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Augsburg: Stadt Augsburg will auf der zentralen Achse Karlstraße Tempo 30 testen

Augsburg

Stadt Augsburg will auf der zentralen Achse Karlstraße Tempo 30 testen

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    Die Stadt denkt darüber nach, in der Karlstraße Tempo 30 einzuführen.
    Die Stadt denkt darüber nach, in der Karlstraße Tempo 30 einzuführen. Foto: Peter Fastl

    Autofahrer werden auf der Ost-West-Achse in der Augsburger Innenstadt zwischen Kennedy-Platz und Jakobertor künftig wohl langsamer unterwegs sein: Die Stadt erwägt dort die versuchsweise Einführung von Tempo 30 statt der aktuell geltenden 50 Kilometer pro Stunde. Zudem plant die Stadt Tempo 30 auf einer Reihe weiterer Straßen(-abschnitte) in einigen Stadtteilen.

    Baureferent Steffen Kercher will das Tempolimit auf der etwa 1,2 Kilometer langen Verkehrsachse (Karlstraße, Grottenau, Leonhardsberg, Pilgerhaus- und Jakoberstraße) als Pilotversuch im Rahmen des neuen Generalplans zur städtischen Mobilität ausprobieren. Ziel sind mehr Verkehrssicherheit, besserer Emissionsschutz und eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Am Donnerstag soll der Bauausschuss des Stadtrats beschließen, dass ein entsprechendes Konzept von der Verwaltung erstellt wird.

    Im Mai haben Verkehrs- und Klimaaktivisten in der Karlstraße in Augsburg protestiert - an diesem Samstag soll es erneut eine Demonstration geben.
    Im Mai haben Verkehrs- und Klimaaktivisten in der Karlstraße in Augsburg protestiert - an diesem Samstag soll es erneut eine Demonstration geben. Foto: Peter Fastl

    Die Frage, wie der Verkehr in der Grottenau künftig gestaltet werden soll, ist ein Grundsatzthema. Die vierspurige Autostraße – entstanden in einer Bombenschneise nach dem Zweiten Weltkrieg – zerschneidet die Innenstadt. Vor der letzten Kommunalwahl erstellten Verkehrsverbände ein Konzept zur Verkehrsberuhigung, im Radbegehrensvertrag ist eine Sicherheitsüberprüfung (läuft bereits) und die Prüfung einer Radweg-verbreiterung zulasten der Autospuren vorgesehen. Auch in den Wahlprogrammen diverser Parteien findet sich eine Verkehrsneuplanung der Karlstraße (teils verbunden mit dem Bau von Ausweichrouten), zuletzt beantragten die Parteien der Regierungskoalition die Prüfung – passiert ist bisher wenig in diese Richtung. Denn absehbar ist, dass es bei einer Verengung zu manchen Zeiten Stau geben würde. 

    Tempo 30 in Karlstraße: Klimacamp plant Demonstration

    Am Samstag, 15. Juli, plant auch das Klimacamp eine Demonstration auf der zwischen 16 und 18 Uhr gesperrten Straße. Bürger sind eingeladen, dort mit dem Rad ihre Runden zu drehen. Die Aktivisten fordern neben Tempo 30 bauliche Änderungen für Fuß- und Radverkehr und eine Sperrung für den privaten Durchgangsverkehr. „Die Karlstraße demonstriert allen Augsburgern ganz klar, dass in dieser Stadt immer noch die Partikularinteressen des Autos Vorrang genießen“, sagt Demo-Organisator Alexander Mai. 

    Baureferent Kercher sagte zuletzt auf einer Diskussion im Rahmen der Radlwoche, dass Pilotprojekte ein Ansatz seien, um deutlich zu machen, wie die „Zukunft der Mobilität“ aussehen könnte. Die Stadtplanung der vergangenen 50 Jahre sei aufs Auto zugeschnitten gewesen, und das habe auch die Gewohnheiten der Bürger geprägt. Die Einstellung der Bürger zu den Mobilitätsformen sei für die Verkehrswende aber ebenso bedeutend wie der Infrastrukturausbau, so Kercher. 

    Augsburger Baureferent: „Wir müssen eine Sehnsucht nach Veränderung wecken“

    Auf die Schnelle ändere sich das nicht. Um breite Unterstützung für Mobilitätsmaßnahmen, auch wenn sie das persönliche Leben betreffen, müsse man werben. „Mobilitätswende fängt in den Köpfen an. Wir müssen eine Sehnsucht nach Veränderung wecken.“ Grundsätzlich sei bei allen Überlegungen klar, dass die Innenstadt weiter fürs Auto erreichbar bleibt. Das Parken vor jedem Geschäft werde aber wohl der Vergangenheit angehören. 

    Augsburgs Baureferent Steffen Kercher.
    Augsburgs Baureferent Steffen Kercher. Foto: Silvio Wyszengrad

    Die Stadt will im Zuge ihres Mobilitätsplans, der noch in Bearbeitung ist und grundsätzlich eine Verlagerung vom Auto auf andere Verkehrsmittel vorsieht, weitere Pilotprojekte aufsetzen. Dazu zählen ein Mobilitätskonzept im Wertachviertel mit Car-, Bike- und Lastenradsharing, ein Testkonzept für Elektro-Lastenräder im Gewerbe und mehrere Tempo-30-Abschnitte.

    Hier kommen in Augsburg weitere Tempo-30-Limits und -Versuche

    Neben der Ost-West-Achse will die Stadt auch einen Tempo-30-Versuch in der Ulmer Straße in Kriegshaber (vor der Kriegshaberschule gilt schon Tempo 30) machen. Die Strecke mit dem Tempolimit soll in beide Richtungen verlängert werden. Dauerhaft will die Stadt zudem in folgenden Abschnitten Tempo 30 verhängen:

    • Zollernstraße (Oberhausen): Hier geht es um Tempo 30 vor der Werner-Egk-Grundschule und der Kita.
    • Reinöhlstraße (Kriegshaber): Auf Höhe der Bischof-Ulrich-Schulen wird auch ein 30er-Limit verhängt.
    • Wellenburger Straße (Göggingen): Vor dem Hessing-Kinderhaus gilt künftig auch Tempo 30.
    • Von-Cobres-Straße (Göggingen): Aus Gründen des Lärmschutzes und zum Lückenschluss beim Geschwindigkeitslimit gilt künftig auch hier Tempo 30.

    Diese Maßnahmen kommen unabhängig vom Vorstoß der Stadt, generell mehr Freiheiten beim Verhängen von Tempolimits zu bekommen. Der Bund will den Städten durch eine Gesetzesänderung entgegenkommen, doch die konkreten Regelungen in der Straßenverkehrsordnung sind noch nicht so klar. Dann stünden auch weitere Straßen, etwa die Wellenburger Straße auf ganzer Länge, auf der Wunschliste der Stadt. 

    Beim Verkehrsversuch auf der Ost-West-Achse sollen im Bereich der Pilgerhaus-/Jakoberstraße die Bedürfnisse des Nahverkehrs (dort ist die Linie 1 betroffen) besonders berücksichtigt werden. Die Stadtwerke ließen zuletzt beim Radweg-Verkehrsversuch in der Hermanstraße und den Überlegungen für Tempo 30 in der Jakoberstraße vor der Fuggerei mäßige Begeisterung durchblicken, weil sie fürchten, dass der Nahverkehr ausgebremst wird. 

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