Die junge Frau auf der Anklagebank, aus dem Allgäu angereist, war sichtlich bemüht darum, einen gepflegten Eindruck machen. Sie musste sich an diesem Nachmittag wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht vor dem Amtsgericht verantworten. Ihr Sohn war damals neun Monate alt gewesen; sie hatte ihr Baby im Alkoholrausch auf dem Augsburger Königsplatz vergessen. Die 34-Jährige hatte auf einen Verteidiger verzichtet. Nicht nur, weil sie keinen Job und kein Geld hat. Sie hat ein viel größeres Problem. Den Alkohol. „Es ist alles richtig“, platzte es aus ihr heraus, als der Staatsanwalt die Anklage verlesen hat. Und sie fügte gleich hinzu: „Ich bin heute eine trockene Alkoholikerin.“ Der Prozess zeigte auf, dass das nicht stimmt.
Prozess in Augsburg
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