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Sport in der Coronakrise

25.11.2020

Augsburger Ausnahme-Sportler: Sie trainieren weiter - trotz Coronakrise

Weil sie Kaderstatus haben, dürfen auch die TVA-Athleten Leonard Winker (links) und Jan Talan ins Fechttraining kommen, beaufsichtigt von Landestrainer Sebastian Murch.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Die Sportvereine müssen ihre Anlagen grundsätzlich geschlossen halten. Nur für Kader-Athleten und Profis gibt es Sonderregelungen. Diese Sportler profitieren davon.

Seit des neuerlichen Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie sind die Gebäude des Turnvereins Augsburg 1847 ebenso geschlossen wie alle anderen Sportstätten im Stadtgebiet. Doch dreimal in der Woche öffnen sich die Türen für eine Gruppe handverlesener Sportler. Es sind die besten Fechterinnen und Fechter auf Landesebene, alle Mitglieder des bayerischen Kaders, die gemäß einer Ausnahmeregel in der Infektionsschutzverordnung ihr Training fortsetzen dürfen. Neben ihnen gibt es in Augsburg auch einzelne Kanuten, Wasserspringer und Fußballer, die trainieren dürfen.

Nahezu jeder, der hier von den handverlesenen Sportlern des TVA die Klinge führt, hat bereits Wettkampfteilnahmen und Erfolge auf bayerischer, deutscher und vereinzelt sogar internationaler Ebene hinter sich gebracht. Bis auf zwei Aktive aus München und Kaufbeuren sind es fast alles Mitglieder des TV Augsburg. „Wir sind seit vielen Jahren Landesleistungsstützpunkt im Degenfechten, weshalb unsere Leistungsgruppe glücklicherweise weitertrainieren darf“, berichtet Felix Winker, stellvertretender Abteilungsleiter Fechten beim TVA.

Sport in der Coronakrise: Zwangspause für die meisten Sportler in Augsburg

Nach dem selbstständigen Aufwärmen unter den üblichen strengen Hygieneauflagen wie Maske tragen und Abstand halten geht es in die Gefechte oder ins Einzeltraining. „Mit dem Schutz der Fechtmaske und den zwei Degen, die ungefähr den Eineinhalb-Meter-Abstand einhalten, wäre Fechten eigentlich eine der erlaubten Individualsportarten. Aber leider brauchen wir eine Halle wegen der elektronischen Geräte und dem sicheren Stand“, berichtet Winker. Und weil der Breitensport in sämtlichen Hallen derzeit nicht erlaubt ist, müssen sich die restlichen Mitglieder der Fechtabteilung an die vorgeschriebene Zwangspause halten. Für sie bliebt nur das Online-Trainingsangebot, das der TVA mittlerweile nahezu in all seinen Sparten eingeführt hat.

Degen-Landestrainer Sebastian Murch ist deshalb mehr als glücklich, dass er zumindest die Besten der Besten regelmäßig persönlich begutachten kann. „Trotz allem wissen wir nicht, wo wir im Vergleich mit der Konkurrenz leistungsmäßig stehen. Es gab in diesem Jahr so gut wie keine Turniere. Besonders für junge Sportler, die mit Saisonstart in eine neue Altersklasse gewechselt sind, ist das eine schwierige Situation“, berichtet Murch.

Corona macht Sportlern zu schaffen: Ohne Wettkämpfe bricht die Motivation ein

Die Athleten hätten ihr Leistungsvermögen bisher nicht in Wettkämpfen nachweisen können und verpassen so vielleicht wichtige Sportereignisse im nächsten Jahr. „Die besten vier deutschen Degenfechter dürfen beispielsweise zur Europameisterschaft fahren“, sagt Murch. Allerdings hätten seine Schützlinge bisher gar keine neuen Punkte sammeln können, um sich auf der Rangliste zu verbessern. Entsprechend schwer sei es, die Motivation bei manchen Sportlern aufrecht zu erhalten. „Die Motivation bricht bei vielen ein. Die Sportler fragen sich, wofür sie eigentlich trainieren. Irgendwann geht die Flamme aus.“

TVA-Fechter Fabian Rieblinger kann ihm da nur zustimmen. Er liegt gerade auf Platz 20 der deutschen Rangliste, hat nun aber erfahren, dass wohl nur die besten 16 zur Deutschen Meisterschaft zugelassen werden. Ein Nackenschlag für seine sportlichen Ambitionen. Verbessern kann er sich aus Mangel an Wettkämpfen wahrscheinlich auch nicht mehr rechtzeitig. „Da fällt es schwer, das Trainingspensum wie etwa die Waldläufe weiter durchzuziehen“, gesteht der junge Kadersportler.

