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„Jetzt sing endlich mal!“, schallt es Hans Söllner entgegen

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„Jetzt sing endlich mal!“, schallt es Hans Söllner entgegen

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    Erst kommt der Text, dann die Musik: Hans Söllner im Spectrum.
    Erst kommt der Text, dann die Musik: Hans Söllner im Spectrum. Foto: Siegfried Kerpf

    Mei, so is er halt, der Hanse. Ein Revoluzzer und Anarchist vom Scheitel bis zur Sohle. So kennt man ihn als den „wuidn Hund“ aus Bad Reichenhall. Allerdings, man kann‘s auch übertreiben. Exakt handgestoppte 37 Minuten saß Söllner auf einem Hocker mit seiner Gitarre auf der Bühne im Spectrum, bis er erstmals ein Lied anstimmte. Söllner hatte Redebedarf, wie so oft in seinem Leben. Der bezog sich voraussichtlich auch auf einen Artikel in einer überregionalen Zeitung, die vor einiger Zeit geschrieben hatte, dass einige Besucher in Bad Tölz sein Konzert vorzeitig verlassen hätten wegen „menschenverachtender“ und „demokratiefeindlicher“ Aussagen.

    Söllner redet sich in Rage. Er, der schon immer für Freiheit, Gerechtigkeit und absolute Gewaltlosigkeit plädiert, versucht sich lautstark zu rechtfertigen, erklärt, dass er definitiv nicht der AfD nahesteht. „Ich bin weder rechts noch links. Ich bin bei mir“, plärrt er ins Publikum. Und er findet durchaus Ansätze, wo ihm die meisten im ausverkauften Saal kopfnickend zustimmen. Zum Beispiel wenn er sagt, dass er sich nicht erzählen lässt, dass es „42 verschiedene Geschlechter“ gibt. Wenn er über eine verrohte Gesellschaft spricht, die endlich auf ihre Kinder besser achtgeben soll: „Mir trauen uns nix mehr. Wir sind Feiglinge geworden.“

    Seinen Witz hat Söllner nicht verloren

    Ansonsten wie immer viel Politiker-Bashing („Politik ist alles ein Sumpf“), das er schon betreibt, seit er auf der Bühne steht. Bundeskanzler Friedrich Merz oder Bayerns Ministerpräsident Markus Söder müssen die Ohren geklungen haben. Ob sich wie in den früheren Jahren unter die Fans im Spectrum Leute vom Verfassungsschutz gemischt haben, die Söllner beobachten? Wohl eher nicht mehr. Eines aber muss man Söllner lassen: Er hat nie seinen Witz verloren. Der 70-Jährige bedankt sich beim Publikum dafür, dass es Eintritt bezahlt habe, und ihm dadurch praktisch ermöglicht, dieses Geld wiederzuverwenden konnte für die Strafzahlungen wegen seiner Beleidigungen gegenüber Politikern.

    Dann aber reicht es einem im Publikum. „Jetzt sing endlich mal!“, brüllt er in Richtung Bühne. Schließlich beginnt Söllner auch mit „Hey wos is“ mit dem musikalischen Teil der Veranstaltung. Und das sind dann die Momente, wo er am stärksten ist. Seine Stimme klingt wahrscheinlich auch wegen seiner starken Kifferei noch etwas rauchiger als in den 1980er-Jahren. Als Söllner aus „Hey wos is“ den Satz „He Türke setz die her, wir scheißn auf des braune Pack“ singt, kann er sich aber doch nicht verkneifen ins Publikum zu grölen: „Bin i jetzt links?“

    Zum Abschied Gott sei Dank nur ein „Servus“

    Wer jetzt allerdings glaubt, Söllner konzentriere sich jetzt allein auf die Musik, der irrt. Aber die Botschaften, die er verkündet, werden weniger. Aus dem Album „SoSoSo“ aus dem Jahr 2012 folgt dann das bissige „Durch eia Politik.“ Bei „Freiheit“ singen viele im Spectrum inbrünstig mit. Dass die Location an beiden Konzertabenden bestuhlt wurde, ist ungewöhnlich, aber da Söllner diesmal ohne Band erscheint, auch nachvollziehbar. Natürlich dürfen ein paar Seitenhiebe, die sich auf seine Leidenschaft fürs Kiffen beziehen, nicht fehlen. „Die meisten Texte schreib i unter Drogeneinfluss. Wenn i‘s dann nüchtern auf Konzerte spiel, versteh i‘s nimmer.“ Mit „Lotta“, einer Hommage an seine Enkelin, beendet Söllner den offiziellen Teil. Die meisten Zuhörer haben ihm da längst seine überlange Antrittsrede verziehen. Zumindest fordern sie noch Zugaben. Mit „Sei guad zu dir“ und „I hob Angst, dass i mi verlier“ liefert Söllner. Mit einem herzlichen Dank und einem freundlichen „Servus“ verlässt er die Bühne. Die befürchtete Abschiedsrede blieb Gott sei Dank aus.        

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