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Augsburg: Sanierungskurs: Augsburger Modehaus Rübsamen muss sich neu aufstellen

Augsburg

Sanierungskurs: Augsburger Modehaus Rübsamen muss sich neu aufstellen

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    Große Hinweisschilder weisen auf einen Räumungsverkauf bei Rübsamen in der Karolinenstraße hin. Trotz eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung soll das Geschäft aber normal weiterlaufen.
    Große Hinweisschilder weisen auf einen Räumungsverkauf bei Rübsamen in der Karolinenstraße hin. Trotz eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung soll das Geschäft aber normal weiterlaufen. Foto: Peter Fastl

    Seit 123 Jahren gibt es das Stammhaus des Modehändlers Rübsamen in der Augsburger Karolinenstraße. Zuletzt aber litt das Geschäft dort unter einem starken Kundenrückgang. Die Zeiten seien für die Modebranche ohnehin nicht einfach, sagt Geschäftsführer Marcus Vorwohlt. Nach Corona habe man auf eine Erholung gehofft - doch die sei mit Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation weitgehend ausgefallen. Das habe man noch stemmen können. Dazu kommen laut Vorwohlt aber die speziellen Probleme in der Karolinenstraße. Zuletzt haben viele Geschäfte der Straße den Rücken gekehrt - darunter die Stadtsparkasse, Bücher Pustet, die Drogeriekette Müller und zuletzt auch Tchibo. Deshalb seien immer weniger Menschen dort unterwegs. Das zwang das Unternehmen jetzt zu einem drastischen Schritt: Vorwohlt hat in dieser Woche einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das Amtsgericht hat dem bereits vorläufig zugestimmt. Es gibt Pläne, wie die Zukunft des Traditionsgeschäfts aussehen soll.

    Zu Rübsamen gehören neben dem Stammhaus in der Karolinenstraße auch 13 Filialen in Friedberg, Aichach, Fürstenfeldbruck, Weilheim, Murnau, Landsberg, Dachau und Schrobenhausen, die von zwei Tochtergesellschaften betrieben werden. Marcus Vorwohlt sagt, er habe die rund 150 Beschäftigten bereits über den Schritt informiert. Bei Rübsamen gebe es viele langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Haus verbunden seien. Natürlich sei so eine Nachricht erst einmal ein Schreck für die Beschäftigten. Ihm sei es aber wichtig gewesen zu vermitteln, dass es bei Rübsamen weitergehen soll. Der Geschäftsbetrieb werde in allen Häusern "vollumfänglich weitergeführt", so Vorwohlt. "Den Kunden wird stationär und auch online weiterhin das gesamte Sortiment zur Verfügung stehen." Die Gehälter der Angestellten seien für die Dauer von drei Monaten durch die Arbeitsagentur gesichert - diese bezahlt Insolvenzgeld. Auch darüber hinaus seien die Finanzmittel ausreichend, um Löhne und Gehälter zu zahlen.

    Sanierungskonzept für Rübsamen soll in den kommenden Monaten umgesetzt werden

    Wie genau die langfristige Perspektive ist, dazu hält sich Vorwohlt aktuell noch etwas bedeckt. Es gebe aber bereits ein Sanierungskonzept, das in den kommenden Monaten umgesetzt werden soll - in Abstimmung mit den Gläubigern des Unternehmens und dem vom Gericht als Sachwalter eingesetzten Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn. Er hat die Aufgabe, das Verfahren zu begleiten und zu überwachen - und informiert das zuständige Insolvenzgericht regelmäßig über die Entwicklung. Konkrete Pläne, einzelne Filialen zu schließen, gibt es offenbar bisher nicht. Allerdings soll die Verkaufsfläche verkleinert werden. Das betrifft insbesondere auch das mehrstöckige Stammhaus in der Karolinenstraße. Die Kunden wünschten sich heutzutage maßgeschneiderte, hochwertige Angebote, sagt Vorwohlt. Dazu brauche es nicht mehr unbedingt so große Flächen wie bislang.

    Zuletzt hatte Vorwohlt auch Pläne verfolgt, das Stammhaus in der Karolinenstraße größer umzubauen. Das sollte zusammen mit der Hasen Immobilien AG geschehen, in deren Besitz ein Gebäudeteil ist, in dem sich auch ein Steakhaus befindet. Laut dem Geschäftsbericht von Hasen Immobilien ist ein modernes Konzept angedacht, in dem Verkaufs- und Gastroflächen kombiniert werden könnten. Zudem könnten - bei einer verkleinerten Einzelhandelsfläche - zusätzliche Büroräume und Wohnungen entstehen. Grundsätzlich wolle man diese Ziele auch weiterverfolgen, sagt Vorwohlt. Er sagt: "Ich glaube weiter an die Karolinenstraße und will an ihr festhalten." Aktuell laufen in der Straße zwei große Bauprojekte - im Bereich des ehemaligen Müller-Marktes und im früheren Pustet-Gebäude. Zudem will die Stadt die Straße, die zuletzt ziemlich trostlos wirkte, neu gestalten und aufwerten. Die Arbeiten dafür beginnen demnächst.

    Augsburger Traditionsgeschäft will Sanierungsprozess bis im Frühjahr 2024 beenden

    Marcus Vorwohlt und die Berater gehen davon aus, dass der Sanierungsprozess im Frühjahr des kommenden Jahres beendet werden kann. Rübsamen solle dann als "grundlegend restrukturiertes Unternehmen neu durchstarten". In einer Mitteilung heißt es, Rübsamen sei "im Kern ein gesundes Unternehmen" mit einem funktionierenden Geschäftsmodell. Für die Dauer des Sanierungsprozesses wird Rübsamen von der bekannten Restrukturierungskanzlei Wellensiek unterstützt.

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