ÖPNV-Streik heute (14.4) in Augsburg: Fahrer der Stadtwerke erzählen, warum sie streiken
Augsburg
„Das Geld reicht vorne und hinten nicht“: Fahrer der Stadtwerke erzählen, warum sie streiken
Zum wiederholten Mal steht in Augsburg am Dienstag der Nahverkehr still. Fahrerinnen und Fahrer berichten, warum der Job problematischer wird – und sich etwas ändern muss.
„Ich musste wieder zu meiner Mutter ziehen“: Rund 150 Menschen haben auf dem Rathausplatz demonstriert.Foto: Annette Zoepf
Als am Dienstag die einzig verbliebene Straßenbahn am Augsburger Rathaus vorbeifährt, ist der Tumult groß. Schrilles Pfeifen und laute Rufe ertönten von der Menschenmenge auf dem Rathausplatz. Etwa 120 Personen, darunter Fahrpersonal der Stadtwerke Augsburg, demonstrierten am Dienstag auf dem Rathausplatz und folgten damit dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi. Mal wieder herrscht im ÖPNV in Augsburg weitgehend Stillstand. Was die Streikenden zu den Verhandlungen sagen.
Fahrerinnen und Fahrer wünschen sich mehr Gehalt und bessere Work-Life-Balance
Niklas Hihler arbeitet in Augsburg als Kombifahrer, sitzt also in Bussen und Straßenbahnen am Steuer. Eigentlich mag der 27-Jährige seinen Job. „Ich liebe die Stadt, fahre gerne und ich habe tolle Kollegen“, sagt Hihler. Doch vor allem das Gehalt bereite ihm Sorgen. „Das Geld reicht vorne und hinten nicht mehr. Ich musste deshalb wieder zu meiner Mutter ziehen, weil ich mir die Miete nicht mehr leisten konnte“, erzählt er. „Man hat keine Chance mehr, etwas Bezahlbares zu finden.“ Auch die Arbeitszeiten kritisiert der junge Augsburger. „Man hat kaum mehr Zeit, etwas mit Freunden auszumachen. Die Dienste werden oft erst am Tag vorher eingeteilt. Wir wissen also lange nicht, ob wir morgens oder nachmittags anfangen“, sagt er.
Niklas Hihler arbeitet gerne als Kombifahrer bei den Stadtwerken Augsburg. Ändert sich nichts am Gehalt, so fürchtet er, müsste er sich aber einen anderen Job suchen.Foto: Bianca Dimarsico
Trotzdem hofft er, in dem Job bleiben zu können. „Dieser Job hat mir schon als Kind gefallen. Mein Vater arbeitete 32 Jahre bei den Stadtwerken, ich bin mit dem Betrieb groß geworden. Für mich kommt eigentlich nichts anderes infrage. Aber wenn sich finanziell nichts ändert, werde ich mir leider etwas anderes suchen müssen“, so Hihler.
An einigen Stellen bemerkt man die steigenden Lebenshaltungskosten deutlich
Kombifahrerin Nicole Granzer sind vor allem die Arbeitszeiten ein Anliegen. „Ich möchte auch Zeit für meine Familie haben“, sagt die dreifache Mutter. „Und für Familie braucht man Geld“, ergänzt sie. Sie spüre derzeit deutlich, wie die Schere zwischen steigenden Lebenshaltungskosten und ihrem Gehalt auseinandergehe. „Das beste Beispiel: Meine Tochter isst gerne Gurken. Vor einem dreiviertel Jahr gab es eine Gurke noch für 89 Cent zu kaufen, jetzt zahle ich dafür 1,69 Euro. Das merkt man extrem“, sagt Granzer. Auch sie macht ihren Job gerne. „Die Abwechslung und der Kontakt mit den Fahrgästen sind toll. Ich mag auch meinen Arbeitgeber. Aufhören möchte ich eigentlich nicht“, sagt die 45-Jährige.
Kombifahrerin Nicole Granzer wünscht sich mehr Zeit für ihre Familie. Deshalb beteiligt sie sich am Streik im ÖPNV.Foto: Bianca Dimarsico
Auch Beschäftigte der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) sind zur Demo in Augsburg gekommen. Einer von ihnen ist Systemtechniker Michael Samac. „Meine Miete steigt immer mehr, ebenso die Spritkosten und die Kosten der Kinderbetreuung, während mein Gehalt nicht steigt. Wir brauchen mehr Geld zum Leben“, sagt der 32-Jährige. „Meine Frau geht auch arbeiten, denn alleine würde ich es nicht schaffen.“
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