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Augsburg: Dirk Wurm: "Die Kommunalwahl war die Talsohle der Augsburger SPD"

Augsburg

Dirk Wurm: "Die Kommunalwahl war die Talsohle der Augsburger SPD"

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    Dirk Wurm wollte Augsburgs Oberbürgermeister werden, nun ist er Vorsitzender der Augsburger SPD. Den Aufschwung durch die Bundestagswahl will er vor Ort für seine Partei nutzen.
    Dirk Wurm wollte Augsburgs Oberbürgermeister werden, nun ist er Vorsitzender der Augsburger SPD. Den Aufschwung durch die Bundestagswahl will er vor Ort für seine Partei nutzen. Foto: Klaus Rainer Krieger (Archivbild)

    Sie haben in einer Zeit das Ruder übernommen, in der die SPD wieder ganz gut dasteht. Froh, jetzt als Vorsitzender an die Reihe gekommen zu sein?
    DIRK WURM: Das ist natürlich eine bessere Ausgangsposition, als wie wenn wir als Bundes-SPD in der Opposition wären und aufgrund des Wahlergebnisses auch kein Bundestagsmandat in Augsburg mehr hätten. Das wäre für die Augsburger SPD extrem schlecht gewesen. Ich bin auch kein Anhänger der These, dass eine Partei in der Opposition gut aufgehoben ist, weil das für eine Frischzellenkur sorgt. Das halte ich für abwegig.

    Die SPD profitierte vom Scholz-Effekt und legte gegenüber Umfragen vom Sommer enorm zu. Im Langzeittrend sind die 19 Prozent Zweitstimmenergebnis aber dennoch nicht berauschend ...
    WURM: Die Wahlergebnisse der SPD in Augsburg sind eine Wellenlinie. In den letzten Jahren ging es eher bergab. Die Talsohle war die Kommunalwahl 2020. Das war mit unter 15 Prozent das schlechteste Ergebnis überhaupt. Da ist die Steigerung auf 19 Prozent in Ordnung. Die Aufgabe besteht darin, diesen Aufschwung der Bundestagswahl zu nutzen. Das ist der Job, den ich für mich sehe. Es darf auch in der Partei nicht um Selbstbeweihräucherung gehen, was wir gut machen, sondern unser Ziel muss sein, bei den nächsten Wahlen besser abzuschneiden. Das liegt nur zum Teil in der Hand einer Augsburger SPD, aber den kleinen Teil, den wir beeinflussen können, müssen wir gestalten.

    Ein schnelles Telefonat, ein kurzer Moment der Ruhe: Eine Momentaufnahme von Dirk Wurm am Wahlabend im März 2020.
    Ein schnelles Telefonat, ein kurzer Moment der Ruhe: Eine Momentaufnahme von Dirk Wurm am Wahlabend im März 2020. Foto: Peter Fastl

    War die SPD bisher zu wenig wahrnehmbar?
    WURM: Die SPD als Partei schon. Die Kommunalpolitik wird von der Stadtratsfraktion bearbeitet, und das ist auch in Ordnung so. Die allermeisten Mitglieder sind aber nicht wegen eines kommunalpolitischen Themas in der SPD, sondern wegen des großen Ganzen. Arbeit und Soziales sind die Steckenpferde der SPD und sollen es auch immer bleiben. Da muss eine Partei Angebote machen und immer wieder eine Positionierung nach außen tragen. Mit der Aufgabenteilung mit Bundes- und Landtagsabgeordneten, dem Fraktionsvorsitzen im Stadtrat und dem Parteivorsitzen, die auf vier Schultern verteilt sind, sind wir gut aufgestellt.

    Wozu braucht es heute die SPD?
    WURM: Wir müssen als innovative, sozialverantwortliche Mitmachpartei wahrgenommen werden. Die SPD wird momentan nicht unbedingt innovativ wahrgenommen, aber als verlässliche Kraft, wie man bei der Bundestagswahl gesehen hat. Dabei sind wir sind eine innovative Partei, gerade bei Arbeit und Wirtschaft. Das halte ich für das entscheidende Themenfeld in diesem Jahrzehnt, auch für die Stadt Augsburg. Strukturwandel und Transformationsprozesse werden sehr massive Veränderungen bringen, stärker als in anderen Wirtschaftsräumen in Bayern. Und dann gibt es das Thema Soziales: Kinder fördern, Familien stärken, gleiche Chancen für das Kind einer alleinerziehenden Mutter mit wenig Einkommen wie für ein Kind aus einem wohlhabenden Viertel, bezahlbaren Wohnraum schaffen. Diese Themen und die Gestaltung des Strukturwandels, eng verzahnt mit Klimaschutzpolitik: Wer sich dafür interessiert, den wollen wir ansprechen.

