Augsburg: Oldtimer: Historische Autos in Maximilianstraße faszinieren die Menschen
Augsburg
Oldtimer: Historische Autos in Maximilianstraße faszinieren die Menschen
Augsburg will ein Teilstück der Prachtmeile zur autofreien Zone machen. Baureferent Merkle äußert sich dazu, wie das mit der Oldtimerschau zusammenpasst.
Die Oldtimerschau in der Maximilianstraße stieß am Sonntag auf großes Interesse. Foto: Klaus Rainer Krieger
Über die Maximilianstraße in Augsburg wird momentan wieder viel und vor allem kontrovers diskutiert. Die Stadt Augsburg will sie zwischen Merkur- und Herkulesbrunnen im Jahr 2022 versuchsweise zwölf Monate lang für Autos sperren und rund 50 Stellplätze streichen. Faktisch soll es auf eine Verlängerung der Fußgängerzone mit ähnlichen Regelungen wie in der "kurzen Maximilianstraße" zwischen Moritz- und Rathausplatz hinauslaufen. Dort ist neben Liefer- und Anwohnerverkehr zu bestimmten Zeiten nur Taxi- und öffentlicher Nahverkehr erlaubt. Am Sonntag war die Maximilianstraße nicht autofrei. Ganz im Gegenteil: Viele Autos, die am Vormittag vorfuhren, faszinierten Tausende Besucherinnen und Besucher, die zur siebten Oldtimerschau gekommen waren. Eine mit Autos belebte Maximilianstraße sorgte für eine besondere Atmosphäre.
Davon machte sich auch Baureferent Gerd Merkle ein Bild. Er selbst war mit seinem Oldtimer vorgefahren, den er vor Kurzem erworben hatte. Dies blieb deshalb kein Geheimnis, weil Veranstalter Fabian Lohr, Geschäftsführer der Pro Air Medienagentur, darauf eigens hinwies. Der weiße Messerschmitt Kabinenroller stand direkt vor der Bühne, als Lohr und Merkle die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung begrüßten. Lohr war glücklich, dass die Oldtimerschau auch in Zeiten der Corona-Pandemie stattfinden könne. Eine Auflage bestand darin, dass sich im abgesperrten Bereich der Maximilianstraße nur Personen aufhalten durften, die den 3G-Nachweis vorlegten. Sie waren folglich geimpft, genesen oder negativ getestet. "Mein Dank geht an die Fahrer und Zuschauer, dass sie die 3G-Regel mittragen", sagte Lohr.
Vorne steht der Messerschmitt Kabinenroller, der Baureferent Gerd Merkle (rechts) gehört. Links neben Merkle steht Fabian Lohr, Veranstalter der Oldtimerschau.Foto: Michael Hörmann
Merkle nahm mit seinem Fahrzeug nicht an der Oldtimer-Rallye teil, was aber nichts mit den Plänen zur autofreien Straße zu tun hatte. Dass in der Maximilianstraße eine Großveranstaltung mit vielen alten Autos stattfinde, stelle für ihn kein Problem dar, sagte er gegenüber unserer Redaktion: "Die Fuggerstadt Classic Oldtimer-Rallye hat auch mit der Geschichte der Fahrzeuge zu tun. Die Veranstaltung hat ihre Berechtigung." Dass die Maximilianstraße jedoch künftig auf deutlich weniger Autos setze, sei ebenfalls richtig: "Die Mobilitätswende wird kommen."
Hoteldirektor Theodor Gandenheimer war Teilnehmer an der Oldtimerrallye. Foto: Klaus Rainer Krieger
In der Diskussion über die autofreie Maximilianstraße, die von Geschäftstreibenden sehr kritisch gesehen wird, müsse man Dinge offen benennen, sagte Merkle: "Wir sprechen von einer autoarmen Innenstadt." Das Wort "autofrei" stimme daher nicht. Dieses Ziel der autoarmen Innenstadt werde Stück für Stück umgesetzt. Es gehe aber natürlich auch darum, dass die Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser und Wohnungen mit dem Auto ansteuern können.
Hoteldirektor Gandenheimer äußert sich zur Maximilianstraße
Ein Teilnehmer der Oldtimerschau war Hoteldirektor Theodor Gandenheimer, dessen Hotel Maximilian's von der geplanten Neuregelung direkt betroffen ist. Er sagt, Hotelgäste müssten auch künftig am Haupteingang in der Maximilianstraße vorfahren dürfen. Von der Oldtimerschau profitiere das Hotel, informierte er darüber hinaus: "Wir sind gut gebucht." Vor sieben Jahren hatten Gandenheimer und Lohr die Idee geboren, in Augsburg eine Oldtimerveranstaltung zu ermöglichen. Der weiße Mercedes 230 SL, den Gandenheimer am Sonntag steuerte, gehört ihm allerdings nicht: "Ich habe das Fahrzeug von einem Freund ausgeliehen."
Christian Fussner fuhr in seinem Porsche mit. Foto: Klaus Rainer Krieger
In diesem Jahr nahmen 120 Fahrerinnen und Fahrer teil. In jedem Fahrzeug saß zudem eine Beifahrerin oder Beifahrer. In der Oldtimerszene kennt man sich, viele Teilnehmer waren auch bereits in den Vorjahren dabei. Vor vier Jahren war Christian Fussner zuletzt am Start. Damals hatte er einen Porsche Targa 911 von einem Bekannten ausgeliehen. In diesem Jahr hatte der Chef eines Architekturbüros in Friedberg sein eigenes Auto dabei. Es ist ebenfalls ein Porsche. "Ich habe ihn vor fünf Wochen von einem Bekannten gekauft", sagte Fussner vor dem Start. Er sei ein Freund älterer Fahrzeuge und besitze mehrere. Wenn es um Oldtimer gehe, stellt Fussner eine für ihn durchaus überraschende Grundeinstellung vieler Menschen fest: "Bei alten Fahrzeugen empfinden die Leute keinen Neid."
Der Bentley aus dem Baujahr 1929 war das älteste Fahrzeug der Oldtimerrallye.Foto: Klaus Rainer Krieger
Dies war am Sonntag überall in der Maximilianstraße festzustellen. Die Oldtimer waren nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, vielfach wurde mit den Fahrern und Fahrerinnen über das Modell gesprochen und technische Dinge wurden hinterfragt. Sehr große Aufmerksamkeit erhielt das älteste Auto, das am Start war: Es war ein schwarzer Bentley Speed Six aus dem Baujahr 1929.