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Hessing steigt zur größten orthopädischen Klinik in Deutschland auf

Augsburg

Augsburger Klinik steigt mit Millionen-Neubau zur größten Orthopädie in Deutschland auf

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    Das neue Hessing-OP-Zentrum wird auf dem Dach der orthopädischen Werkstätten aufgestockt.
    Das neue Hessing-OP-Zentrum wird auf dem Dach der orthopädischen Werkstätten aufgestockt. Foto: Marcus Merk

    „Alle an ihrer Verwaltung und Leitung Beteiligten haben die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die Anstalt an erster Stelle bleibt.“ Was Hofrat Friedrich von Hessing, der Begründer der Hessing-Kliniken, Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Testament verfügt hat, könnte mit dem Neubau eines OP-Zentrums auf dem Gelände des Hessing-Medizincampus tatsächlich Realität werden: Die orthopädische Klinik von Hessing steigt damit in ihrem Bereich zur Nummer Eins in Deutschland auf, und nimmt auch eine führende Stellung in Europa ein, wie Stiftungsdirektor Roland Kottke beim Spatenstich für den Bau sagte. Der Neubau ist nur eines von mehreren Bauprojekten in den kommenden Jahren. Ende des Monats wird ein weiteres großes Projekt in Angriff genommen.

    Mit dem Spatenstich für das neue OP-Zentrum haben die Hessing-Kliniken am Montag ein zentrales Bauvorhaben für den Gesundheitsstandort Augsburg gestartet. Auf dem Medizincampus in Göggingen entsteht ein hochmodernes Operationszentrum, das ambulante und stationäre Eingriffe in einer bislang nicht bekannten Form verbinden soll. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2027 vorgesehen, in den Neubau fließen rund zehn Millionen Euro.

    Stiftungsdirektor Roland Kottke ordnete das Projekt als Teil eines langfristigen Investitionsprogramms ein. Insgesamt investiert die Hessing-Stiftung innerhalb von fünf Jahren 30 bis 40 Millionen Euro in ihre Kliniken. „Ein ganz großer Teil davon ist das OP-Zentrum, zu dem wir heute den ersten Spatenstich machen“, sagte Kottke. Mit dem Neubau wolle man die Hessing-Kliniken „ganz weit nach vorne bringen“. Nach verschiedenen Kennzahlen werde Hessing mit der Fertigstellung „wahrscheinlich die größte orthopädische Einrichtung, insbesondere Universitätsklinik, in Deutschland und eine der führenden in Europa“ sein.

    Das OP-Konzept von Hessing in Augsburg ist bundesweit einzigartig

    Das neue OP-Zentrum ist als sogenannter Hybrid-OP konzipiert. Drei neue OP-Säle ermöglichen sowohl ambulante als auch stationäre Eingriffe, flexibel angepasst an den jeweiligen Patienten. Klinikleiter Matthias Gruber sprach von einem bundesweit bislang einmaligen Konzept. „Wir haben einen OP kreiert, der sowohl ambulant als auch stationär ist und der für jeden einzelnen Patienten immer umrüstbar ist.“ In den Sälen sollen künftig zwei Operationsteams parallel arbeiten. In dem bei Hessing entwickelten Projekt rotiert zudem nicht mehr das Personal um den OP-Tisch, sondern der rollende OP-Tisch wird an jede neue Operation angepasst, was Zeit und Ressourcen spart, wie Gruber erläuterte. Ziel sei es, Wechselzeiten zu verkürzen und Abläufe effizienter zu gestalten.

    Mit einem symbolischen Spatenstich wurden die Arbeiten für das OP-Zentrum eingeläutet.
    Mit einem symbolischen Spatenstich wurden die Arbeiten für das OP-Zentrum eingeläutet. Foto: Marcus Merk

    „In den nächsten Jahren werden in der Region viele kleinere Krankenhäuser schließen müssen – damit kommt Hessing eine immer größere Bedeutung bei der Patientenversorgung zu“, erklärte Gruber die Bedeutung des neuen Operationszentrums. Durch den Neubau erweitere Hessing seine Kapazitäten um bis zu 40 Prozent. Das werde nicht nur Auswirkungen auf den OP-Betrieb, sondern auf die gesamte Klinik haben, so der Direktor.

    Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU), zugleich Verwaltungsratsvorsitzende der Hessing-Stiftung, bezeichnete den Spatenstich als wichtiges Signal in einer angespannten Phase des Gesundheitswesens. „In Zeiten, in denen viel darüber diskutiert wird, wie Gesundheitsversorgung künftig organisiert und finanziert werden soll, zeigt die Hessing-Stiftung Mut, weitere Schritte zu gehen und den Standort Augsburg zu stärken“, sagte Weber. Hessing stehe heute stabil da, sei Arbeitgeber für rund 1600 Menschen und durch die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Augsburg auch Teil des Universitätsstandorts.

    Das neue OP-Zentrum passt in die langfristige Entwicklung des Gesundheitsstandorts

    Der Freistaat Bayern unterstützt den Neubau mit über zwei Millionen Euro. Für Weber ist das Projekt nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich von Bedeutung. „Dort, wo Universitätsmedizin, Forschung und Entwicklung zusammenkommen, entstehen Chancen für Wachstum und Wertschöpfung“, sagte sie. Das neue OP-Zentrum passe damit in die langfristige Entwicklung des Gesundheitsstandorts Augsburg, der in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll.

    Ende Februar wird bei Hessing schon das nächste Großprojekt angegangen. Auf dem Gelände, auf dem früher die Freiwillige Feuerwehr zu Hause war, wird eine „Orthopädie-Welt“ gebaut. Das viergeschossige Gebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 3.000 Quadratmetern soll dann ein Sanitätshaus, Sportangebote und ein großes Schuh-Sortiment enthalten. Kern des Orthopädie-Gebäudes werden jedoch die orthopädischen Werkstätten, die derzeit im Hauptgebäude untergebracht sind und deren Räume dann für das OP-Zentrum gebraucht werden, wie Gruber erläuterte.

    Die technische Orthopädie ist so etwas wie die Keimzelle von Hessing – hat Hofrat Hessing doch als Tüftler und Erfinder 1868 mit dem „Schienen-Hülsen Apparat“, einer technischen Orthese, die Orthopädie seiner Zeit revolutioniert und damit den Grundstock für sein Klinikimperium gelegt.

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