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Ausstellung

05.04.2018

Sieben Mal Leipziger Schule – auf hohem Niveau

Aller katastrophischen Stimmung zum Trotz ein mitreißendes Stück Malerei: „Nebelleben“ (Öl auf Papier, 2014) des Leipzigers Tilo Baumgärtel.
Bild: Galerie Noah

Die Schüler von Arno Rink und Neo Rauch erweisen sich in der Galerie Noah als Meister der Malerei.

Leipzig macht Schule, vor allem dank der wirkmächtigen Malerei-Professoren Arno Rink (der im Herbst 2017 verstorben ist) und Neo Rauch (der in den 1980er Jahren bei Rink studiert hat). Die Lehrer entlassen Meisterschüler. Sieben von ihnen, fünf Frauen und zwei Männer, kann man in der Galerie Noah in Augenschein nehmen. Die Galerie unter Wilma Sedelmeier pflegt seit Jahren die künstlerische Schiene nach Leipzig und hat wiederholt in wechselnden Konstellationen Lehrer und Schüler präsentiert.

Erster Eindruck: „Die neuen Leipziger“ (=Ausstellungstitel) malen (zeichnen und drucken) auf hohem Niveau. Sie verfügen über ihr Handwerk, nicht zuletzt das Figurenstudium, derart abgeklärt, dass sie über das Arsenal der Bildstörung gebieten. Die Spielarten reichen von der surrealistischen Camouflage (Sebastian Burger), von den (ironisierten) Seh- und Sehnsuchtswelten der Romantik inklusive Rückenfigur (Verena Landau), von Traum- und Märchenanleihen, von Proportionssprüngen, schalkhaften Comiczutaten, menschlichen Masken- und Marionettenspielen (Claudia Rössger) bis hin zur malerischen Demontage des Fotos als vermeintlich realistisches Abbild.

Der Gegenstand wird in Frage gestellt

Verena Landau verfremdet Filmstills in einer Skala von Grauwerten und reichert sie mit fiktiven Elementen an. Auch Miriam Vlaming nimmt Fotos (entstanden auf Reisen in Afrika und Amerika) als Grundlage. Sie werden überarbeitet, zerstört, fortgebildet, kurz: einem malerischen Prozess ausgesetzt, der Gegenstand/Figur und Bildkörper gleichermaßen infrage stellt. Die (selbst hergestellte) Eitempera wird dabei buchstäblich von der Leinwand gewaschen.

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Informelle Farbinseln und -tupfer wuchern ins („verwitterte“) Bild. Fremde, exotische Figuren erscheinen fern und nah zugleich, zumal in den eindringlichen Bildschöpfungen „I Like to Move it“ (2016) und „Gummitwist“ (2004). Vlamings „Reiter“ (2015), eingehüllt in eine rötliche Farbwolke, taucht gleichsam aus der Höhlenmalerei auf.

Der malerische Furor reißt die Landschaft in den Abgrund

Kann ein Bild aufbrausen? In Tilo Baumgärtels „Nebelleben“ (2014) stürzt das Wasser zwischen gewaltigen Steinbrocken auf den Betrachter ein. Der malerische Furor reißt die fahle Landschaft samt brennendem Gehäuse in den Abgrund, und zwei Vierbeiner, denen die Yin-Yang-Symbolik aufgemalt ist, schauen der Katastrophe so putzig wie hilflos zu. Im „Grundstück“ (2017) setzt Baumgärtel, der 2015/16 selber eine Malerei-Professur in Leipzig innehatte, auf antikisierende Statuarik in zartem Grünrosa (mit Anklängen an Neo Rauch). In seinem magisch illuminierten Atelierinterieur von 2012 thront über Leinwänden und Farbtöpfen nicht die Muse, sondern ein zerzaustes dämonisches Monster.

Katrin Heichel arbeitet in tristen Szenerien souverän mit Licht und Dunkel. Sie kombiniert präzise Gegenständlichkeit mit Schwarzpassagen und gibt dem Realismus das Rätselhafte zurück. Ein schönes, verwunschenes Stück Malerei ist ihr im „Garten“ (2016) mit rot glühenden Blüten geglückt. Isabelle Dutoit stört die bei Franz Marc herrschende Harmonie der „Affen“ auf. Die Malerei fragmentiert die Körper. Das betrifft auch das Auf und Ab der „Vögel (rot)“; in diese Ölmalerei von 2016 schiebt sich als berühmtes Zitat der „Blaurackenflügel“ des Albrecht Dürer. Gleich einer Schautafel inszeniert die Künstlerin in einer ansprechenden Sechserserie die Realitätsgrade der Landschaftsmalerei im Kleinformat. Zu der inspirierenden Schau trägt auch das Ausstellungs-Studio bei, u.a. mit Beispielen des hohen zeichnerischen Vermögens der „Leipziger“.

Laufzeit der Ausstellung bis 13. Mai in der Galerie Noah, Dienstag bis Donnerstag 11 bis 15, Freitag, Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr. Kataloge liegen bereit.

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