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Augsburg

01.04.2020

Wohnbebauung am Bahnpark ist auf Eis gelegt - zum Ärger für Solidas

Diese Brache liegt südlich des Bahnpark-Geländes an der Firnhaberstraße. Ein Immobilienunternehmen will dort eigentlich Wohnungen bauen, doch dabei gibt es Probleme.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Das Areal zwischen Messe und historischem Bahnpark wird vorerst nicht vom Eisenbahnbetrieb freigestellt. Das ärgert den Immobilieninvestor Solidas.

Wohnungen, Gewerbe und mehr. Beim Augsburger Immobilienunternehmen Solidas kann man sich viele Möglichkeiten vorstellen, wie man das große alte Bahnareal nördlich der Messe und damit den Stadtteil Hochfeld neu beleben könnte. Doch nun droht den Plänen das Aus. Um den Städtebau voranzubringen, müsste das seit Langem brachliegende Gelände von Eisenbahnbetriebszwecken freigestellt werden. Und genau da gibt es jetzt eine negative Entscheidung.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat die beantragte Freistellung vor einigen Tagen abgelehnt. Im Bescheid nennt die Behörde dafür verschiedene Gründe. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielt demnach die Stadt Augsburg. Sie sieht in der Nähe des Augsburger Hauptbahnhofs einen großen Bedarf für schienengebundene Betriebsflächen, etwa um den Regio-Schienen-Takt weiter auszubauen. Mit Blick auf das kommende Stadtentwicklungskonzept ist vorgesehen, dort Flächen für "bahnaffines Gewerbe" vorzuhalten, etwa, um Züge abzustellen und zu warten. Wie in anderen deutschen Städten gehe es auch in Augsburg um die große Aufgabe, nachhaltige Mobilität sicherzustellen, heißt es in der städtischen Stellungnahme.

Das Bahnpark-Areal von oben betrachtet.
Bild: Ulrich Wagner


Wichtig war für das EBA auch eine Einschätzung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Sie bestellt im Freistaat den Personennahverkehr auf der Schiene und sieht ebenfalls einen möglichen weiteren Bedarf an Abstellgleisen für Züge oder für Werkstattflächen für Eisenbahnunternehmen. Im hochbelasteten Verkehrsknoten Augsburg gebe es sonst kaum noch Reserveflächen. Konkret hat die Firma Fahrzeugkompetenzzentrum Augsburg (FKA) Interesse angemeldet, auf dem früheren Bahngelände eine Güterwagen-Instandhaltung einzurichten und dafür auch potenzielle Kunden benannt.

Es geht um ein 65.000 Quadratmeter großes Areal

Das Fazit beim Eisenbahn-Bundesamt: Die Nutzungsinteressen in Sachen Schienenverkehr seien "als ernsthaft – und unter der Hinnahme einer Prognoseunsicherheit – als plausibel zu betrachten". Auch wenn es andere gibt, die gegen eine Freigabe des rund 65.000 Quadratmeter großen Areals an der Firnhaberstraße nichts einzuwenden hätten, darunter die Deutsche Bahn AG.

Dort erwartet man langfristig keine Nutzung der Gleise und Hallen auf dem Gelände mehr. Ähnlich beurteilt man die Lage im historischen Augsburger Bahnpark, der nördlich angrenzt. Geschäftsführer Markus Hehl sagt, "wir beobachten als Nachbar die Entwicklung auf dem Solidas-Gelände. Wir wünschen uns eine städtebauliche Entwicklung, weil wir in den vergangenen 20 Jahren die Erfahrung gemacht haben, dass kein modernes Eisenbahnunternehmen die denkmalgeschützte Fläche südlich und westlich von uns reaktivieren wird."

Der Bahnpark selbst sei als Kultur- und Museumseinrichtung mit der Dampflokhalle und dem Rundhaus für historische Loks per Planfeststellungsbeschluss genehmigt, betont Hehl. Er könne seinen Besucher- und Museumsbetrieb ungehindert durchführen – unabhängig davon, was um den Bahnpark herum passiert.

Das historische Rundhaus im Bahnpark.
Bild: Silvio Wyszengrad


Überrascht von der negativen Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes wurde man offenbar beim Immobilienunternehmen Solidas. Denn der Bescheid führt zu einer absurden Situation. "Die Gleise auf unserem Grundstück sind bereits stillgelegt worden und durch einen Prellbock abgesperrt", sagt Geschäftsführer Anton Kopp. Die Zufahrt für Bahnen sei nicht mehr möglich. Deshalb sei man davon ausgegangen, dass eine Freistellung von Eisenbahnbetriebszwecken nur eine Frage der Zeit sei.

