Frau Herold, Sie wohnen im saarländischen Eppelborn. Die Protagonistin ihres historischen Romans „Die Schreiberin“ hingegen lebte in Augsburg. Clara Hätzlerin gab es wirklich. Sie schrieb Geschichte als einzige dokumentierte Lohnschreiberin des 15. Jahrhunderts. Wie entstand die Idee für Ihren Roman?
BIRGIT HEROLD: Eines Tages bin ich über das Wort „wohlgemut“ gestolpert. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm steht als Quellenangabe: „Aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin“. Den Namen hatte ich noch nie gehört. Ich habe im Internet recherchiert und fühlte mich angezogen von dem Satz: „die einzige uns bekannte Lohnschreiberin aus dem 15. Jahrhundert“. Es gibt nicht viele Lebensdaten über Clara Hätzlerin – außer der beeindruckenden Zahl von acht Handschriften, die noch immer in Bibliotheken in Europa aufbewahrt werden und bedeutsam für die Mittelalterforschung sind.
Die Beschäftigung mit Sprache haben Sie mit Ihrer Protagonistin gemein: Sie sind studierte Sprachwissenschaftlerin und Diplom-Übersetzerin. Hat Sie das Ihrer Romanfigur nähergebracht?
HEROLD: Die Entwicklung der deutschen Sprache hat mich schon immer fasziniert, auch die Entwicklung der Medien, wie wir mit Sprache umgehen. Clara Hätzlerin hat von Hand geschrieben. Das war damals noch die einzige Art, Texte zu reproduzieren. Ihre Texte und ihre Art zu schreiben, wird von Germanisten noch heute als Referenz herangezogen. Dazu kommt, dass Clara zur Zeit der Erfindung des Buchdrucks lebte. So habe ich mir erzählerisch ausgedacht, was passieren könnte, wenn sie zu Johannes Gutenberg nach Mainz kommt, um die Erfindung des Buchdrucks zu beobachten.
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