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Kompetenz und emotionale Verbindung: Lydia Benecke klärt auf, wie Hochstapler arbeiten

Kongress am Park

Psychologin erklärt in Augsburg, warum wir immer wieder auf Betrüger hereinfallen

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    Mit konkretem Anschauungsmaterial erklärte Lydia Benecke im Kongress im Park die Mechanismen psychologischer Manipulation.
    Mit konkretem Anschauungsmaterial erklärte Lydia Benecke im Kongress im Park die Mechanismen psychologischer Manipulation. Foto: Annette Zoepf

    Man stelle sich vor, fest an etwas zu glauben, das einem hilft und Halt im Leben gibt. Etwas, das größer ist, als man selbst und an das sich alle Hoffnungen und Sehnsüchte klammern. Plötzlich aber löst sich genau das in Luft auf. So passiert 2011, als sich der angeblich erleuchtete indische Guru Sri Kumaré als amerikanischer Filmemacher Vikram Gandhi zu erkennen gab. Den Heilsbringer hatte er erfunden, um auszuprobieren, wie weit man kommen kann, wenn man sich mit falscher Kompetenz ausstattet und die Emotionen Hilfssuchender geschickt anzusprechen und zu leiten weiß. Das funktionierte so gut, dass Vikram am Ende gar nicht mehr wusste, wie er das wieder beenden konnte. Er musste die starken emotionalen Bindungen, die seine Anhänger zu ihm aufgebaut hatten, sehr behutsam wieder lösen. Bei einigen führte das zu großer Verärgerung, andere glauben trotz seines vollständigen Geständnisses noch heute, sie hätten es mit einem Auserwählten zu tun gehabt.

    Lydia Benecke erklärt die Psychologie der Manipulation

    Warum aber lassen Menschen sich immer wieder so intensiv auf Scharlatane wie Kumaré ein? Auf falsche Propheten, vorgegaukelte Liebesbeziehungen im Internet, durch die sie ihre Ersparnisse verlieren oder suspekte Sekten, die ihnen Freiheit und Willen nehmen. Genau solche Fragen beantwortet Lydia Benecke in ihrem kriminalpsychologischen Vortrag „Die Psychologie der Manipulation – Von Hochstapelei, Betrug und Gaslighting“. Sehr detailliert und engagiert erklärt sie, welche psychologischen Mechanismen Menschen in gefährliche Abhängigkeiten führen können, nämlich indem Kompetenz vorgegaukelt und emotionale Verbindungen hergestellt werden. Das dauert inklusive Videos, mitgebrachtem Anschauungsmaterial und persönlichen Anekdoten am Ende gute dreieinhalb Stunden, die aber tatsächlich an keiner Stelle anfangen, sich langweilig anzufühlen. Benecke will Aufklärung leisten und Hilfe zum Selbstschutz anbieten, das sagt sie mehrfach deutlich.

    Bekannt ist Lydia Benecke vor allem aus ihren Wissenschaftskommunikations-Videos, die es im Crime Time-YouTube-Kanal der ARD zu sehen gibt, und aus einigen Sondersendungen der „Aktenzeichen XY... gelöst!“-Reihe mit Rudi Cerne. Hier vermittelt sie auf für jedermann verständliche Weise schwierige Themen aus der Kriminalpsychologie. Ihr Fachwissen bezieht sie unter anderem aus ihrer Arbeit mit Sexual- und Gewaltstraftätern in einer sozialtherapeutischen Justizvollzugsanstalt. Gewählt hat sie diesen Beruf, weil sie fasziniert ist von der Logik, die sich hinter den Delikten verbirgt, und der Frage, ob und wie man diese vermeiden kann. Am Ende ist niemand so ganz vor Betrügern und ihren Manipulationen gefeit, so Benecke, das ist ein gefährlicher Trugschluss, solange man die psychologischen Besonderheiten des eigenen Gehirns nicht ein bisschen besser kennt.

    Wie Betrüger arbeiten, ist oft erst im Nachhinein zu erkennen

    Das nämlich funktioniert bei allen Menschen gleich und die Geschichte vom Guru passiert so oder ähnlich immer wieder. Sei es bei Liebesbetrügern auf Dating-Plattformen, bei falschen Ärzten und selbsternannten Piloten, die Passagiere in Gefahr bringen oder bei pseudowissenschaftlichen Heilmethoden. Das Prinzip ist das Gleiche, die Wege dahin aber mannigfaltig und oft erst im Nachhinein überschaubar. Schafft es das betrügerische Gegenüber, seinem Opfer zu vermitteln, die genau richtige, kompetente Antwort auf seine Sorgen und Wünsche zu sein und es durch vorgespieltes Interesse und geschickte Belohnungsstrategien emotional zu binden, dann kann das durchaus dazu führen, dass warnende Zeichen übersehen werden. Denn je mehr die Emotionen wachsen, desto unkritischer werden wir. Schwer, da immer den Punkt erkennen, an dem das Vertrauen Risse bekommen sollte.

    Beneckes Vortrag will dabei helfen, zukünftig etwas gerüsteter gegen Betrugsschwurbel zu sein. Ein Angebot, das durchaus viele Fans findet und nach dem mit Pause fast vierstündigen Erklärmarathon im kleinen Saal der Kongresshalle bleiben viele Gäste noch da und stellen Lydia Benecke bis tief in die Nacht hinein ganz eigene und persönliche Fragen, manchmal mit bereits ernstem Hintergrund. Betroffene, das wird spätestens an dieser Stelle deutlich, gibt es viele. Diese Zeit nimmt sie sich, jüngst in München zum Beispiel bis drei Uhr morgens.

    Stammtisch des Vereins für kritisches Denken trifft sich regelmäßig in Augsburg

    Wer dann immer noch nicht genug Antworten gefunden hat, der möge in den Talk-Podcast Wissenschaft trifft Freundschaft (www.twitch.tv/wtftalk) oder den YouTube-Kanal namens LydiaBeneckePsychology schauen. Lydia Benecke ist auch Mitglied bei „Skeptix – Verein für kritisches Denken e.V.“. Dessen regionaler Stammtisch trifft sich in Augsburg jeden ersten Donnerstag des Monats um 19.30 in der Kneipe Annapam.

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