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Orgel in Augsburg

17.03.2021

Orgel im Kongress am Park: Was dieses Instrument jetzt braucht

Orgelbaumeister Siegfried Schmid hat die Generalsanierung der Orgel im Kongress am Park in Augsburg vorgenommen.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Die Augsburger Steinmeyer-Orgel wurde restauriert. Erstmals wieder erklingen soll sie in einem Sinfoniekonzert. Es gibt noch weitere Möglichkeiten.

Vermutlich würde in Augsburg dergleichen heute nicht mehr neu entstehen. Zu teuer, zu selten genutzt (zumal in einem Multifunktionssaal), zu bildungsbürgerlich-elitär (ein zunehmend öfter zu hörendes Argument).

Die Rede ist von der Orgel im Kongress am Park. Dass sie überhaupt mitbedacht wurde beim Bau der 1972 eröffneten Kongresshalle, ist dem kulturellen Horizont der damaligen Bauträger zu verdanken. Dass es das vom Orgelbaubetrieb Steinmeyer geschaffene Instrument nach einer Phase des Niedergangs noch immer gibt und dass es in absehbarer Zeit in neuer Pracht erklingen wird, ist ein Verdienst, das auf mehrere Schultern zu verteilen ist. Zunächst ist da der Denkmalschutz, der das gesamte Kongress-Ensemble und damit auch die Orgel als erhaltenswert deklariert hat. Die Stadt als Eigentümerin ging wiederum nicht den billigen Weg, das unspielbar gewordene Instrument einfach vor sich hinsiechen zu lassen, sondern entschloss sich zur Instandsetzung. Und ganz wesentlich fürs Gelingen war auch privates Engagement, vorneweg seitens der Philharmonischen Gesellschaft Augsburg.

Das Problem der Augsburger Steinmeyer-Orgel

Wie oft berichtet, war die in der Rückseite der Kongress-Bühne bei Nichtbenutzung von beweglichen Holzwänden verdeckte Orgel seit eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr spielbar. Materialien wie Schaumstoff, die der an sich renommierte, heute jedoch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form existierende Oettinger Orgelbaubetrieb Steinmeyer verbaute, hatten sich mit der Zeit zersetzt und waren in Pfeifen, Ventilen und Windladen abgelagert, was letztlich die Luftzufuhr blockierte. Die Generalsanierung war in die Hände des Immenstädter Orgelbaumeisters Siegfried Schmid gelegt worden, der sich Mitte letzten Jahres an die Arbeit machte. Inzwischen ist die Restaurierung in handwerklich-technischer Hinsicht beendet, früher als angenommen, was, wie bei einem Ortstermin erläutert wurde, ein Nebeneffekt des Corona-Lockdowns war: Weil der reguläre Kongress- und Kulturbetrieb nicht möglich war, konnte die Orgelbaufirma ohne Unterbrechung die vorgesehenen Arbeiten durchführen.

Die Konzertorgel verfügt über insgesamt 65 Register, die wahlweise geschaltet werden können.
Foto: Ulrich Wagner

Bei der Präsentation des runderneuerten Instruments kam auch noch einmal das Zustandekommen des Spendenanteils für die Gesamtkosten in Höhe von 360.000 Euro zur Sprache. Nicht weniger als 140.000 Euro wurden durch die Philharmonische Gesellschaft mit Jakob Janeschitz-Kriegl an der Spitze eingesammelt – unermüdlich hatte der Cellist der Augsburger Philharmoniker unter anderem für die Übernahme von Orgelpfeifen-Patenschaften geworben und zusammen mit seinen Orchesterkollegen knapp 50 Benefizkonzerte ins Leben gerufen. Mit Erfolg, Privatleute gaben ebenso Geld wie die Viermetz-Stiftung. Der verbleibende Betrag entfällt auf die Stadt und das Land.

Auch wenn die Steinmeyer-Orgel nun technisch wieder funktioniert, ist ihr Klangbild gegenwärtig doch noch „naturbelassen“ (Siegfried Schmid), also noch nicht konzerttauglich. Nun muss erst die Intonierung sämtlicher 4485 Pfeifen in den 65 Registern erfolgen, ein zeitaufwendiger Prozess, sodass nach Auskunft des Orgelbaumeisters das Instrument erst im Spätsommer in all seiner Pracht zum Klingen gebracht werden kann. Bis dahin wird die Orgel auch noch eine Neuerung erhalten: einen ausfahrbaren Spieltisch, der dann mitten auf die Bühne geschoben werden kann und den Vorteil bietet, dass der Organist das Instrument besser hört und auch nicht mehr wie bisher mit dem Rücken zum Publikum sitzt.

Klassiker des Repertoires für Orchester und Orgel in Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker

Erstmals in einem Konzert erklingen soll die generalsanierte Orgel dann im Herbst zum Auftakt der neuen Theater-Spielzeit im 1. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker. Und zwar, wie Generalmusikdirektor Domonkos Héja ankündigte, mit Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ für großes Orchester und Orgel, ein Klassiker des Repertoires. Héja sprach zudem davon, dass überhaupt die Orgel im nächsten Saisonprogramm der Philharmoniker „eine Hauptrolle“ spielen werde, ohne schon Konkretes verraten zu wollen.

Abseits vom Einsatz in Orchesterkonzerten ist aber noch offen, in welcher Weise und von wem das Instrument künftig zum Einsatz gebracht werden soll. Wohl beabsichtigen die Philharmoniker, ein Angebot für Schulen aufzulegen, in welchem Technik und Klang der Orgel vermittelt werden sollen. Und Götz Beck, als Regio-Chef Hausherr im Kongress, gab bekannt, dass Augsburgs Domorganistin künftig als Kustodin der Orgel fungiere.

Der bisherige Spieltisch ist für den Organisten nicht besonders günstig. Ein ausfahrbarer Spieltisch soll das ändern.
Foto: Ulrich Wagner

Tatsache freilich ist, dass das Steinmeyer-Instrument aufgrund seiner Größe und Konzeption – es ist die einzige Konzertorgel in Schwaben – geradezu zwingend nach solistischem Einsatz verlangt. Das ein oder andere Solokonzert mit einem hochkarätigen Solisten würden dem Anspruch der Steinmeyer-Orgel gerecht werden, und dass für solche Konzerte und ihr faszinierendes Programm durchaus Publikumsnachfrage besteht, zeigen die Auftritte eines Cameron Carpenter oder auch die Konzerte der Titularorganistin an der Hamburger Elbphilharmonie. Man kann nur hoffen, dass dem lobenswerten Einsatz für die Generalsanierung nun auch programmatische Taten folgen. Denn wie sagte Augsburgs Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle beim Ortstermin im Kongress: „Eine solche Sanierung macht ja nur Sinn, wenn die Orgel dann auch gespielt wird.“

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