffneten. Heute haben 160 unserer 260 Filialen sonntags auf. Es ist ein sehr umsatzstarker Tag.

    Wie wollen Sie es schaffen, weiter zu wachsen?

    Willi-Peter Ihle Indem wir noch mehr Läden eröffnen. Wir wollen den Münchner Markt erobern, wo wir bereits die Hälfte unserer Filialen betreiben. Der Raum München ist unser Wachstumsmarkt. Dort sehen wir ausreichend Platz für 100 weitere Ihle-Filialen. Die Kunden sind kaufkräftiger als in anderen Orten und erwerben durchschnittlich 20 Prozent mehr Produkte bei ihrem Ladenbesuch.

    Bäckereikunden sorgen für relativ stabile Umsätze für die Branche. Sie sind aber auch anspruchsvoller geworden.

    Willi-Peter Ihle Das ist richtig. Sie legen Wert auf den richtigen Geschmack, Frische, Vielfalt und erwarten von ihrem Bäcker ein gastronomisches Angebot. Es ist ein Trend, den wir seit 15 Jahren verfolgen und der zunimmt. Gefragt ist eine Mischung aus Bäckerei und Restaurant. Wir sprechen von „Bäckerant“ und haben ein Konzept für unsere gastronomische Bäckereifiliale der Zukunft entwickelt. Den Prototypen eröffneten wir vor wenigen Tagen in der Augsburger City-Galerie. Dort haben wir fast in Sichtweite zu einer Fast-Food-Kette sogar Burger im Angebot.

    Immer mehr Discounter nehmen das Backen selbst in die Hand. Macht Ihnen das nicht Angst?

    Alexander Ihle: Es stimmt, der Handwerksbäcker verliert Marktanteile, der Handel gewinnt. Es ist ein junger Markt mit einer gewaltigen Dynamik. Von den 11,5 Milliarden Euro Umsatz, die jährlich am deutschen Markt mit Backwaren gemacht werden, entfallen heute noch zwei Drittel auf handwerkliche Bäckereibetriebe und ein Drittel auf den Handel. In fünf Jahren wird der Handel seinen Anteil auf 50 Prozent gesteigert haben. Das macht uns nicht Angst, wir sehen darin eine unternehmerische Herausforderung. Vor drei Jahren nahmen wir deshalb unsere industrielle Großbäckerei in Gersthofen in Betrieb, die den Handel in Deutschland und Europa mit tiefgekühlter Ware bedient. Es ist unser zweites Standbein.

    Es gibt kritische Stimmen, die sagen, Ihle beziehe selbst Rohware aus dem Ausland. Auf Ihrem Firmengelände wurden angeblich Lastwagen mit osteuropäischen Kennzeichen gesehen.

    Willi-Peter Ihle (emotional): Dieses Gerücht enthält nicht ein Fünkchen Wahrheit. Wir wissen nicht, woher es kommt und können nur darüber spekulieren. Eine Erklärung könnte sein: In der Vergangenheit haben wir aus unserem Fuhrpark Fahrzeuge in den Osten verkauft, die bei uns abgeholt, mit osteuropäischen Kennzeichen versehen wurden und noch die Ihle-Aufschrift trugen. Wir haben daraus gelernt. Heute wird die Werbung vor der Fahrzeugabgabe entfernt.

    Woher kommen Ihre Rohstoffe?

    Willi-Peter Ihle: Zum größten Teil aus der Region, das Mehl stammt aus heimischen Mühlen.

    Alexander Ihle: Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass wir in unserem Friedberger Werk, das alle unsere Filialen beliefert, mit handwerklicher Qualität produzieren. 430 Mitarbeiter stellen hier Nacht für Nacht frische Backwaren aus besten Rohstoffen her.

    Ihr Unternehmen gilt als erfolgreich, innovativ und dynamisch. Und setzt seine Mitarbeiter stark unter Druck, wie zu hören ist.

