Große Schilder kündigen den Abgang des Schuhhauses Hartlmaier in der Augsburger Steingasse an. „Räumungsverkauf“ steht Weiß auf Rot auf den Plakaten. Wenige Meter weiter zeigt auch Elena Bender das Ende ihrer Modeboutique an. Die Inhaber beider Geschäfte gehen den Schritt nicht gerne. Einer der beiden übt zudem deutliche Kritik an der Stadtregierung. Sie trage eine Mitschuld an der negativen Entwicklung der Augsburger Innenstadt.
Thomas Bahner sitzt auf einem kleinen Schemel und hilft einer Kundin in die Schuhe. Er schnürt die Bändel, erklärt dabei etwas zur Beschaffenheit des Modells und prüft die Passform. Beim Schuhhaus Hartlmaier in der Steingasse werden persönlicher Service und Qualität großgeschrieben. Beides gibt es aber nur noch bis voraussichtlich Ende der ersten Januarwoche. Denn dann schließt das Familienunternehmen seine Filiale in Augsburg. Zum einen habe man sich aus bautechnischen Gründen mit dem Vermieter nicht mehr über eine Vertragsverlängerung einigen können. Vor allem aber stimmten die Rahmenbedingungen in Augsburg nicht mehr.
„Wir leben in einer Stadt, in der die Stadtspitze mit Biegen und Brechen versucht, Menschen aus dem Umland aus der Augsburger Innenstadt fernzuhalten“, kritisiert Bahner. Während man in den Filialen in Nürnberg und München über Laufkundschaft neue Kunden gewinnen und sich so verjüngen könne, lebe man in Augsburg nur vom Bestand. Es fehle an Frequenz. Die Kosten für die Parkhäuser seien zu hoch, die Preise für den ÖPNV ebenfalls. Parkplätze würden rückgebaut und große Einfallstraßen von vier auf zwei Spuren verknappt. Das sei kein positives Signal an Gäste von außerhalb.
Kritik in Augsburg: Stadtspitze kommt wirtschaftlicher Verantwortung für den Handel nicht nach
Es sind Argumente, die auch Elena Bender immer wieder von Kunden hört, erzählt sie. Sie schließt ihre gleichnamige Boutique Unter dem Bogen bereits nach dem 23. Dezember. Zu der Situation in Augsburg käme die allgemeine, wirtschaftlich angespannte Lage. „Irgendwann geht es nicht mehr, dass man sechs Tage arbeitet und kaum etwas verdient.“ Dass die Lage in Augsburg schwierig sei, zeigten auch andere Geschäftsaufgaben, so Bender. Derzeit räumt Villeroy&Boch in der kurzen Maximilianstraße seine Fläche und nebenan hat Osco-Schuhe seinen Räumungsverkauf gestartet. Eckerle hat bereits vor einigen Wochen eine seiner beiden Filialen aufgegeben und Kokett Dessous schließt in wenigen Tagen.
Auch Thomas Bahner macht die Entwicklung Sorge. Vor allem aber ärgert ihn das Agieren der Stadt. Man blicke immer voller Bewunderung auf Barcelona oder London. Hier pulsiere aber das Leben in all seinen Facetten. In Augsburg wolle man es ruhig und den Verkehr draußen halten. „Wenn man in der Stadt eine ländliche Idylle schaffen will, bekommt man einen Ort, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“, zieht er sein Fazit. Die Stadt und Oberbürgermeisterin Eva Weber kämen mit diesem Vorgehen ihrer wirtschaftlichen Verantwortung für den innerstädtischen Handel nicht nach, macht er seinem Ärger Luft.
Stadt Augsburg will Erreichbarkeit der Innenstadt verbessern
Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist für Augsburgs Innenstadthändler immer wieder Diskussionsstoff. Beim Verkehr gebe es Verbesserungspotenzial, reagierte Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle zuletzt darauf. Gegensteuern will man unter anderem mit dem sogenannten Smart-City-Dashboard. Unter der Internetadresse smartes.augsburg.de geht es darum, durch die Verknüpfung verschiedener Daten die flexible Nutzung von Mobilitätsmitteln zu vereinfachen. Die Stadt will beispielsweise das Parkleitsystem an P+R-Plätzen mit der Abfahrtszeit der nächsten Straßenbahn füttern. Auch Hinweise auf verfügbare Leihräder vor Ort könnten ein Thema werden, oder die Wegweisung zu Parkhäusern in Verbindung mit Staudaten. So will man die Zufahrt erleichtern und die Erreichbarkeit verbessern. Bis jetzt können auf der Internetplattform die aktuell freien Plätze in den 15 Innenstadt-Parkhäusern abgerufen werden. Insgesamt gibt es hier um die 6350 Parkplätze (inklusive City-Galerie).
Zwar ist Parken bei der City-Galerie kein Problem, aber auch hier gibt es Wechsel. Tchibo verlässt im Januar das Shopping-Center. Laut Center-Manager Axel Haug gibt es bereits einen Nachfolger, den er aber noch nicht nennen wolle. Zuletzt war bekannt geworden, dass auch GameStop, eine US-Kette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware, voraussichtlich zum 31. Januar die City-Galerie verlässt. Das Unternehmen schließt alle seine deutschen Filialen.
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