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Comedy: Michael Mittermeier in Augsburg: Einer wie du, ich und der Ochs vorm Berg

Comedy

Michael Mittermeier in Augsburg: Einer wie du, ich und der Ochs vorm Berg

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    Jetzt schlägt's 13: Michael Mittermeier im Kongress am Park.
    Jetzt schlägt's 13: Michael Mittermeier im Kongress am Park. Foto: Siegfried Kerpf

    Michael Mittermeiers Programm „#13“ – das dreizehnte, mit dem er auf Tour geht – beginnt überraschend mit einem Auftritt von Max Osswald als „Support“. So nennt man, erklärt der junge Comedian, in Amerika derartige Auftritte aufstrebender Künstler vor den Acts der etablierten. Dabei ist es ja eher der etablierte Mittermeier, der dem jungen Kollegen Unterstützung angedeihen lässt. Er sei ein bisschen aufgeregt, so Osswald, denn dies sei sein größtes Publikum bisher. Das sei ihm unbenommen, denn der Kongress am Park war rappelvoll beim Auftritt von Michael Mittermeier, der nach rund 15 sehr unterhaltsamen Minuten von Max Osswald die Bühne übernahm. 

    Nicht gänzlich unerwartet eröffnet Mittermeier mit dem Thema Pandemie und wie sich die Gesellschaft seither entwickelt hat, leitet damit schnell über zur neuen Aufgeregtheit – die Leute lesen offenbar nur noch die Überschriften und gehen dank ihrer kurzen Lunte sofort steil – und kommt nach einem Seitenhieb auf den Ukrainekrieg gleich zum Klimawandel beziehungsweise zur Klimahysterie, gefolgt vom Shopping-Event Black Friday. Keine zehn Minuten sind vergangen, und Mittermeier hat den Rahmen aufgespannt, die brennendsten Punkte berührt, und das Publikum ist den Lachtränen nahe. Sein eigener Standpunkt zu den politischen Themen ist an dieser Stelle noch gar nicht mal so richtig klar, doch das macht nichts, denn gekonnt beleuchtet er eher die menschlichen Facetten in den großpolitischen Wetterlagen. Wie geht Otto Normalverbraucher, wie Lieschen Müller mit diesen Themen um? Was kann man tun, was sollte man lassen? Hier befindet sich Mittermeier in seinem Element: das Mimen des Durchschnittsmenschen, der vor den Herausforderungen des Alltags steht wie der Ochs vorm Berg, um dann konsequenterweise zu scheitern.

    Mittermeier spielt seine Mitmenschen in ihren Nöten

    Immer wieder spielt er Figuren aller Art, Menschen, denen er im Alltag begegnet, und dank steigender Berühmtheit auch Begegnungen mit Menschen, die ihn erkennen. Was davon tatsächlich passiert ist, ihm zugetragen wurde oder frei erfunden ist – geschenkt. Mittermeier spielt uns, seine Mitmenschen in ihren Nöten, und das Publikum windet sich lachend und japsend in den Sitzen.

    Mittermeiers Grundfigur auf der Bühne ist der schlaksige, überforderte Teenager, der aufgeregt etwas erzählt, was für die Übrigen jedoch eine altbekannte Sache ist. Diese Reibung, verstärkt durch die stets bewusst leicht abseitige Wortwahl und Mittermeiers Stimmbruch-Bühnenstimme, erzeugt die knisternde Elektrizität, die schnell den Saal füllt und die Zuschauer kitzelt.

    Wer kann schon "Love Island" für die Arbeit gucken?

    Es ist leichte Unterhaltung, keine Frage. Das Niveau der Gags und der Sprache orientiert sich am Privatfernsehen – wer sonst als ein Komiker kann "Love Island" für die Arbeit gucken? – und reicht vom banal-analen bis zu einigen kurzen Spitzen erstaunlicher Doppelbödigkeit, die an einem vorbeiziehen, wenn man nicht aufpasst. Mittermeier bringt seine Frau und seine offenbar sehr schlagfertige 15-jährige Tochter vielfach in Erzählungen unter. Kurz taucht er auch ein ins Ernsthafte, hier das sehr private Thema Stille Geburt. Dieser Bruch wirkt zunächst deplatziert und kontraproduktiv, kühlt er doch die komplette Stimmung wieder ab, doch möglicherweise will Mittermeier damit die Zuschauer wieder „erden“ oder auch seine Kinder, die nicht sein sollten, verewigen. Beides nachvollziehbar, doch von der Wirkung her ein bisschen wie eine Watschn aus heiterem Himmel. 

    Michael Mittermeier ist ganz klar kein politischer Kabarettist, kein Volker Pispers, Georg Schramm oder Dieter Hildebrandt. Das will er aber auch nicht sein, er kennt seine Grenzen. Und innerhalb dieser liefert er nahezu perfekt getaktete Comedy, bei der die allermeisten Gags sitzen. Der Mann ist schon lange Profi – und seine politische Sichtweise liegt, wie bei vielen seiner Zunft, dann doch eher links von der Mitte. Und damit hält er dann doch nicht hinter dem Berg.

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