Der Geschäftsführer sagt, er vermute hinter der Entscheidung ein Politikum. "Wir werden gegen den Bescheid voraussichtlich Widerspruch einlegen." Mit der Prüfung seien Fachanwälte beauftragt. Das Unternehmen habe das Grundstück nicht gekauft, um darauf Eisenbahnen fahren zu lassen.

Nach seiner Einschätzung ist in der aktuellen Lage eine Nutzung des Areals nun auf Jahre hinaus blockiert. "Kann sich eine Stadt das leisten, ein Grundstück in solcher Lage verkommen zu lassen, samt den Denkmälern, die darauf stehen, das frage ich mich", sagt Kopp.

Zuletzt kaufte Solidas das Schwabencenter

Solidas ist ein großer Spieler im Augsburger Immobiliengeschäft. Zuletzt kaufte die Firma das Schwabencenter. Auch das ehemalige Zeuna-Stärker-Areal, auf dem viele Wohnungen entstehen sollen, ist in Händen dieses Investors. Das Augsburger Unternehmen ist allerdings schon das zweite, das eine städtebauliche Entwicklung des alten Bahngeländes anstrebt. Ende vergangenen Jahres hatte Solidas das Grundstück vom Münchner Immobilienentwickler Isaria erworben.

Letzterer wollte dort in größerem Umfang Wohnungen bauen, verkaufte die Fläche dann aber ohne Angabe von Gründen. Wegen zahlreicher hoher Hürden wie der nötigen Freistellung vom EBA, Problemen mit der Verkehrsanbindung der Fläche und Biotopen auf dem Gelände gilt das Projekt als hoch komplex. "

Lesen Sie dazu den Kommentar: Verfahrene Lage auf dem alten Bahngelände

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Die Diskussion ist geschlossen.

02.04.2020

Eigentlich wäre es eine schöner Anlass, sich über die Neusortierung des Bahnknotens Augsburg Gedanken zu machen. Die großen Abstellflächen mitten in der Stadt sind nicht nur im Hinblick auf die fehlenden Wohnflächen ein Problem sondern auch im Hinblick auf Lärm.

Zusammen mit der Neubaustrecke nach Ulm und dem Containerbahnhof im GVZ könnte man entweder am GVZ oder bspw. auf Höhe der AfA einen leistungsfähigen Güterbahnhof mit Reparaturwerkstatt bauen. Wenn man dann die Bahnstrecke verlängert und die Strecke nach München mit anschließt, dann hätte man sogar eine leistungsfähige Güterzugumfahrung und müsste nicht jeden Zug durch die Stadt schicken.

Da die meisten Kunden der Lokalbahn eher im Norden der Stadt liegen, könnte man sogar den Bahnhof der Lokalbahn integrieren und würde so viel Fläche in der Stadt gewinnen, die man bspw. für Wohnbebauung nutzen kann. Außerdem würde man den Zugverkehr in der Stadt auf den leiseren Personenverkehr reduzieren.

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01.04.2020

Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
Eine Brache, die seit Jahren vor sich hingammelt - soll noch weitere Jahre in diesem Zustand bleiben.
Zumindest das Eisenbahnbundesamt findet Gründe für einen möglichen bahntechnischen Verwendungszweck; die Deutsche Bahn AG, die defacto die operativen Angelegenheiten plant und betreibt, ist am Gelände nicht interessiert.
Und so wird eine stadtnahe Wohnbebauung verhindert, in einer wachsenden Stadt, die jeden Quadratmeter Wohnraum braucht. Wer dies als zweifelhaft empfindet, muss kein Agent der Baugesellschaft sein.
Übrigens, da könnte unser Verkehrsminister Scheuer mal eingreifen. Sein Ministerium ist gegenüber dem EBA weisungsbefugt.

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01.04.2020

Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, ist das EBA aber lediglich einer Stellungnahme der Stadt gefolgt. Bei dieser liegt also meiner Meinung nach der Fehler. Außerdem könnte man mal drüber nachdenken, ob sich das doch sehr große Gelände nicht teilen ließe. Wohnbebauung wenigstens entland der Firnhaberstraße müsste doch wirklich drin sein, selbst wenn man sich noch Reserveflächen für was auch immer vorhalten will.

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