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Betriebsrat zu Eberle-Insolvenz: "Wir kämpfen für jeden einzelnen Arbeitsplatz"

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Augsburger Traditionsfirma ist insolvent: So stehen die Chancen für eine Rettung

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    Der Betriebsratsvorsitzende von Eberle, Pasquale Bartilomo, gibt die Hoffnung nicht auf, dass es für den Bandstahlspezialisten aus Pfersee trotz Insolvenz weitergeht.
    Der Betriebsratsvorsitzende von Eberle, Pasquale Bartilomo, gibt die Hoffnung nicht auf, dass es für den Bandstahlspezialisten aus Pfersee trotz Insolvenz weitergeht. Foto: Andrea Wenzel

    Seit Monaten muss sich der Augsburger Bandstahlspezialist Eberle gegen wirtschaftlich schwierige Zeiten stemmen. Seit Mitte der Woche ist klar: Das Gericht hat die vorläufige Insolvenzverwaltung für das Traditionsunternehmen angeordnet. Die 250 Beschäftigten wurden am Donnerstag in einer Belegschaftsversammlung informiert (wir berichteten). Betriebsratsvorsitzender Pasquale Bartilomo sprach am Freitag gegenüber unserer Redaktion von einem „Schock“.

    Er sei etwas nervös gewesen, wie die Kolleginnen und Kollegen die Nachricht aufnehmen würden, erzählt Bartilomo. Die Belegschaft habe jedoch vergleichsweise gefasst reagiert. „Womöglich auch deshalb, weil uns natürlich schon über einen längeren Zeitraum die angespannte Lage klar war und wir wussten, dass so etwas passieren kann“, sagt er. Dennoch sei die tatsächliche Verkündung für viele ein „Schock“ gewesen. „Wir haben Mitarbeiter, die sind seit über 35, 40 oder sogar 45 Jahren bei uns im Betrieb. Da geht das nicht spurlos an einem vorbei.“

    Sanierungsexperte: Suche nach Investor ist schwieriger geworden

    Bartilomo selbst arbeitet seit 29 Jahren bei Eberle. Das Unternehmen habe er lange als familiären Betrieb mit guter Kultur und guten Arbeitsbedingungen erlebt. Daraus sei eine große Loyalität entstanden, die ihn antreibe, an einer Zukunftslösung mitzuarbeiten. Hoffnung setzt er auf eine gute Zusammenarbeit aus Belegschaft, Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn (Pluta Rechtsanwälte) und Geschäftsführung. „Die Belegschaft ist eine super Truppe mit unglaublich viel Knowhow, ist weiter motiviert und wir haben als Unternehmen Potenzial. Wir kämpfen für jeden einzelnen Arbeitsplatz.“

    Auch Maximilian König, als Wirtschaftsjurist im Pluta-Sanierungsteam von Stemshorn, sieht Chancen. „Positiv ist, dass Eberle sehr gute Produkte fertigt und vor allem sehr loyale und motivierte Mitarbeiter hat.“ Die Suche nach einem Investor laufe bereits, aber: „Die aktuelle wirtschaftliche Lage macht die Suche schwieriger, als das vor ein, zwei oder drei Jahren der Fall war“, so König. Zusätzlich müsse Eberle wegen eines auslaufenden Mietvertrags bis Ende 2027 den bisherigen Standort verlassen und einen neuen finden. Ursprünglich wollte man in einen Neubau in Lechhausen ziehen, um die Effizienz deutlich zu steigern. Die finanziellen Mittel ließen dies aber nicht zu.

    Restrukturierungsprogramm samt Produktionsverlagerung bringt keine Lösung

    Immerhin sind Löhne und Gehälter für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert. In dieser Zeit soll eine Lösung gefunden werden. Sollte dies nicht gelingen, bedeute das nicht automatisch das Ende. „Wenn das Unternehmen sich bis dahin so weit stabilisiert hat, dass es den Betrieb unter Vollkosten weiterführen kann, dann ist das möglich“, so König.

    Eberle kämpft seit Jahren mit finanziellen Problemen. Kurz vor dem Amtsantritt des heutigen Geschäftsführers Gernot Egretzberger im Jahr 2022 wurde das Firmenareal verkauft und zurückgemietet, um Schulden abzubauen. Danach belasteten Corona und weitere Krisen das Unternehmen. „Die aktuelle Entwicklung ist bitter. Vor allem deshalb, weil wir nicht passiv zugeschaut haben, sondern aktiv mit verschiedensten Maßnahmen dabei waren, gegenzusteuern. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind äußerst schwierig“, erklärt Egretzberger. Sein Restrukturierungsprogramm umfasste neben dem geplanten Umzug unter anderem einen sozialverträglichen Stellenabbau sowie die Verlagerung von Produktionsteilen nach Osteuropa, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Daran gab es Kritik. Eine solche kam auch zu einem anderen Thema auf.

    Kritik an Mutter Greiffenberger AG

    Ein ehemaliges Führungsmitglied warf der Greiffenberger AG, dessen einzige Tochter Eberle noch ist, Anfang 2025 vor, Gelder aus dem Augsburger Unternehmen abgezogen zu haben. Greiffenberger wies dies zurück. Betriebsratsvorsitzender Bartilomo will sich an keiner Schulddebatte beteiligen, sagt aber: „Es ist jetzt die Möglichkeit gekommen, sich von Greiffenberger zu lösen. Dieses Konstrukt hat nur Geld gekostet.“ Unter anderem weil Eberle bestehende Pensionsansprüche von Mitarbeitern früherer Töchter der AG mitfinanziert habe. Auch für die Greiffenberger AG wurde inzwischen die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet.

    Ein Einzelfall ist Eberle mit seinen Schwierigkeiten nicht. „Die Lage ist in sehr vielen Betrieben, in denen unsere Mitglieder arbeiten, extrem angespannt“, sagte zuletzt die Augsburger IG Metall-Chefin Ferdije Rrecaj im Interview. Die steigenden Arbeitslosenzahlen in Augsburg spiegeln generell die angespannte wirtschaftliche Lage wider. Insolvenzverwalter hatten bereits zu Jahresbeginn mit steigenden Insolvenzzahlen gerechnet. Zuletzt wurde die Insolvenz des ADV Druck- und Verlagshauses bekannt. Der Automobilzulieferer Forvia baut Stellen ab und sogar der gesamte Standort steht zur Debatte.

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