Kanusport: Bei der Sprint-WM geht es mit Vollgas durch den Eiskanal
Kanusport
Bei der Sprint-WM geht es mit Vollgas durch den Eiskanal
Auf den Kanuslalom-Weltcup folgt in Augsburg die Sprint-WM, die ihren ganz besonderen Reiz hat. Dabei sollten die Titelkämpfe eigentlich in China stattfinden.
Beim Wildwasser-Sprint geht es darum, den Eiskanal mit dem langen Boot schnellstmöglich hinunterzufahren. Eine Kanutin mit langjähriger Sprint-Erfahrung ist dabei Sabine Füsser von Kanu Schwaben Augsburg. Foto: Marianne Stenglein
Kaum hatte die internationale Kanuslalom-Elite nach dem Weltcup in Augsburg ihre Zelte abgebrochen, nahmen die Wildwasser-Athleten und -Athletinnen den Eiskanal in Beschlag. Denn am Samstag und Sonntag wird dort um die Weltmeistertitel im Sprint gepaddelt. Dass solch hochkarätige Wettkämpfe terminlich an zwei Wochenenden aufeinander folgen, ist ungewöhnlich und damit eine Herausforderung für das Gastgeber- und Organisatorenteam von Kanu Schwaben Augsburg. Nur minimal geringer ist der personelle, logistische und finanzielle Aufwand, aber immerhin kann der Verein die Infrastruktur des Kanuslalom-Weltcups wie Wettkampftechnik oder Bühnenaufbauten gleich noch für die Sprint-WM nutzen.
Augsburg war nämlich kurzfristig in die Bresche gesprungen, als der Internationale Kanu-Verband (ICF) erkennen musste, dass China, wo die Sprint-WM ursprünglich stattfinden sollte, den Wettkampf nicht würde stemmen können. "Aufgrund der Pandemie war es in den letzten Jahren schwierig, in China Wettkämpfe auszurichten", räumt ICF-Funktionärin Manuela Gawehn ein, "deshalb habe ich kurzerhand meine Fühler nach Augsburg ausgestreckt und gefragt, ob es möglich wäre, die WM hierher zu holen. Und ich bin heilfroh, dass Kanu Schwaben Augsburg und die Eiskanal Event GmbH zusammen im Namen des Deutschen Kanu-Verbands diese WM ausrichten."
Deutsches Sprint-Team freut sich über die WM in Augsburg
Normalerweise brauche eine solche WM eine vierjährige Vorlaufzeit, so Gawehn, in Augsburg reichte nun ein Dreivierteljahr, um das Event zu stemmen - genau zwölf Jahre, nachdem die erste Sprint-WM am Eiskanal ihre Premiere erlebt hatte. Entsprechend groß war die Freude, als bekannt wurde, dass es nun zurück an die Olympiastrecke von 1972 geht. Wildwasser-Bundestrainer Gregor Simon bringt es so auf den Punkt: "Wir haben uns riesig gefreut, dass wir hierher fahren dürfen und nicht nach China müssen. Es gab einen Riesenfreudenschrei, als es letztes Jahr hieß, dass wir auf dem Eiskanal unsere WM fahren dürfen." Allerdings räumt er auch ein, dass es Erfahrung braucht, im Augsburger Wildwasser Spitzenzeiten zu fahren. Entsprechend routiniert sind diejenigen, die er für Deutschland ins Team berufen hat.
Wildwasser Sprint-WM
Die Augsburger Medaillenhoffnungen bei der Sprint-Weltmeisterschaft am Augsburger Eiskanal v.l. Sabine Füsser und Sabrina Barm.Foto: Marianne Stenglein
Sabine Füsser und Sabrina Barm gehören zu den "local heros" am Augsburger Eiskanal
So etwa Sabine Füsser, die schon bei der Premiere im Jahr 2011 dabei war. Die 48-jährige Schwaben-Kanutin ist eine der "local heros" und eine der großen Augsburger Medaillenhoffnungen. Ebenso wie der zweifache Wildwasser-Weltmeister Normen Weber von Kanu Schwaben Augsburg oder Vereinskollegin und C1-Gesamtweltcup-Siegerin Sabrina Barm. Füsser selbst hat in ihrer langen Karriere bei Weltmeisterschaften bereits zweimal Gold, zehnmal Silber und achtmal Bronze abgeräumt und hofft, ihre Sammlung am Wochenende noch erweitern zu können. Im Gegensatz zu ihrer Teamkollegin Sabrina Barm, die im Canadier-Einer und Canadier-Zweier antritt, konzentriert sich Füsser auf ihre Einzeldisziplin Kajak.
Da es bei den Europameisterschaften vor drei Wochen nur "suboptimal" für Füsser lief, setzt sie nun auf die WM. "Die letzten zwei Wochen Vorbereitung zu Hause liefen für mich wirklich sehr gut. Ich fühle mich sehr fit, aber es kommt am Samstag natürlich auf die Tagesform an", sagt die erfahrene Augsburgerin, die den Eiskanal in- und auswendig kennt. "Ich weiß nicht, wie viele Bahnen ich hier schon gezogen habe", sagt sie mit einem Schmunzeln, ergänzt aber auch: "Jede Tour ist neu, man hat immer unterschiedliche Bedingungen, mit denen man zurechtkommen muss."
Sabrina Barm fährt im Canadier Einer und Canadier Zweier um Medaillen
Sabrina Barm ist gleich doppelt gefordert, freut sich aber, dass es in der nicht-olympischen Disziplin Wildwasser-Sprint anders als im Kanuslalom den Zweier-Canadier noch gibt. Gemeinsam mit der U23-Weltmeisterin Constanze Feine (MSV Buna Schkopau) geht sie in dieser Bootsklasse an den Start. "Ich freue mich, den C2 zu fahren, und verstehe auch nicht ganz, warum man das im Kanuslalom weggenommen hat. Es ist unglaublich spannend und macht unglaublich viel Spaß, weil die Zusammenarbeit mit der Partnerin oder dem Partner mit dabei ist. Man muss sich gut miteinander abstimmen, was dann idealerweise ohne Worte, sondern über das Gefühl geht", betont Barm. "Mit Constanze Feine habe ich da die beste Partnerin, die man sich vorstellen kann. Wir sind ins Boot gestiegen und es hat sofort gepasst. Wir spüren ganz gut, was die andere macht." Zum einen sei es einfacher, im C2 zu paddeln, weil der Zweier-Canadier weniger Spielball der Wellen sei und eher geradlinig durch die Wellen laufe, andererseits sei er schwerer zu korrigieren. "Deshalb muss man vorausschauender und vorausspürender fahren", erklärt Barm die Marschroute für den WM-Einsatz.
Der WM-Zeitplan:
Freitag, 8. Juni 16.30 Uhr Eröffnungsfeier mit Einmarsch der Nationen
Samstag, 9. Juni 10 bis 11 Uhr Qualifikation 1. Lauf C1 und K1, 12 bis 13 Uhr 2. Lauf C1 und K1, 14 bis 15 Uhr 1. und 2. Lauf C2, 17 Uhr Demo-Event "Long Boat Race"
Sonntag, 10. Juni 10 bis 11.30 Uhr Finale Einzeldisziplinen, 14 bis 15.30 Uhr Finals Teamwettkämpfe, ab 16.30 Uhr Siegerehrungen, 17 Uhr Abschlusszeremonie
Eintrittspreise: Tageskarte 5 Euro (ermäßigt) bis zehn Euro, Kinder unter 14 Jahren frei, am Freitag freier Eintritt.