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Kommentar: Augsburg auf Wachstumskurs: In der Stadt wird es enger werden

Kommentar

Augsburg auf Wachstumskurs: In der Stadt wird es enger werden

Stefan Krog
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    Augsburg wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dies wird mit Problemen einhergehen – zum Beispiel, dass man wie auf unserem Bild Schlange stehen muss für einen Termin im Bürgeramt. Aber Wachstum hat auch positive Seiten.
    Augsburg wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dies wird mit Problemen einhergehen – zum Beispiel, dass man wie auf unserem Bild Schlange stehen muss für einen Termin im Bürgeramt. Aber Wachstum hat auch positive Seiten. Foto: Silvio Wyszengrad

    Wenn man mit Neubürgern und -bürgerinnen spricht, die sich für Augsburg als Wohnort entschieden haben, fällt recht oft ein Satz zur neuen Heimat: "Augsburg hat die richtige Größe." Nicht zu klein, sodass es alles gibt. Aber vor allem: nicht zu groß, sodass man von einem zum anderen Ende der Stadt nicht stundenlang braucht. Man kann vom Rathausplatz aus in gut 20 Minuten mit dem Fahrrad die Stadtgrenze erreichen und steht auf dem Acker. Doch auch wenn sich die Stadt von außen betrachtet nicht verändert hat, so ist das von innen betrachtet geschehen. Es ist enger geworden. Und das hat Konsequenzen.

    Augsburg wächst seit gut zehn Jahren deutlich, was die Einwohnerzahl betrifft. Dass der bebaute Umriss der Stadt sich nicht weiter auf Äcker und Wiesen am Rand ausgebreitet hat, liegt nur daran, dass für die Entwicklung ehemalige US-Kasernenflächen und Fabrikareale zur Verfügung standen. Größere neue Viertel am Stadtrand entstanden, abgesehen vom Neubaugebiet an der Friedrich-Ebert-Straße, nicht. 

    Neue Gebäude werden in Augsburg höher gebaut als früher

    Neue Gebäude werden höher gebaut also noch vor einigen Jahren, unbebaute Flächen in der Stadt verschwinden nach und nach. Das ist eine unausweichliche Konsequenz in einer wachsenden Stadt mit begrenztem Flächenpotenzial und ein Gebot der Vernunft, aber es zeigt, dass Ressourcen knapper werden. 

    Und das betrifft in einer wachsenden Stadt nicht nur den Boden. Es betrifft irgendwie alles: den Platz in der Kita, absehbar den Platz auf der weiterführenden Schule, den Parkplatz auf der Straße, die passende Wohnung. Das bedeutet konkrete Aufgaben für die Stadtpolitik, die sich diesen Problemen stellen muss. Es bedeutet aber auch ein anderes Lebensgefühl: Strukturen werden unübersichtlicher, und das in einer Zeit, in der sich grundsätzlich viele Dinge in großer Geschwindigkeit ändern. 

    Was das Bevölkerungswachstum für Augsburg bedeutet

    Nicht zuletzt treten die Bewohner und Bewohnerinnen von wachsenden Städten in Konkurrenz zueinander, um Ressourcen, die in der Stadt zwar viel konzentrierter vorhanden sind als auf dem Land, um die in der Großstadt aber auch mehr Gedränge herrscht – das macht alles stressiger und rauer. Bei vielen Dingen kommt der dran, der viel Geld hat, sich engagiert kümmern kann, sich geschickt anstellt oder rücksichtlos drängelt – um in der Konkurrenz um die Ressourcen die Nase vorn zu haben, muss man selbst Ressourcen mitbringen.

    Augsburg ist im Vergleich zu wirklichen Metropolen immer noch beschaulich und steht am Anfang einer Entwicklung, weil der Wohnungsbesichtungsirrsinn mit Hunderten von Interessenten wie in anderen Großstädten noch nicht überhandnimmt, aber es erklärt sich von selbst, dass ein Wachstum von 30.000 Menschen in zehn Jahren Dinge ins Rollen bringt. Auch in manchen Metropolen sieht man die Schattenseiten des Wachstums mit Unbehagen – es kommt nicht von Ungefähr, dass SPD und CSU in München mit Wahlkampfslogans wie "Damit München München bleibt" oder "Wieder München werden" ins Feld gezogen sind, weil sie damit wohl eine Stimmungslage ansprechen wollten. 

    Augsburg galt lange als zu provinziell

    Es wäre zu pessimistisch, diese Entwicklungen nur negativ zu sehen. Das Augsburg von gestern ist nicht das Augsburg von heute und kann nicht das Augsburg von morgen sein. Und es wäre ja auch nicht erstrebenswert, in einer schrumpfenden Stadt zu leben, in der ein um das andere Geschäft schließt, Stadtteilzentren verwaisen und die Verwaltung über den Rückbau von Infrastruktur nachdenkt, weil sie immer weniger Geld zur Verfügung hat. Solche Städte, die den Strukturwandel nicht gut meistern, gibt es in manchen Landstrichen Deutschlands. 

    Bis 2041 soll die Einwohnerzahl Augsburgs um neun Prozent wachsen.
    Bis 2041 soll die Einwohnerzahl Augsburgs um neun Prozent wachsen. Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

    Und auch wenn es schwierig ist, das Bewusstsein und die Stimmung in einer Stadt zu verallgemeinern: Manchen galt Augsburg über Jahrzehnte als zu provinziell und auf sich bezogen, und mancher Hinsicht hatten sie vielleicht recht damit. Vor 30 Jahren schmorte manches in Augsburg im eigenen Saft. Auch wenn das Gerede von "Aufbruchstimmung", das in den vergangenen Jahren gerne bemüht wurde, eher politischer Wahlkampfsprech denn tatsächliche Stimmungslage ist – inzwischen gibt es auf jeden Fall mehr Offenheit in der Stadtgesellschaft, aber damit verbunden auch weniger Konstanz.

    Die Stadt Augsburg kann mehr Wachstum verkraften

    Bis 2041 soll Augsburg um knapp neun Prozent bei der Bevölkerung zulegen. Die Stadt kann das verkraften, wenn es sich um ein Wachstum im Normaltempo handelt. Das heißt, dass die Strukturen mitwachsen müssen. Aufhalten lässt sich der Zuzug aus kommunaler Sicht ja nicht, außer, indem man die Zahl der neuen Wohnungen begrenzen und dafür in Kauf nehmen würde, dass ein Verdrängungswettbewerb von oben nach unten stattfindet. Das kann nicht der Zweck der Übung sein, weil Normalverdiener sich das Leben in der Stadt sonst nicht leisten könnten. 

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