TVA-Trainer Tin Talan ist es wichtig, dass die Augsburger Fechter "am Ball bleiben". Ohne regelmäßiges Training können die Kadersportler ihr Leistungsniveau nicht halten.
Bild: Michael Hochgemuth

Genau deshalb sei es so wichtig, dass zumindest das Präsenztraining im Fechten erhalten bleibe, betonen auch die beiden TVA-Trainer Tin Talan und Laura Marschall. „Wenn man auf diesem Niveau fechten will, muss man einfach am Ball bleiben. Ohne vier bis fünf Mal die Woche, einschließlich Kraft- und Ausdauertraining, geht das nicht“, sagt Talan. „Auch das Gefühl für die Spitzengenauigkeit geht schnell verloren“, ergänzt Marschall.

Auch der Augsburger Kanute Hannes Aigner darf trotz der Coronakrise weiter trainieren - und sich auf Olympia vorbereiten.
Bild: Michael Hochgemuth

Ausnahme-Regel für Augsburger Sportler: Auch Fußballer und Kanuten trainieren

Was fürs Fechten gilt, gilt auch für viele anderen Sportarten. Spitzenathleten aus den verschiedensten Bereichen kämpfen in diesen widrigen Zeiten darum, ihr Leistungsniveau irgendwie zu halten. So dürfen auch die Nachwuchs-Fußballmannschaften des FC Augsburg von der U17 bis zur U23 ihr Training fortsetzen. Sie gelten bereits als Fußball-Profis – gewissermaßen als Azubis des Vereins – und dürfen damit ihren Beruf weiter nachgehen.

Ähnliches gilt für die Slalomkanuten. Auch hier dürfen sowohl die Mitglieder des Leistungs- als auch des U23-Kaders, die in der internationalen Spitze mitfahren, auf der Olympiaanlage am Eiskanal weiterhin trainieren. Darunter die bereits qualifizierten Olympiastarter Hannes Aigner (Augsburger Kajak Verein) und Ricarda Funk (Bad Kreuznach) wie auch ihr Nationalmannschaftskollege Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben Augsburg), der sich im Frühjahr bei der EM noch für die auf 2021 verschobenen Spiele in Tokio qualifizieren will.

Wasserspringer Niklas Vollmayr ist einer von Augsburgs Ausnahme-Sportlern. Er bleibt ebenso im Training wie andere Kaderathleten aus der Stadt.
Bild: Michael Hochgemuth

Auch die Wasserspringer des SB Delphin dürfen ins Hallenbad

Im Schwimmsport haben drei Wasserspringer des SB Delphin eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Niklas Vollmayr, Collin Jung und Moritz Schmitt gehören dem Bayerischen Landeskader an und dürfen zweimal die Woche die Sprunganlage im Hallenbad Haunstetten nutzen. „Unser Training ist intensiver als sonst. Wir arbeiten viel mehr an den Feinheiten, da die Trainer keine anderen Sportler mehr haben, die sie korrigieren müssen. Von daher wird genauer auf alles geachtet und verbessert“, sagt Vollmayr. „Für mich ist es sehr wichtig, dass das Training weitergeht“, berichtet er.

Schließlich hätte er eine feste Serie von Sprüngen, die er regelmäßig üben müsse. Bei einer zu großen Pause sei es „schwierig, da wieder reinzukommen. Nach einem Lockdown müsste man nämlich von ganz vorne anfangen, um die Schritte, die man schon hatte, wieder zu erarbeiten“.

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