Soeben ist in der Galerie Cyprian Brenner am Elias-Holl-Platz die Schau "Nox aura" mit dem Thema der Nacht in der Kunst und mit dort vertretenen Künstlern ausgelaufen, da begegnet den Beobachtern Augsburger Galerien und Ausstellungsräume erneut das Dunkle in der Malerei: Der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) präsentiert in seiner neuen Wirkungsstätte im zweiten Stock des Glaspalasts Jan Gemeinhardt und Manuel Rumpf mit Öl beziehungsweise Acryl auf Leinwand, dabei vielfach Landschaft und Stadtlandschaft in Dämmerung und Finsternis hüllend.
Diese Exposition mit gut 40 zumeist kleinformatigen Arbeiten geht aber noch eine weitere Beziehung zur jüngsten Augsburger Ausstellungsgeschichte ein. Sie zeigt zwei bayerische Künstler, die nicht Mitglied im BBK Schwaben-Nord und Augsburg sind. Folglich weist sie horizonterweiternd über die eigene Nase und den eigenen Kirchturm hinaus - während im Glaspalast unten noch wenige Tage über die Schau "Members only"/"Nur für Mitglieder" sinniert werden kann. In dieser unjurierten Querbeet-Ausstellung, die anhand der Künstlernamen eine erhebliche Schnittmenge zur alljährlichen "Großen Schwäbischen" aufweist, stellt sich ein Gedanke wie der folgende nahezu von selbst ein: Hallelujah! Gott sei Dank, dass die Große Schwäbische juriert wird! Speziell bei den dicht in einem Kabinett gehängten hohen zweistelligen Nummern dieser 120 Arbeiten umfassenden Schau dürfte es Kunstfreunden mit ein wenig Seherfahrung - trotz gnädigem Halbdunkel - blümerant werden. Zwischen Profession, Amateurtätigkeit und Hobby gibt es halt doch sinnvolle Abstufungen.
Aus den Meisterklassen anerkannter Akademien
Was nun Jan Gemeinhardt und Manuel Rumpf im zweiten Stock angeht, so arbeiten diese beiden Maler professionell. Schon allein ihre Ausbildung weist darauf hin: Jan Gemeinhardt, Jahrgang 1988, studierte an der Nürnberger Akademie als Meisterschüler von Ralph Fleck; Manuel Rumpf, Jahrgang 1987, an der Münchner Akademie als Meisterschüler von Anke Doberauer. So was zeitigt Folgen.
Beide also verbindet die Darstellung des Nächtlichen und des Landschaftlichen sowie ihre akademische malerische Ausbildung - und die eher indirekte Einbindung von Zivilisation. Selbst bei deutlichen Spuren seiner Gestaltungskraft: Der Mensch bleibt abwesend. Was die Beiden aber trennt, dies ist der Realitätsgehalt ihrer Klein- und Mittelformate. Während Manuel Rumpf einen "fotografischen Blick" umsetzt in Öl (oder Tusche), fließt Visionäres ein in Jan Gemeinhardts Öl-Acryl-Gemälde, respektive in seine kleinen modelllandschaftsgleichen Dioramen in Schaukästen.
Gemeinhardt setzt auch Beklemmung ins Bild
Bleiben wir erst einmal bei ihm, dessen Handschrift und Farbauftrag "malerischer" aufscheint als bei dem eher eine Realität veranschaulichenden Manuel Rumpf. Indem Gemeinhardt in seine Öd- und Karstlandschaftsmalerei auch Unerwartetes hineinsetzt, lädt er sie auf. Hier leuchten die Augen eines Tieres wie Glühlämpchen inmitten von Schwarz-Weiß-Grau-Malerei, da verdoppelt eine Reklamewand die gemalte Landschaft als Bild im Bild, dort flimmern geheimnisvolle farbige Lichterscheinungen überm Geröll - und an anderer Stelle ruht sich eine Mondsichel weit unterhalb des Horizonts auf einem Felsen aus. Wer denkt da nicht einerseits an die deutsche Romantik rund um Caspar David Friedrich, um Symbolismus rund um Arnold Böcklin, Surrealismus rund um René Magritte? Aber noch eine weitere Komponente zieht in Gemeinhardts Malwelt ein, jene von Mystik und "suspense". Unheimliches, Abgründiges verbindet sich mit seinen Szenarien - ob zwei- oder dreidimensional. Wenig Vertrauen erweckend eine Berghütte, eine Grube, eine Mine im Blick zurück. Gemeinhardt setzt auch Beklemmung ins Bild.
Die Stimmungen von Manuel Rumpf sind andere. Er porträtiert bewohnte, benutzte, von Infrastruktur durchzogene nächtliche Landschaft, Orte, da keiner länger verweilt, Passagen des Transits, des Durchgangs. Nächtliches Dunkel verhüllt ihre Funktionalität, Straßenlichter verheißen Leben im Vorüberziehen. Kommt noch Rumpfs verschwimmende, unscharfe Malweise hinzu, die diffuses Licht durch Dunst oder Nebel suggeriert, so kommt man schnell zur Schwesterkunst der Musik, zu Arnold Schönberg und seiner "Verklärten Nacht". Ungastliches wird abgemildert, verhüllt, gleichsam romantisiert. Der Ortsfremde sucht das Licht, auch wenn es Schutz nicht bietet. Als altmeisterlicher und lasierender Illusionist beeindruckt der Münchner Maler auch in seinen (unverkäuflichen) Tintenzeichnungen von (nordamerikanischen?) Highways, die auf den ersten Blick wie (Aquatinta-)Radierungen wirken. Stark.
Laufzeit bis 14. Juli in der BBK-Galerie im Glaspalast. Geöffnet Di., Do., Sa., So. von 13 bis 17 Uhr.