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Rechts der Wertach: Neues Modellprojekt und „Sommerstraße“ in Planung

Rechts der Wertach

Zu wenig grün und dicht bebaut: Warum ein Augsburger Quartier Schauplatz eines besonderen Projekts wird

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    In der Wolfgangstraße im Viertel Rechts der Wertach soll dieses Jahr eine Sommerstraße stattfinden.
    In der Wolfgangstraße im Viertel Rechts der Wertach soll dieses Jahr eine Sommerstraße stattfinden. Foto: Anna Kondratenko

    Das Augsburger Viertel „Rechts der Wertach“ ist ein Stadtteil mit eigenem Charakter. Zentrumsnah gelegen, dicht bebaut, geprägt von Gründerzeithäusern und einer jungen, stark gemischten Bevölkerung, lebt das Viertel von kurzen Wegen, vielen Gesichtern und einem entspannten Miteinander. „Die Österreicher würden sagen: lässig“, beschreibt Quartiermanager Jan Weber-Ebnet die Atmosphäre. „Man lässt die Menschen machen, es darf auch mal ein bisschen lauter sein, die Kinder können rumlaufen.“ Genau hier setzt das Stadtteilmanagement an, das seit mehreren Jahren im Quartier präsent ist und aktuell als Klimamodellquartier arbeitet.

    Jan Weber-Ebnet ist einer von zwei Quartiersmanagern für Rechts der Wertach
    Jan Weber-Ebnet ist einer von zwei Quartiersmanagern für Rechts der Wertach Foto: Anna Kondratenko

    Getragen wird das Stadtteilmanagement von Jan Weber-Ebnet und Lilli Vettori. Weber-Ebnet ist Architekt und seit vielen Jahren in der Moderation von Stadtentwicklungsprozessen tätig. Vettori ist Sozialwissenschaftlerin. Gemeinsam arbeiten sie im Auftrag des Stadtplanungsamts und bringen räumliche, planerische und sozialwissenschaftliche Perspektiven zusammen. Organisatorisch sind sie Teil des Büros Bauwerk mit Standorten in Regensburg, München und Augsburg, das bundesweit Stadtentwicklungsprozesse begleitet.

    „Wir sind ein Klimamodellquartier im Rahmen der kommunalen Klimawandelanpassungsstrategie“, erklärt Weber-Ebnet. Rechts der Wertach sei gezielt ausgewählt worden: wegen der dichten Bebauung, der Unterversorgung mit Grünflächen und einer Bevölkerungsstruktur, in der viele Menschen stark auf ihren Stadtteil angewiesen sind. „Die Leute können nicht einfach ins Grüne fahren.“

    Bauliche Veränderungen sind Rechts der Wertach nur begrenzt möglich

    Anders als in großen Wohnanlagen mit wenigen Eigentümern ist bauliche Veränderung hier nur sehr begrenzt möglich. Das Quartier besteht aus vielen einzelnen Häusern mit zahlreichen Eigentümergemeinschaften. „Einen baulichen Wandel können wir nur sehr mühsam und sehr langsam erreichen – oder unter Umständen auch gar nicht“, sagt Weber-Ebnet. Deshalb setze das Stadtteilmanagement weniger auf große Umbauten als auf Alltagspraktiken. „Es kommt darauf an, den Menschen Wege aufzuzeigen, wie sie selbst handeln können.“

    Ein zentrales Instrument sind temporäre Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum. Dazu gehören Parklets, bei denen einzelne Parkplätze in kleine grüne Aufenthaltsflächen umgewandelt werden. Entscheidend sei, dass diese von Akteuren aus dem Stadtteil getragen werden. „Wenn ich Menschen nur etwas wegnehme, erleben sie Verlust“, sagt Weber-Ebnet. „Ich muss ihnen etwas dazugeben: Lebensqualität, Begegnung, Handlungsmöglichkeiten.“ Während es zu Beginn vor allem wegen der wegfallenden Parkplätze wenig Verständnis bei den Anwohnern gab, stoßen die Parklets jetzt auf breite Akzeptanz – auch, weil dort Sprachcafés, kleine Konzerte, Lesungen oder gemeinsames Gärtnern stattfinden, so der Stadtteilmanager.

    Auch Tauschinfrastrukturen spielen eine wichtige Rolle. Der Tauschschrank, der gemeinsam mit dem Verein Qualle betreut wird, wird intensiv genutzt. „Das sind nicht die Leute, die sich ein Vintage-Objekt raussuchen“, sagt Weber-Ebnet. „Das sind Menschen, die wirklich froh sind, dass es diesen Tauschschrank gibt.“ Pflege und Ordnung seien eine dauerhafte Herausforderung, der Nutzen für den Stadtteil aber unbestritten.

    Ein besonderes Projekt ist die Sommerstraße. In den Sommermonaten wird ein Straßenabschnitt temporär für den Autoverkehr gesperrt und als Aufenthalts-, Kultur- und Begegnungsraum genutzt. „Die Wohnungen sind heiß, und es gibt im Stadtteil kaum Orte, an denen man sich draußen aufhalten kann“, erklärt Weber-Ebnet. „Also machen wir für ein paar Wochen aus einer Straße einen Park.“

    Die Wolfgangstraße wird zur autofreien Sommerstraße

    Nach der Mittelstraße im vergangenen Jahr wird die Sommerstraße dieses Jahr im Bereich der Wolfgangstraße umgesetzt. Dort soll ein Abschnitt, der langfristig ohnehin umgestaltet werden soll, für mehrere Wochen erlebbar gemacht werden. „Wir simulieren, wie sich der Raum anfühlen kann, wenn er nicht primär dem Autoverkehr gehört“, so Weber-Ebnet.

    Inhaltlich setzt die Sommerstraße einen kulinarischen Schwerpunkt. Gemeinsames Kochen und Essen sollen Menschen zusammenbringen. „Essen bringt die Menschen zusammen. Jeder hat das beste Rezept seiner Großmutter aus der Heimat“, sagt Weber-Ebnet. Geplant sind offene Tafeln, eine gemeinschaftliche Küche und Beiträge von Nachbarn, Initiativen und Gastronomen aus dem Viertel. Den Auftakt bildet die Lange Tafel der Baukultur, eine bundesweite Initiative der Bundesstiftung Baukultur.

    Darüber hinaus laufen weitere Projekte an. Neue Parklets werden vorbereitet, für die sich Anwohner bewerben können. In der Mittelstraße sollen Nachbarschaftsbeete entstehen, die Sitzelemente mit kleinen Pflanzflächen verbinden. „Wir haben das Know-how, wir helfen bei Genehmigungen und Material“, sagt Weber-Ebnet. „Machen müssen es die Menschen selbst.“

    Das Stadtteilmanagement Rechts der Wertach versteht sich dabei als Impulsgeber. Es ist zeitlich begrenzt angelegt und wird von Bund, Land und Stadt gefördert. „Wir sind keine Dauerlösung“, betont Weber-Ebnet. „Aber wir können Dinge anstoßen, die bleiben – weil die Menschen sie tragen.“

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