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Augsburg

19.12.2013

Zu früh gefeiert: Augsburg noch keine 2000 Jahre alt

2014 jährt sich der Todestag von Kaiser Augustus zum 2000.Mal. Wieder ein guter Grund zum Feiern für Augsburg?
Bild: Ulrich Wagner

Augsburg hat ein Problem mit seiner Geschichte. Denn die Stadt ist noch gar keine 2000 Jahre alt. Das Festjahr 1985 wurde zu früh gefeiert.

Ein Traum ist zerplatzt: Augsburg ist nicht Deutschlands zweitälteste Stadt. Augsburg ist auch nicht über 2000 Jahre alt. Nein, es gibt die Augsburger erst seit läppischen 1998 Jahren. Fragen Sie bitte nicht, warum die Stadt dann 1985 die pompöse 2000-Jahr-Feier hatte. Das alles war ein großer Irrtum und schuld sind – das ist in Augsburg sehr viel leichter festzumachen als Jubiläen – die Wissenschaftler und der Kulturreferent.

Augsburg erst 15 nach Christus als zivile Stadt genutzt

Letzterer verkündete diese Woche im Kulturausschuss die niederschmetternde Nachricht: „Augusta vindelicum“ wurde erst 15 nach Christus als zivile Stadt genutzt. Was vorher war, war Militärlager und gilt damit wissenschaftlich nicht als Stadtgründung. Er, Peter Grab, habe dies vor wenigen Wochen von Tourismusdirektor Götz Beck erfahren, der wiederum habe es von einem Historiker. Der Kulturausschuss solle nun bitte schön diskutieren, wie man mit dem falschen Jubiläum umgehen will – und mit dem richtigen natürlich auch.

Der Kulturausschuss, im Normalfall empört, dass er vom Referenten nie informiert wird, war empört, dass er vom Referenten informiert wurde. „Sie hätten das hier nie bekannt geben dürfen. Wir machen uns ja zur Lachnummer in ganz Deutschland, wenn man erfährt, dass wir zu früh gefeiert haben“, schimpfte Lis Grose von der SPD.

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Stadt verwechselte schon 1978 Brechts Geburtshaus

Die Augsburger SPD-Kulturstadträte, allesamt Politiker mit Erfahrung, können ein Lied singen von Verwechslungen: Karl-Heinz Schneider erinnerte an den 10. Februar 1978, als die Stadt zum 80. Geburtstag Bert Brechts ein Blumengebinde an dessen Geburtshaus niederlegen wollte. Weil es allzu schlecht ausgeschildert war, brachte die Gärtnerei die Gebäude durcheinander und schmückte einen Trödelladen gegenüber. Das sei peinlich gewesen, sagte Schneider. Schon deshalb könne man sich keinen zweiten historischen Lapsus leisten.

Benjamin Clamroth (Linke) fand es allenfalls sympathisch, dass sich die Friedensstadt Augsburg plötzlich nicht mehr auf die Gründung als Militärlager berufen möchte. Ansonsten halte er die Debatte nicht für angebracht. Gefeiert sei gefeiert – und gut so.

2014 könnte Augsburg Kaiser Augustus gedenken

Um die Aufregung zu mildern, präsentierte Götz Beck – als Touristiker stets an Jubiläen interessiert – den Politikern am Ende der Debatte ein ganz anderes historisches Datum: 2014 jähre sich der Todestag von Kaiser Augustus zum 2000. Mal.

Die Stadt, wann auch immer gegründet, könne des Kaisers mit Veranstaltungen gedenken. In Italien jedenfalls werde das historische Datum ein großes Thema sein. Was auch immer die Forschung in den nächsten Jahrzehnten hervorbringen wird: Augsburg hätte sich dann wenigstens nicht alleine geirrt . . .

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