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„Ich wollte nicht nur Geld spenden“: Er hilft einem Mädchen mit einer psychisch kranken Mutter

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„Ich wollte nicht nur Geld spenden“: Er hilft einem Mädchen mit einer psychisch kranken Mutter

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    Seit drei Jahren ist Christian Cappek Pate beim Augsburger Projekt Compagnon und trifft sich regelmäßig mit Ella, deren Mutter psychisch erkrankt ist.
    Seit drei Jahren ist Christian Cappek Pate beim Augsburger Projekt Compagnon und trifft sich regelmäßig mit Ella, deren Mutter psychisch erkrankt ist. Foto: Michael Hochgemuth

    Vor seinem ersten Treffen mit Ella hat Christian Cappek sich erst Mal erkundigt, welches Motiv sie sich denn für den Kindersitz wünscht, den er für sie kaufen musste. Ein Einhorn sollte es sein. „Und so bin ich jetzt drei Jahre mit einem Einhornsitz im Auto herumgefahren“, erzählt er lachend. Acht Jahre alt war Ella, als sie sich das erste Mal getroffen haben. Mittlerweile ist sie groß genug und braucht keinen Sitz mehr. Zusammengebracht hat das Mädchen und den ehemaligen Fußballprofi aus Mering das Augsburger Projekt Compagnon, ein Patenschaftsprojekt des Bezirkskrankenhauses für Kinder psychisch kranker Eltern. Besonders die Anfangszeit, erinnert sich Cappek, sei schwer gewesen.

    Ellas Mutter hatte damals eine schwere psychische Krise, war in stationärer Behandlung. Anstatt gemeinsam Ausflüge zu machen, eine unbeschwerte Zeit zu genießen, eine kleine Auszeit vom Alltag zu haben, fuhr der Finanzberater sie deshalb bei ihren Treffen in die Klinik zu ihrer Mama. Ellas Mutter Lisa Mair war es, die den Wunsch geäußert hatte, dass Ella ins Programm aufgenommen wird. „Ich musste sicher sein, dass sie noch jemanden hat, wo sie hingehen kann“, sagt die Mutter, die wie ihre Tochter eigentlich anders heißt. Mair hat eine posttraumatische Belastungsstörung und rezidivierende Depressionen, war schon mehrmals in stationärer Behandlung.

    „Wir hatten Glück“: Pate kümmert sich um ein Kind mit psychisch kranker Mutter

    „Ich habe viele Therapien gemacht, das hat mir sehr geholfen“, sagt Mair. „Ich musste mich auf mich konzentrieren, um wieder stabil zu werden.“ Stabil für ihre Tochter. Die lebt seit einiger Zeit komplett beim Vater, sieht ihre Mama am Wochenende und in den Ferien. Und mindestens einmal im Monat trifft sie sich mit Christian Cappek. Dann machen sie genau das, wonach Ella der Sinn steht. „Wir hatten das Glück, dass es von Anfang an zwischen uns gepasst hat. Und dass wir die gleichen Interessen haben“, sagt der 35-Jährige.

    Gemeinsam gehen sie gerne ins Kino. „Und ich habe herausgefunden: Ich bin ein super Shoppingpartner. Das hätte ich nicht gedacht.“ Am liebsten shoppen sie in der Citygalerie bei Zara und H&M. „New Yorker ist gar nichts für uns“, sagt Cappek und zwinkert Ella verschwörerisch zu. Mit Chris zusammen shoppen zu gehen, das sei für sie jedes Mal ein Höhepunkt, verrät die Elfjährige. Aber am schönsten sei es, wenn sie einfach zusammen mit seinen zwei Hunden einen Spaziergang machen. „Ich finde es immer toll, wenn wir uns treffen. Mit ihm kann ich über meinen Alltag reden.“ Über einen Alltag, der nicht so sorgenfrei ist wie der vieler anderer Kinder. Das sagt auch Ellas Pate. „Sie ist ein offenes Kind, erzählt mir, was sie beschäftigt. Sie trägt viel in ihrem jungen Alter. Und es ist beeindruckend, wie sie das alles hinbekommt.“

    Aktuell engagieren sich in Augsburg zwölf Paten als „Compagnon“ in dem Projekt

    Christian Cappek ist einer von aktuell zwölf Paten, die sich im Projekt als Compagnon, französisch für „Begleiter“, engagieren. Und der einzige Mann. „Ich wollte nicht einfach nur Geld spenden, sondern mich mit dem ehrenamtlich einbringen, was am wichtigsten ist: Zeit.“ Deshalb habe er sich, nachdem er über eine Bekannte auf das Projekt aufmerksam wurde, bei Projektleiterin Livia Koller gemeldet. Die traf ihn zu mehreren Gesprächen, besuchte ihn auch Zuhause, nötig war daneben ein Führungszeugnis. Und dann stand wenige Wochen später auch schon das erste Treffen von Ella mit ihrem Compagnon an. „Ich bin nicht der Ersatzpapa und auch nicht der Onkel. Ich will einfach nur für sie da sein“, sagt der. Ein Begleiter eben.

    Wie wichtig das für Kinder psychisch erkrankter Eltern ist, wisse man aus der Forschung, sagt Livia Koller, die am BKH die Kindersprechstunde leitet. „Es ist belegt, dass Kinder durch eine zuverlässige Beziehung zu einer zusätzlichen stabilen Bezugsperson besser durch diese belastende Zeit kommen. Das soll die Eltern nicht ersetzen, sondern eine Ergänzung sein“, sagt Koller. „Ich höre oft von Patientinnen und Patienten: Ohne meine Tante oder meine Oma wäre ich untergegangen.“ Koller ist deshalb sehr dankbar, dass das Projekt 2019 am BKH in Augsburg etabliert werden konnte. Und sie ist beständig auf der Suche nach weiteren Paten, die dann über Jahre feste Bezugspersonen für die Kinder sind.

    Christian Cappek verschweigt nicht, dass es in den vergangenen drei Jahren auch schwierige Phasen gab. Vor allem zu Beginn. Doch Livia Koller sei für ihn immer ansprechbar gewesen, daneben gibt es auch regelmäßige Treffen der Paten und Supervision. Und einmal im Jahr auch einen gemeinsamen Ausflug aller Paten und Kinder. Ins Legoland ging es voriges Jahr. Und obwohl der Ex-Fußballer kein Fan von Achterbahnen ist, ist er an Ellas Seite eingestiegen. So, wie es ein Begleiter eben tut.

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