Mit den Qualifikationsrennen für die deutschen Nationalteams startet am Wochenende die Wettkampfsaison im Kanuslalom. Der Modus hat sich ein wenig verändert, sodass am ersten Sichtungswochende in Markkleeberg bei Leipzig am Freitag und Samstag vier Rennen gefahren werden, bevor weitere vier Rennen am 1. und 2. Mai auf dem Augsburger Eiskanal ausgetragen werden. Mit dem Augsburger Thomas Apel steht zudem ein neuer Chef-Bundestrainer in der Verantwortung.
Jeweils die drei Kanuten mit den sechs besten von acht Läufen qualifizieren sich für die Nationalteams und die internationalen Starts bei Weltcups und der Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr auf der Olympiastrecke von 2028 in Oklahoma, in den USA stattfindet. Jeweils am Sonntag folgen an jedem Qualifikations-Wochenende die Ausscheidungsrennen in der jungen olympischen Sportart Kajak Cross. In der zweiwöchigen Qualifikation in Markkleeberg und Augsburg geht es um die Zusammensetzung der deutschen Teams. Es dürfte spannend werden, denn selten war die Chance für den ambitionierten Nachwuchs besser, sich ins Team der Leistungsklasse zu fahren.
Bei den Kajak-Männern ist nach dem Karriereende von Hannes Aigner (Augsburger Kajak Verein), der in die Lokalpolitik gewechselt ist, mindestens ein Platz für einen aufstrebenden Nachwuchspaddler frei. Geht man davon aus, dass Noah Hegge (Kanu Schwaben Augsburg) an seine Spitzenform aus den Vorjahren anknüpft, dürfte er seinen bisherigen Platz sicher haben. Schließlich hat sich der 27-jährige Augsburger in den vergangenen Jahren zunehmend international etabliert, war nicht nur bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris mit Bronze im Kajak Cross erfolgreich, sondern holte im vergangenen Jahr auch seinen ersten Weltcup-Sieg im Kanuslalom.
Augsburger Lokalmatador Tasiadis kämpft mit Verletzungen
Im Canadier Einer der Männer dämpfte der Augsburger Lokalmatador Sideris Tasiadis von den Kanu Schwaben Augsburg schon im Vorfeld allzu großen Hoffnungen. Der 35-jährige Familienvater kämpfte im vergangenen Jahr mit einigen Verletzungen. Er musste das Wintertraining auf die Bedürfnisse seines Körpers anpassen und wird nach eigenem Bekunden mit einem Trainingsrückstand starten. „Ich hoffe, dass mein derzeitiges Niveau für die Quali ausreicht und dass wir dann das Training immer weiter steigern können“, sagte er im Vorfeld.
Im Kajak Einer der Frauen ist die in Augsburg lebende und trainierende Ricarda Funk vom KSV Bad Kreuznach nach wie vor das Maß aller Dinge. Das zeigte sie im Trainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Februar, als sie das Testrennen gewann und eine Woche später auch beim Weltranglistenrennen in Pau überzeugte. Erneut den Sprung ins K1-Nationalteam schaffen wollen natürlich auch die Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Paris, Elena Lilik von Kanu Schwaben Augsburg (die auch im Canadier Einer an den Start geht) und ihre jüngere Schwester Emily Apel. Die 23-Jährige konnte im Winter nach eigener Aussage gut trainieren und will zum zweiten Mal in Folge den Sprung ins Leistungsklassenteam schaffen.
Bereits jetzt startet im Kanuslalom die Qualifikation für Olympia 2028
Der Druck ist ohnehin groß für alle deutschen Spitzenkanutinnen und -kanuten, da bereits in dieser Saison erste Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gesammelt werden können. Dementsprechend sei „schon sehr viel Feuer drinnen“, bestätigte Noah Hegge. Und Emily Apel setzt auf einen Erfolg bei den Sichtungsrennen, „damit es im besten Fall nach Oklahoma geht“ – wo eben auch in diesem Jahr schon die Weltmeisterschaften als Generalprobe für Olympia stattfinden.
Erstmals trägt Cheftrainer Thomas Apel die Gesamtverantwortung fürs Kanuteam
Eine Premiere wird es am Rande der Wettkampfstrecken geben. Erstmals wird Thomas Apel, der Vater von Elena Lilik und Emily Apel, als deutscher Chef-Bundestrainer die Qualifikation leiten. Bisher war er schwerpunktmäßig für die deutschen Kajak-Frauen zuständig. Seit er am 1. Januar 2026 die Nachfolge von Klaus Pohlen angetreten hat, obliegt dem Augsburger nun die Gesamtverantwortung für das ganze deutsche Kanuteam. „Die Lehrgänge in Dubai und Pau in Vorbereitung auf die Saison sind sehr gut verlaufen. Es herrscht ein sehr gutes Klima im Team“, beschrieb Apel seine Eindrücke.
Droht auch für dieses Jahr am Eiskanal Wassermangel?
Und ab nächster Woche, wenn die zweite Qualifikationsphase auf dem Augsburger Eiskanal ansteht, wird dann auch wieder die dringlichste aller Fragen gestellt: Gibt es genug Wasser für die Wettkampfstrecke? Seit einigen Jahren sind die Probleme damit immer größer geworden. Die Gründe dafür waren vielfältig: zu geringe Niederschläge im Frühjahr und das damit verbundene Niedrigwasser im Lech sowie die vielen Bedürfnisse der Wasserwerksbetreiber am Forggensee, entlang des Lechs und der Augsburger Kanäle. Eine Kombination aus allem hatte immer wieder dazu geführt, dass der Eiskanal nicht geflutet werden konnte. Auch dieses Jahr fielen bereits Trainingseinheiten aus. Mit derzeit 65,7 Kubikmeter pro Sekunde Abflussmenge am entscheidenden Pegelpunkt in Haunstetten sieht es noch gut aus für nächste Woche, allerdings sind erneut kaum Niederschläge gemeldet. Bis 50 Kubikmeter pro Sekunde ist die Flutung des Eiskanals laut wasserrechtlicher Grundlage garantiert.
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