Zum ersten Mal seit Stunden legt sich so etwas wie Ruhe über das Halbrund. "Wir sind bereit, ich warte nur auf euer Zeichen", schallt eine Männerstimme aus den Lautsprechern in den milden Sommerabend, über Bühne und Gemäuer hinweg zum stolzen Roten Tor. Ein Geiger am Rand der Spielfläche wippt mit dem rechten Fuß und bewegt seinen Bogen so, als gelte es, auch die letzten Momente der konzentrierten Stille zu zerhacken. Sie dauern an, zwei Sekunden, fünf, zehn. Dann endlich kommt der erste Ton, ein Klavier geleitet einen Mann in orangem Hemd und weißer Weste nach vorne. "Premierenfieber ist ein Gefühl, bei dem dir heiß ist und doch so kühl", singt er ausdrucksstark in Richtung des Zuschauerraums, wo rund 50 Techniker, Sanitäter und Crew-Mitglieder Platz genommen haben. Die zweite Hauptprobe hat begonnen, der letzte Feinschliff beginnt.
Freilichtbühne