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Augsburg: Nehmen die Ratten in Augsburg überhand?

Augsburg

Nehmen die Ratten in Augsburg überhand?

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    Mit Schildern warnt die Verwaltung des Hermanfriedhofs vor Rattengift. Seit zwei Wochen ist es ausgestreut, erste Erfolge sind schon zu verzeichnen.
    Mit Schildern warnt die Verwaltung des Hermanfriedhofs vor Rattengift. Seit zwei Wochen ist es ausgestreut, erste Erfolge sind schon zu verzeichnen. Foto: Silvio Wyszengrad

    An mehreren Stellen der Stadt warnen gerade Schilder vor Rattenködern, so im Bereich des Stadtgrabens und auf dem Hermanfriedhof. Experten gehen in Großstädten von drei der Nager pro Einwohner aus – 840000 Tiere dürften es also in Augsburg sein. Auch auf dem Hermanfriedhof hat es schon immer Ratten gegeben, aber in diesem Jahr nahmen sie überhand, sagt Rainer Brenner, Geschäftsführer des Katholischen Friedhofsamtes. Zwar kam es nicht dazu, dass Trauergäste Tiere über die Gräber huschen sahen. Aber Besuchern und Mitarbeitern fielen die Schäden auf, die sie hinterlassen: Die Tiere fressen Pflanzen bzw. Wurzeln; Löcher, die sie graben, unterhöhlen Grabsteine. Anfangs griffen die Mitarbeiter zu eher „sanften“ Maßnahmen, leerten zum Beispiel die Abfallkörbe noch öfter aus. Als das nichts half, wurde Gift ausgelegt. Schilder an den Eingangstoren weisen darauf hin. Erste Erfolge gibt es laut Brenner schon: „Wir haben einige Ratten erlegt und gefühlt ist ein Rückgang zu bemerken.“

    Gerüchte, dass es heuer mehr Ratten gibt als sonst, bestätigen weder professionelle Schädlingsbekämpfer noch das Gesundheitsamt. Dieses hat zusammen mit dem Tiefbauamt und dem Grünamt die Nager im Blick und kennt die Problemstellen. Die Wanderratten tauchen hier und dort auf, besonders gerne an Stellen, wo gute Deckung und Futterquellen zusammentreffen. Beispiel hierfür sind Kleingärten. „Wer auf der Wertachbrücke steht, sieht immer wieder mal eine Ratte vorbeihuschen“, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsamtes. Obst- und Gemüsereste auf dem Kompost ziehen die Tiere an. Dasselbe gelte für Vogelfutter, vor allem, wenn es auf dem Boden ausgestreut wird. „Wer Tauben füttert, füttert auch Ratten.“ Wer Enten füttert, übrigens auch.

    Der Stadtgraben, der die Altstadt so malerisch begrenzt, ist ein Beispiel dafür. Vor einigen Jahren herrschte eine regelrechte Plage im Bereich der Vogelmauer. Auch jetzt stehen an der kleinen Brücke dort Schilder, die Spaziergänger und Hundebesitzer vor Rattengift warnen. Das hat jedoch laut Gesundheitsamt nicht mit einer akuten Plage zu tun, sondern sei Routine. Allerdings gebe es neue gesetzliche Vorschriften, solche Maßnahmen kundzutun – daher die Schilder.

    Ratten lieben Kanäle und Bachläufe

    Die Köder wurden vor allem im Bereich der Abfallkörbe ausgebracht.
    Die Köder wurden vor allem im Bereich der Abfallkörbe ausgebracht. Foto: Silvio Wyszengrad

    Kanäle und Bachläufe sind ein beliebtes Rattenrevier, und Augsburg hat davon viele. Ihre Ufer werden regelmäßig von Experten kontrolliert. Das Tiefbauamt wiederum hat ein Auge auf die Kanalisation. Auch da lebt es sich gut für Ratten. Sie ernähren sich von Nahrungsresten, die Leute die Toilette herunterspülen. Das sollte man laut Gesundheitsamt lieber bleiben lassen. Reste, auch Gekochtes, in der Biotonne zu entsorgen, ist dagegen erlaubt. Allerdings gilt hier: Unbedingt den Deckel draufhalten. Ratten können gut klettern, Tonnen und Container sind für sie kein Problem.

    Betriebe, die Nahrungsmittel verarbeiten, sollten ebenfalls besonders sorgsam sein in Bezug auf Hygiene, aber auch auf bauliche Mängel, etwa Ritzen im Gemäuer oder unter Türen. Auch Bauarbeiten, von denen es in Augsburg ja gerade einige gibt, können die Tiere ans Tageslicht treiben. Entweder durch die Erschütterungen, oder weil ihre Gänge zerstört werden.

    Die Tiere können Krankheiten übertragen

    Die Tiere können sich rasant vermehren und sind in zweierlei Hinsicht ein Problem: Erstens, weil sie Nahrungsmittel und Zierpflanzen fressen; zweitens können sie Krankheiten übertragen – allerdings nur, wenn man mit ihnen oder ihren Ausscheidungen in Berührung kommt.

    Während die Stadt eigens geschulte Mitarbeiter hat, die die Nager bekämpfen dürfen, müssen Privatleute damit Profis beauftragen. Einer davon ist Steffen Werner. Der Chef des gleichnamigen Hygienedienstes wird zum Beispiel oft von Hausverwaltungen zu Hilfe gerufen. Er hatte diesen Sommer tatsächlich viel zu tun – allerdings nicht wegen Rattenplagen. Da der Winter recht mild war, überlebten jedoch mehr Wespen und Ameisen als sonst. Und eine weitere Tierart ist Werners Beobachtung nach heuer vermehrt auf dem Vormarsch, nämlich Mäuse. Der Population habe der milde Winter ebenfalls gutgetan. Im heißen Sommer, als die Grünflächen vertrockneten, sei ihnen allerdings die Nahrung ausgegangen. Dann treibe es sie Richtung Wohnbebauung.

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