    Willi-Peter Ihle: Wir sind ein leistungsorientiertes Unternehmen, das im knallharten Wettbewerb steht und 2600 Menschen sichere Arbeitsplätze bietet. Zu unseren Grundsätzen gehören die sympathische Professionalität und Wertschätzung für unsere Mitarbeiter. Beides haben wir in den heißen Phasen unseres Wachstums vielleicht nicht immer gezeigt, was womöglich zu viel Druck geführt hat. Wir haben dazu gelernt und mit den Beschäftigten ein Leitbild fürs Unternehmen entwickelt, das Leistung ebenso fordert wie menschlichen Umgang. Wir wollen, dass unsere 100 Führungskräfte sich daran halten.

    Es gab den öffentlichkeitswirksamen Streit mit dem Betriebsratsvorsitzenden Ihres Friedberger Werks.

    Willi-Peter Ihle: Den Verdacht, dass er mithilfe eines Computer-Passwortes in der Lohnbuchhaltung manipulierte, konnten wir nach dem Einsatz einer Überwachungssoftware belegen. Das Gericht hat dieses Beweismittel nicht zur Verwertung zugelassen. Wir hätten dagegen in Berufung gehen können, haben es aber nicht getan, weil wir weiteren Schaden vom Unternehmen abhalten wollten.

    Wie ist die Zusammenarbeit heute mit dem Mann?

    Willi-Peter Ihle: Sie ist konstruktiv und sachlich. Wir haben kein Problem mit der betrieblichen Mitbestimmung und unseren drei Betriebsratsgremien. Ihre Präsenz gehört zu unserer Unternehmenskultur.

    Sie sind seit vielen Jahren auf Erfolgskurs. Wenn Sie zurückblicken: Gab es auch kritische Phasen?

    Willi-Peter Ihle: Ja. Im Jahr 2008 hat es uns kalt erwischt. Eine sogenannte Sondereinheit stand unangekündigt vor der Tür. Ein Dutzend Lebensmittelkontrolleure ist durch die Backstube in Friedberg gegangen und hat mit Taschenlampen jeden Winkel ausgeleuchtet. Sie haben den Betrieb auseinandergenommen.

    Gab es denn Grund zur Beanstandung?

    Willi-Peter Ihle: Den gab es. Es wurden Hygienemängel festgestellt. Und es war berechtigt. Dafür entschuldigen wir uns.

    Wie ging es dann weiter?

    Willi-Peter Ihle: Wir haben umfassend reagiert, sofort die Weichen gestellt, noch 2008 unser Hygienecenter aufgebaut und die Hygienefibel für die Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter entwickelt. Wir investierten vier Millionen Euro in Gebäudesubstanz, Maschinen und Abläufe. Heute sind wir mit unserem Hygienekonzept in der Branche ein Vorzeigebetrieb. Noch ein Wort zu 2008: Von den Mängeln ging keine Gefährdung für Kunden aus. Wir haben auch damals sichere Lebensmittel und Backwaren hergestellt.

    Der Hygiene-Skandal bei der Großbäckerei Müller-Brot hat die Branche unter Druck gesetzt. Können Sie solche Vorfälle aufgrund Ihrer Maßnahmen bei sich ausschließen?

    Alexander Ihle: Das können wir ganz bestimmt. Mängel wie bei Müller-Brot schließen wir vollkommen aus. Neutrale Gutachter und die Behörden attestieren uns einen guten Hygienezustand. Wir laden jeden ein, sich selbst ein Bild zu machen. Wir führen Gruppen bis zu 20 Personen durch unseren Betrieb. Interessierte können sich für die Aktion „Gläserne Backstube“ online anmelden.

    Wie viel Umsatz macht Ihle?

    Willi-Peter Ihle (lächelt): Mit Angaben zu Umsatz und Ertrag haben wir uns schon immer vornehm zurückgehalten. Das gehört zur Familientradition.

    Interview: Alfred Schmidt

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden