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So lustig war Kabarettist Stephan Zinner in der Stadthalle Neusäß

Musik-Kabarett

Der Blues im Alltag und in der Musik: Stefan Zinner in Neusäß

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    Als hervorragender Blues-Gitarrist präsentierte sich Stephan Zinner in der Stadthalle Neusäß.
    Als hervorragender Blues-Gitarrist präsentierte sich Stephan Zinner in der Stadthalle Neusäß. Foto: Klaus Rainer Krieger

    Es gab Zeiten, da wusste man nicht, ist das jetzt unser bayerischer Ministerpräsident Markus Söder, der im Fernsehen spricht, oder ist das Stephan Zinner? Andererseits, wenn in der Glotze oder im Kino Eberhofer-Krimis wie „Grießnockerlaffäre“ oder „Leberkäsjunkie“ liefen, stellte man sich ebenfalls die Frage: Ist der Metzger Simmerl jetzt der Söder oder der Zinner? Es wurde irgendwann schwierig, weil beide längst zu einer Symbiose verschmolzen waren. Zinner verkörperte Söder über 15 Jahre bis zum Jahr 2021 alljährlich auf dem Nockherberg mit so viel Intensität und mit solch akkurater Genauigkeit, dass man meinen konnte, Zinner wurde geklont, oder Söder und Zinner wurden versehentlich bei ihrer Geburt getrennt. Nun, nach seinem Rücktritt als Söder-Double, kehrte auch im Freistaat wieder die Normalität zurück. Söder und Zinner gehen wieder getrennte Wege.

    Stephan Zinner zeigt sich in seinem Programm „Der Teufel, das Mädchen, der Blues und ich“ als Musiker

    Zinner ist dennoch umtriebig wie eh und je. Abgesehen von den Eberhofer-Krimis, ist er auch als Kommissar Dennis Eden im „Polizeiruf 110“ nicht mehr wegzudenken. Sehr erfolgreich war Zinner zuletzt in der Miniserie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ als Pfarrer Hans Reiser. Zudem tourt er derzeit als bayerischer Blues-Musiker mit seinem Programm „Der Teufel, das Mädchen, der Blues und ich“ durch die Lande. Zuletzt stand der 50-Jährige in der Stadthalle Neusäß auf der Bühne. Mit ihm dabei Peter Pichler, der ein ganzes Arsenal an Instrumenten mitbrachte. Neben der Mundharmonika, einem Banjo, einem Akkordeon stehen auch ein Xylophon und ein kleines Schlagzeug bereit.

    Da Pichler über zwei Stunden schweigt, erfährt man über den 57-Jährigen nicht viel. Aufgrund seiner Schweigsamkeit bezeichnet ihn Zinner jedenfalls als „alde Ratschkathl“ und nennt ihn auch „Lightning-Pete“, weil er nach dem Konzert blitzschnell vor dem Catering steht. Weil Pichler „in der Gewerkschaft ist und nicht länger als bis 22 Uhr arbeiten darf“, bestreitet Zinner den Zugabenblock alleine. Für den lustigen Abend in Neusäß bekam das Duo von den 630 Zuschauern in der ausverkauften Halle am Ende „Standing ovations.“ Genau gewusst, wo Neusäß ist, hatte Zinner aber vorher nicht. „Ein Bekannter meinte, das müsste irgendwo an der holländischen Grenze sein. Ich bin froh, dass ich nicht so weit fahren musste.“ 

    Stephan Zinner in Neusäß: Aus Tom Jones´“Sexbomb“ wird „Shitstorm“

    Zinner arbeitet sich in seinem Programm am täglichen Leben ab. Dabei beweist er auch, dass er ein hervorragender Blues-Gitarrist ist. Der gebürtige Trostberger kann aber noch mit einem weiteren gewaltigen Pfund wuchern: seiner lauten und sonoren Stimme. Auf bayerisch ehrt er musikalisch seine Vorbilder Leadbelly oder John Lee Hooker. So wurde aus „Black Betty“ ein „bled glaffa“. Aus Tom Jones´ „Sexbomb“ wurde „Shitstorm“ und für großes Gelächter sorgte er auch als näselnder Bob Dylan und seine Interpretation von „Blowin´ in the Wind“.

    Dass man in diesem Leben noch einmal das Wort „Rüscherl“ zu hören bekommt, hat man ebenfalls Zinner zu verdanken. Das „Rüscherl“ war vor allem in den 1970er Jahren in Bars und Nachtclubs sowas wie ein Pflichtgetränk. Eine Mischung aus Cola und Weinbrand oder Rum - für Zinner immer noch eine Option.

    Die Arztgattin versorgt ihn mit Globuli

    Vor allem aber spricht Zinner in seinem breiten oberbayerischen Dialekt über seine „Problemzonen“. Als da wären seine beiden Teenager-Töchter Emma und Lotte, die er nicht immer versteht, die beiden Goldhamster Bonnie und Jacko, die wegen des Tierschutzes kleine Kopfhörer von ihm bekommen, wenn er zu Hause Iron Maiden hört, und seine Gattin, die ihn als Ärztin mit Globuli versorgt. Besonders stark ist Zinner als tanzender, amerikanischer Gospel-Prediger. Da gab es dann auch einige im Publikum, die vor lauter Lachen Tränen in den Augen hatten.

    Nachdem Stephan Zinner jetzt weiß, dass Neusäß nicht in der Nähe von Holland liegt, spricht nichts dagegen, wenn er sich hier wieder blicken lässt.

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