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Nach Razzia in Augsburg: City Club-Betreiber Sebastian Demmer im Interview

Augsburg

City Club-Betreiber nach Razzia: „Dass Menschen Drogen mit reinnehmen, ist mir bewusst“

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    Sebastian Demmer ist Geschäftsführer des City Clubs am Augsburger Königsplatz.
    Sebastian Demmer ist Geschäftsführer des City Clubs am Augsburger Königsplatz. Foto: Marcus Merk

    Herr Demmer, die Razzia im City Club hat über die Stadtgrenzen hinaus für großes Aufsehen gesorgt. Wie ist es Ihnen in der vergangenen Woche ergangen?

    SEBASTIAN DEMMER: Die Woche war stressig und anstrengend, ich habe neun Tage nicht zu Hause geschlafen. Mental geht es mir noch ganz gut. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich noch gar keine Zeit, mich damit auseinanderzusetzen.

    Spulen wir zurück zum Abend des 31. Januar. Die Polizei hat Ihnen einen Durchsuchungsbeschluss vorgelegt...

    DEMMER: Nein – und ja. Mir wurde morgens um zwei Uhr ein Durchsuchungsbeschluss vorgelegt, als die Razzia von der Einsatzleitung und der Staatsanwaltschaft offiziell für beendet erklärt wurde. Einsatzleitung und Staatsanwaltschaft wollten sich gerade verabschieden und meinten noch, ich solle alles Weitere dem Durchsuchungsbeschluss entnehmen. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich den noch nicht habe. Zwischen Tür und Angel habe ich dann die letzte Kopie, die die Staatsanwältin gerade in der Hand hatte, ausgehändigt bekommen.

    Wie haben Sie reagiert, als Sie den Durchsuchungsbeschluss dann erhalten haben?

    DEMMER: In dem Moment konnte ich nur noch lachen. Weil es dafür einfach zu spät war.

    Es kursiert das Gerücht, Sie hätten vorab Kenntnis von dem Durchsuchungsbeschluss gehabt. Ist da was dran?

    DEMMER: Das habe ich auch schon gehört, aber ich habe vorher natürlich nichts gewusst, woher auch?

    Die Polizei hat bei der Razzia um die 40 Päckchen mit illegalen Substanzen sichergestellt, angeblich auch in Räumen, die nicht für alle zugänglich sind.

    DEMMER: Das stimmt. Es wurden laut Polizei Drogen gefunden, in Bereichen zu denen nicht alle Menschen Zutritt haben. Um welche genau es sich dabei handelt und wie viel dort angeblich gefunden wurde, wissen wir jedoch nicht. Was wir bis jetzt wissen, ist, dass die gefundenen Drogen weder mir, noch der BlauSky GmbH oder ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zugeordnet werden.

    In öffentlichen Statements beharren Sie dennoch auf einer „Null-Toleranz-Politik“, wenn es um Drogenkonsum im City Club geht. Wie passt das zusammen?

    DEMMER: Natürlich dulden wir das nicht. Unsere Türsteher sorgen dafür, dass die Taschen kontrolliert werden, an die Hosentaschen oder sonst was gehen wir den Leuten aber nicht – dürfen wir auch nicht. Dass Menschen in diesen Laden Drogen mit reinnehmen, ist mir bewusst. Leute, die offen Drogen bei sich tragen, konsumieren oder andere Gäste danach fragen, werden rausgeschmissen und bekommen Hausverbot. Weder unsere Mitarbeiter noch unsere Gäste haben Lust, dass Leute nicht mehr klar im Kopf sind. Das macht 'ne Party ja auch kaputt.

    Wie weit reicht Ihre Verantwortung als Betreiber?

    DEMMER: Wir als Laden können das tun, was wir rechtlich tun dürfen: Taschenkontrollen, Rausschmiss, Hausverbot. Bei größeren Veranstaltungen kooperieren wir gerne mit Anbietern und Anbieterinnen die Aufklärungsarbeit leisten – wie etwa mindzone. Außerdem versuchen wir, so oft es geht, ein Awareness-Team dazuhaben. Aus Kosten- und Kapazitätsgründen können wir das bis jetzt aber nicht jeden Abend leisten.

    Wie arbeiten Sie die Razzia intern auf? Wollen Sie künftig etwas anders machen?

    DEMMER: Wir wollen unser Personal spezifisch zu dem Thema schulen lassen und haben uns vorgenommen, noch öfter dafür zu sorgen, dass es bei Veranstaltungen mit vielen Gästen Präventionsstände gibt und Aufklärungsarbeit geleistet wird. Prävention muss aber auch außerhalb des Clubs stattfinden. Da sehen wir auch die Stadt und Bildungseinrichtungen in der Verantwortung. Dass Menschen Drogen nehmen, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir nicht vermeiden können.

    In den Tagen nach der Durchsuchung hat der City Club eine riesige Solidaritätswelle erfahren. Hat sich bei Ihnen persönlich auch jemand gemeldet?

    DEMMER: Claudia Roth ist nach der Roy-Preisverleihung hier oben ins Theter-Ensemble gekommen und hat sich da eine Stunde lang mit uns über den Vorfall unterhalten. Inzwischen hat sich auch Eva Weber bei uns gemeldet und vorgeschlagen, dass wir uns mit ihr, mit der Club- und Kulturkommission und der Polizei an einen runden Tisch setzen. Das wollen wir gerne machen, aber erst nach der Kommunalwahl.

    Am Freitagabend gab es dann noch eine Demo. Wie haben Sie die erlebt?

    DEMMER: Ich hatte in dem Moment tatsächlich Schicht im Café und bin kurz rausgerannt, um zuzuschauen.

    Was hat das mit Ihnen gemacht?

    DEMMER: Ich habe geheult, glaube ich.

    Noch in der Nacht der Razzia hat Stadträtin Lisa McQueen eine Spendenaktion für den City Club ins Leben gerufen, bei der inzwischen 40.000 Euro zusammengekommen sind. Wofür werden Sie das Geld ausgeben?

    DEMMER: Das Geld ist für Anwaltskosten reserviert – für unsere, für das Theter-Ensemble, aber auch für Betroffene, die rechtliche Schritte einleiten wollen. Auch die Reparatur der Türen, den Ausfall am Abend und die Überstunden in den Tagen danach werden wir damit begleichen. Ich kann nicht einschätzen, ob es reicht. Falls was übrigbleibt, schmeißen wir eine Party oder spenden das Geld.

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