    Klima und Wirtschaft unter einen Hut bekommen - das wollen doch fast alle Parteien.
    WURM: Man müsste schon eine sehr engstirnige Partei sein, wenn man gesellschaftliche Herausforderungen nicht sieht. Das gibt es nur bei der AfD. Die bietet Scheinlösungen an, die eine Rolle rückwärts in die 1980er-Jahre sind. Und bei den anderen Parteien gibt es halt unterschiedliche Akzentuierungen. Das ist auch bei SPD, Grünen und FDP so. Für uns stehen Qualifizierung der Mitarbeiter, Sicherung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen im Zentrum unseres Handelns. Für die Grünen ist es die Verringerung klimaschädlicher Gase, für die FDP das wirtschaftliche Funktionieren. Aber daraus ergibt sich ein großes Ganzes.

    In Augsburg sind Sie aber die nächsten vier Jahre weiter in der Opposition ..
    WURM: Opposition besteht zu 50 Prozent aus Kritik an der Regierungsmehrheit. Das ist normal und muss so sein. Die anderen 50 Prozent sind eigene Vorschläge. Und die machen wir. Ich würde mir wünschen, dass bei CSU und Grünen, gerade bei den Grünen, jetzt mal das Fenster geöffnet wird und die Erkenntnis wächst: Da gibt es noch andere mit guten Ideen, und vielleicht kann man sich mit weniger Emotion mal diese Vorschläge anschauen. Dafür sehe ich gute Möglichkeiten. Wenn die Koalition in Berlin wiedergewählt werden will, muss das auch vor Ort gelebt werden.

    Sie haben die Emotion angesprochen. Überziehen Sie manchmal nicht? Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) wirft Ihnen regelmäßig Populismus vor.
    WURM: Das ist eine Geschmackssache. Was dem einen zu viel ist, ist dem anderen zu moderat. Wenn jemand das Gefühlt hat, dass überzogen wird, kann man die Frage stellen, was die Gründe dafür sind. Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren festgestellt, dass die Stadtregierung mit Eva Weber an der Spitze in Situationen, die emotional besonders herausfordernd und belastend für die Stadtgesellschaft sind, nicht unbedingt kluge Entscheidungen trifft. Das kann dann von der Stadtratsfraktion zu harscher Kritik führen.

    Zwischen Dirk Wurm und Oberbürgermeisterin Eva Weber kommt es im Stadtrat oft zu einem verbalen Schlagabtausch.
    Zwischen Dirk Wurm und Oberbürgermeisterin Eva Weber kommt es im Stadtrat oft zu einem verbalen Schlagabtausch. Foto: Peter Fastl

    Haben Sie inzwischen eigentlich verwunden, dass es mit Ihrer OB-Kandidatur nichts wurde?
    WURM: Schon längst, ja.

    Wo führt Sie Ihr politischer Weg hin? In den Bundes- oder den Landtag?
    WURM: Momentan spielt so etwas in meiner Lebensplanung keine Rolle. Ich bin nach der OB-Kandidatur bewusst in ein Unternehmen gegangen, in dem ich mich auch wohlfühle. Eine Kandidatur um ein Mandat war auch kein Bestreben von mir, als ich den SPD-Vorsitz übernommen habe. Aber naturgemäß stellen sich solche Fragen, wenn man in einer Partei führend Verantwortung übernimmt. Ich habe allen in der SPD gesagt, dass wir uns in den kommenden Jahren personell breiter aufstellen müssen. "SPD-Vorsitz ist gleich ein Mandat" ist kein zielführender Rückschluss. Im neuen Parteivorstand sind meine Stellvertreter und Stellvertreterinnen zehn Jahre jünger als ich. Da entsteht auch in der Partei eine neue Dynamik. Vor den Wahlen wird man dann sehen, wer in der Lage ist, für die SPD ein Mandat zu übernehmen. Das muss nicht nur für die SPD, sondern auch für den Wahlkreis Augsburg einen Wert haben.

    Zur Person

    Dirk Wurm, 42, ist verheiratet, Vater dreier Kinder und Vertriebsleiter bei der Projekt- und Transfergesellschaft PTG. Nach der Bundestagswahl löste er Ulrike Bahr als Vorsitzender der Augsburger SPD ab, weil sich die Partei eine Erneuerung wünschte.

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