Seit dem Anschlag in Solingen hat sich der Ton in der Asyl- und Migrationspolitik verschärft. Der mutmaßliche Täter ist ein 26-jähriger Syrer, der in Deutschland subsidiären Schutz erhielt und in Solingen in einer Flüchtlingsunterkunft lebte. Vielfach wird nun diskutiert, wie sich jemand in einer Einrichtung unbemerkt radikalisieren kann. Die Stadt Augsburg und die Regierung von Schwaben, die in Augsburg zahlreiche Unterkünfte betreiben, berichten von großen Bemühungen, wie den Flüchtlingen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht und die Integration durch zahlreiche Hilfestellungen vereinfacht werden soll. Der Erfolg hängt dabei von einem entscheidenden Faktor ab.
Derzeit leben rund 8500 Flüchtlinge in Augsburg - mehr als die Hälfte von ihnen ist privat untergekommen. In den Einrichtungen der Regierung von Schwaben leben derzeit 1754 Flüchtlinge. Es sind etwas weniger als noch im Februar (1939 Personen) oder im August vor einem Jahr (1862 Personen), aber das hat auch einen Grund. „Der Rückgang der Belegungszahlen im Vergleich zum Februar ist vor allem darauf zurückzuführen, dass eine Anker-Dependance in Lechhausen derzeit renoviert werden muss und in der Folge für einige Wochen nicht belegt werden kann“, erklärt Philipp Höß, Sprecher der Regierung von Schwaben. In den städtischen Unterkünften ist die Anzahl der Flüchtlinge weitestgehend konstant. Derzeit sind dort 1532 Personen untergebracht, davon stammen 932 Menschen aus der Ukraine. Vor einem halben Jahr waren es 1572 Personen, im August 2023 1551 Menschen.
Gemeindetagspräsident Uwe Brandl sprach von „syrischen Communitys“ in Augsburg
Vor wenigen Wochen erst wurden Augsburger Syrer zum Bestandteil überregionaler Berichterstattung. Der bayerische Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) hatte gesagt, dass es in Augsburg Probleme mit der Integration von Syrern gebe. In Augsburg gebe es bereits „syrische Communitys“, hatte Brandl gegenüber der Süddeutschen Zeitung geäußert. Wenn sich Asylbewerber „in ihrem Kulturkreis weiterbewegen, wie sie es gewohnt waren“, könne der Druck verloren gehen, sich zu integrieren und Deutsch zu lernen, so Brandl. Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) erklärte ihr Unverständnis darüber, dass Augsburg als warnendes Beispiel für angebliche Hotspots herangezogen werde.
Ob gerade syrische Flüchtlinge weniger Integrationswillen als andere Nationalitäten zeigten - darüber sei von Seiten der Regierung von Schwaben keine allgemeine Aussage möglich. „Es gibt aus allen Nationalitäten Personen, die sich besser oder weniger gut integrieren“, so Höß. Sozialreferent Martin Schenkelberg (CSU) sagt: „Wir als Stadt wissen um die Existenz sogenannter Communitys. Diese können die Integration sowohl fördern als auch hemmen. In der Kooperation machen wir gute Erfahrungen.“ Konkrete Zahlen, wie viele syrische Menschen in Augsburg sich in Communitys bewegten, lägen der Stadt nicht vor.
Sprach- und Orientierungskurse gibt es vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Sowohl von der Regierung von Schwaben als auch von der Stadt Augsburg gibt es zahlreiche Angebote und Hilfestellungen, die die Integration von Flüchtlingen erleichtern soll. Neben Willkommensgesprächen gebe es laut Regierungssprecher Höß etwa die Flüchtlings- und Integrationsberatung der Sozialverbände und auch die Unterstützung durch Ehrenamtliche. Daneben gebe es die Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die Sprach- und Orientierungskurse beinhalten. Das Erlernen der deutschen Sprache sei wichtig, um Arbeit zu finden, Anträge ausfüllen oder sich im Alltag verständigen zu können. In den Orientierungskursen werde unter anderem Wissen über die deutsche Geschichte, Kultur und Rechtsordnung vermittelt. Höß betont, dass eine schnelle Integration immer dann besonders gut funktioniere, „wenn die Betroffenen zur aktiven Mitarbeit bereit sind“.
Infos über demokratische Rechte und Pflichten gibt es durch das Projekt „Brücken-bauen“
Das Büro für gesellschaftliche Integration in Augsburg hat ein Schnittstellenpapier herausgegeben, in dem Angebote, Projekte, Netzwerke und Vereine abgebildet sind, die in Augsburg im Bereich der Migration und Integration vorzufinden sind. Das Papier allein umfasst 80 Seiten. „Unterstützen können wir mit der Schaffung kleiner Unterkünfte in den Stadtteilen, deren Belegung wir so abzustimmen versuchen, dass möglichst wenige Konflikte auftreten“, teilt das Büro für gesellschaftliche Integration mit.
Die Betreuung der Unterkünfte erfolge durch Kümmerer in den Einrichtungen, durch die städtische Förderung von ehrenamtlichen Helfer-Strukturen sowie durch den Zugang zur staatlichen Flüchtlings- und Integrationsberatung. In den Unterkünften sei vor allem die Diakonie und die Digitalfabrik mit mehreren Projekten aktiv: Die Diakonie biete etwa Beratung in den Themenfeldern Bildung und Erziehung, Erstorientierung für Frauen, Bildungsbegleitung für Schülerinnen und Schüler sowie Beratung und psychosoziale Begleitung für Frauen in vulnerablen Situationen. Über demokratische Rechte und Pflichten würden die Bewohner der Unterkünfte auch informiert. Etwa durch eine Gruppe von Multiplikatoren im Projekt „Brücken-bauen“, der sowohl Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund als auch Polizeibeamte angehören.
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