Gemeinsam mit den Profis übt sich Samantha an diesem Samstag auf der „Fit for job“ an der Augsburger Messe im Brezenschlingen. Am Stand der Bäcker neben dem Halleneingang herrscht großer Andrang. Wie auch an vielen anderen Ständen. Trotz des guten Wetters sind heute viele junge Menschen mit ihren Eltern gekommen. Sie alle treibt die Frage um: Welcher Beruf passt zu mir, was möchte ich einmal werden? Und zunehmend auch noch eine andere: Ist der Job, den ich mir für mich vorstellen könnte, in Zeiten der KI-Revolution auch in zehn Jahren noch gefragt?
Plan A ist die IT, Plan B eine Stelle bei der Polizei
Diese Frage hat sich die 16-jährige Samantha ebenfalls schon gestellt. Auch wenn ihr das Brezenschlingen Spaß gemacht hat, hat sie ein anderes Berufsfeld für sich im Blick. Sie würde gerne in die IT gehen. Doch natürlich wisse sie, dass die Entwicklung in diesem Bereich angesichts der Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz rasant voranschreitet, sagt die junge Frau. „Es kann schon sein, dass die KI bald besser programmieren kann, als jeder Mensch.“ Ob es in der IT, die vielen noch vor wenigen Jahren als absolutes Zukunftsfeld galt, dann noch genügend Stellen geben wird, ist die Frage.
Auch aus diesem Grund hat Samantha einen Plan B parat. Sie könnte sich auch gut vorstellen, später einmal bei der Polizei zu arbeiten. „Das durch KI zu ersetzen, wird schwer“, sagt die junge Frau. Ihre Mutter Michaela Dhaene hält es trotz aller Unkenrufe im Blick auf eine KI-Revolution für wichtig, dass Jugendliche einen Beruf wählen, der ihren Interessen entspricht. „Aber natürlich macht man sich Gedanken darüber, was in ein paar Jahren noch gefragt sein wird.“ Ihr Sohn, der Schreiner werden möchte, sei später vermutlich schwerer zu ersetzen als jemand, der am Computer arbeitet.
Berufsmesse in Augsburg: Die Bäcker erleben mehr Interesse als noch vor einigen Jahren
Dass Handwerksberufe jungen Leuten zunehmend attraktiver scheinen und Handwerk wieder goldenen Boden hat, wie man so schön sagt, erleben Vertreter aus der Handwerksbranche an vielen Ständen. So wie Michael Balletshofer, der am Stand der Bäcker zeigt, wie aus einem Stück Teig im Handumdrehen eine Breze wird. In diesem Jahr, sagt Balletshofer, sei bei den Bäckern besonders viel los. Ob es am guten Platz neben dem Eingang liegt oder daran, dass heute mehr Jugendliche ihre Zukunft in der Backstube anstatt im Büro sehen, das könne er nicht mit Gewissheit sagen. Doch Balletshofer hat schon den Eindruck, dass das Interesse am Beruf des Bäckers zunehme. Bei dem könne man vielleicht nicht unbedingt mit den Arbeitszeiten oder mit einem sehr hohen Gehalt punkten, dafür aber mit einer Arbeit, die Spaß mache und die, KI zum Trotz, krisensicher sei und weiterhin gefragt sein werde.
Am Stand der Bank und des Finanzamts ist Künstliche Intelligenz kein Thema
Am Stand der Raiffeisen-Volksbanken ein paar Meter weiter spielt Krisensicherheit auch eine Rolle, erzählt Patric Pfaff. In den Gesprächen merke man, dass es Eltern gerade in der aktuellen Arbeitsmarktlage wichtig sei, dass das Kind die Ausbildung bei einem Unternehmen mache, von dem man glaube, dass es dort auch in den kommenden Jahren eine Perspektive habe. Das Thema KI, beziehungsweise die Sorge, dass Bankmitarbeiter bald durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden, habe an diesem Tag aber noch niemand angesprochen. Auch am Stand des Finanzamts Augsburg war das noch kein Thema.
Wohl aber bei einem Unternehmen, das Steuerberatung anbietet. „Es kommen tatsächlich Rückfragen dazu, wie zukunftssicher der Job ist und ob er in ein paar Jahren noch gebraucht wird“, sagt eine Mitarbeiterin. KI, glaubt sie, werde die Aufgaben in der Branche in den kommenden Jahren tatsächlich verändern. Deshalb achte man bei der Auswahl der Bewerber schon heute stärker darauf, dass sie Zusammenhänge gut verknüpfen können und eine „Beraterpersönlichkeit“ mitbringen.
Papas sagen: „Lern was Ordentliches“ und meinen damit ein Handwerk
Bei Ludwig Pfeiffer Hoch- und Tiefbau, sagt Antonia Jöck, habe die KI mittlerweile auch Einzug gehalten. Etwa bei der Verarbeitung von Messergebnissen. Trotzdem werde man auf der Baustelle vor Ort immer Menschen brauchen. Und das merke sie in den Gesprächen am Stand. „Gerade die Papas sagen oft: Lern was Ordentliches.“ Damit sei vor einigen Jahren vielleicht noch ein Bürojob gemeint gewesen, heute zunehmend das Handwerk. Jöck, die auch das Recruiting macht, merkt den Umschwung ganz konkret, wenn sie heute eine Stelle in der IT des Unternehmens ausschreibt. „Vor zwei, drei Jahren hat man da niemanden gefunden, heute überrennen sie uns.“
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