Eine gute halbe Stunde gibt der Mann im gelben T-Shirt und in den roten Boxershorts alles: Er springt und tänzelt, er imaginiert Seilhüpfen und wechselt in klassische Ballettpositionen, marschiert, steppt, schuhplattelt und vieles mehr. Wie eine Aufziehpuppe spult er diesen "Reigen" ab, als hätte er einen Knopf im Ohr, der ihm Anweisungen einflüstert. Ein Konglomerat aus Bewegungen entsteht so, die einem im Einzelnen bekannt vorkommen, in ihrer Überlagerung und Zusammensetzung aber Neues erschaffen. Oder, wie der Choreograf Moritz Ostruschnjak schreibt: "eine absurde Abfolge divergierender Elemente, die sich gegenseitig überzeichnen, ironisieren und konterkarieren und in Kombination spielerisch, doch schonungslos ins Abgründige führen". Im Stück unter anderem hin zu dem Song "Der Mussolini" der Band DAF aus dem Jahr 1981. "Tanz den Mussolini/Tanz den Adolf Hitler/Und jetzt den Jesus Christus/Und tanz den Kommunismus", heißt es da. Klassische Tanzanweisungen, wie sie früher ein Tanzmeister bei Gesellschaftstänzen gegeben hat, aber mit einer Note, die für manchen Zuschauer und manche Zuschauerin auch irritierend, ja verstörend sein kann, weiß Ostruschnjak.
Friedensfest