In Augsburg und der Region hören wir seit Monaten von Stellenabbau und drohenden Standortschließungen. Die IG Metall Augsburg vertritt rund 50.000 Beschäftigte in ganz Schwaben. Wie erleben Sie die Situation?
FERDIJE RRECAJ: Die Lage ist in sehr vielen Betrieben, in denen unsere Mitglieder arbeiten, extrem angespannt. Ausnahmen gibt es vor allem dort, wo Unternehmen vom Rüstungsboom profitieren oder in der Luft- und Raumfahrt tätig sind – etwa bei Renk, Airbus oder MT Aerospace. Aber der Stellenaufbau dort gleicht die Verluste an anderer Stelle bei Weitem nicht aus. Schauen Sie auf Kuka (Stellenabbau) oder Forvia (Stellenabbau und drohende Standortschließung) oder auch Osram in Schwabmünchen (Standortschließung geplant): Die Situation ist ernst. Und die, die diese Entscheidungen am härtesten treffen, sind die Beschäftigten. Das ist ein altbekanntes Muster.
Wie sieht dieses Muster aus?
RRECAJ: Unternehmen handeln fast ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Zuerst werden Leiharbeiter abgebaut, dann befristete Verträge nicht verlängert und Azubis nicht übernommen. Reicht das nicht, wird von der Stammbelegschaft Verzicht eingefordert, etwa bei tariflich vereinbarten Lohnerhöhungen. Und am Ende steht der Stellenabbau. In Bayern sind 2025 rund 32.000 Stellen abgebaut worden. 41 Prozent der Betriebe sind derzeit dabei, dies zu tun. Besonders ausgeprägt ist das in der Autozulieferindustrie. In der Stadt Augsburg lag die Arbeitslosenquote im Dezember so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren. An jedem einzelnen Arbeitsplatz hängen Menschen, Familien, Existenzen – und Kaufkraft für Augsburg und das Umland. Das wird oft völlig ausgeblendet. Mich ärgert, dass Stellenabbau viel zu oft das erste und einzige Mittel sein soll.
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