„Wenn ich weinte, legte sich Milo ganz nah zu mir“: Hunde haben das Leben dieser Frauen verändert
Region Augsburg
„Wenn ich weinte, legte sich Milo ganz nah zu mir“: Hunde haben das Leben dieser Frauen verändert
Foto: privat
Region Augsburg
„Wenn ich weinte, legte sich Milo ganz nah zu mir“: Hunde haben das Leben dieser Frauen verändert
Nach einem schweren Verlust oder auf der Suche nach einer neuen Aufgabe: Hunde spielen im Leben vieler Menschen eine große Rolle. Vier bewegende Geschichten aus der Region.
Manchmal verändern Hunde das Leben ihrer Menschen mehr, als diese es erwartet hätten. Sie helfen durch Krisen, schenken Struktur im Alltag oder eröffnen neue Wege. Vier Frauen aus der Region erzählen von Hunden, die ihr Leben auf unterschiedliche Weise geprägt haben.
Sabine Sponer, 52, aus Rain am Lech, mit Milo
Sabine Sponer mit Milo: „Er hat mir durch die schwerste Zeit meines Lebens geholfen“, sagt die 52-Jährige heute.Foto: Sabine Sponer
„Im Dezember 2019 starb mein Sohn Felix völlig unerwartet mit 13 Jahren. Von einem Moment auf den anderen brach für unsere Familie die Welt zusammen. Nichts interessierte mich mehr. Ich zog mich zurück, die Trauer bestimmte jeden Tag.
Wenige Wochen später nahmen Freunde uns mit ins Tierheim. Eigentlich wollte ich keinen Hund. Doch dort begegnete ich einem kleinen Mischlingsrüden aus Rumänien. Als ich ihn zum ersten Mal sah, hatte ich sofort das Gefühl, dass dieser Hund etwas Besonderes ist. Er kam auf mich zu, stellte die Pfoten auf meine Beine und sah mich an. Zum ersten Mal seit dem Tod meines Sohnes musste ich lächeln. Im März 2020 zog Milo bei uns ein. Es war der erste Hund meines Lebens. Rückblickend kann ich sagen: Er hat mir durch die schwerste Zeit meines Lebens geholfen.
„Er war mein Halt in einer Zeit, in der ich keinen Halt mehr hatte.“
Sabine Sponer
Milo gab meinem Alltag wieder Struktur. Er brauchte Bewegung, Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Oft liefen wir stundenlang durch die Wälder rund um Rain. In meinem ersten Trauerjahr waren wir fast ständig zusammen unterwegs. Diese Spaziergänge haben mir geholfen, nicht völlig in meiner Trauer zu versinken. Wenn ich weinte, legte sich Milo ganz nah zu mir. Wenn ich mich zurückziehen wollte, forderte er mich zum Spielen oder Spazierengehen auf. Er ließ mich nicht allein. Durch ihn kam wieder Bewegung in mein Leben, im wahrsten Sinn des Wortes. Heute, mehr als sechs Jahre später, ist Milo noch immer an meiner Seite. Gemeinsam mit meinem Mann reisen wir gerade mit unserem Wohnmobil durch Europa. Milo begleitet uns überall hin.
Gemeinsam Polarlichter sehen: Milo ist auf den Reisen von Sabine Sponer und ihrem Mann Detlef natürlich dabei.Foto: Sabine Sponer
Für viele Menschen ist ein Hund ein Haustier. Für mich ist Milo viel mehr. Er war mein Halt in einer Zeit, in der ich keinen Halt mehr hatte. Ich bin überzeugt: Ohne ihn wäre mein Weg durch die Trauer ein anderer gewesen. Meine Erfahrungen habe ich auch in einem Buch festgehalten, um anderen Betroffenen Mut zu machen.“
Christina Wackerbauer, 32, aus Augsburg, mit Akira
Christina Wackerbauer sagt: Die Verantwortung für ihre Hündin Akira gab ihrem Alltag wieder Struktur.Foto: Christina Wackerbauer
„Als ich Akira zu mir geholt habe, litt ich an einer schweren Depression und einer posttraumatischen Belastungsstörung. In dieser Zeit fielen mir selbst alltägliche Dinge schwer. Aufstehen, rausgehen, einen geregelten Tagesablauf haben – vieles, was für andere selbstverständlich ist, war für mich eine Herausforderung.
„Für mich hätte ich Ausreden gefunden, für sie nicht.“
Christina Wackerbauer
Einen einzelnen Moment, in dem ich gemerkt habe, dass Akira mir hilft, gab es eigentlich nicht. Es war ihre tägliche Anwesenheit und die Verantwortung für sie, die etwas in meinem Leben verändert haben. Dank Akira hatte ich jeden Tag eine Aufgabe. Es gab viele Tage, an denen ich für mich selbst vermutlich nicht das Haus verlassen hätte. Aber ich wusste, dass Akira ihre Bewegung und ihre Zeit draußen braucht. Für mich hätte ich Ausreden gefunden, für sie nicht. Also ging ich jeden Tag mit ihr hinaus – unabhängig vom Wetter und davon, wie es mir gerade ging. Schritt für Schritt half mir das dabei, wieder mehr am Leben teilzunehmen. Gleichzeitig schenkte mir Akira etwas, das ich damals besonders gebraucht habe: Nähe, Vertrauen und bedingungslose Zuneigung.
Akira hat nicht nur meinen Alltag verändert, sondern auch mein Sozialleben. Durch Spaziergänge und Kontakte mit anderen Hundehaltern habe ich viele Menschen kennengelernt, mit denen ich sonst vermutlich nie ins Gespräch gekommen wäre. Heute ist Akira ein fester Teil unserer Familie und auch für meinen zweieinhalbjährigen Sohn eine wichtige Begleiterin. Für mich war sie nie eine Therapiehündin im klassischen Sinn. Aber sie hat mir geholfen, wieder mehr Lebensfreude zu finden.“
Katharina Ferstl, 45, aus Augsburg, mit Twix und Raffaelo
Katharina Ferstl mit Twix (links) und Raffaelo. Die 45-Jährige hat gerade eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin absolviert.Foto: Katharina Ferstl
„Eigentlich wollte ich schon als Kind Tierärztin werden. Daraus wurde nichts – irgendwann führte mein Weg zunächst zum Radio und später in unser Familienunternehmen, das Modehaus Jung in Augsburg. Die Liebe zu Tieren ist aber immer geblieben.
Vor rund sechs Jahren kamen meine beiden kleinen Hunde zu mir. Einer von ihnen stammt aus dem Tierschutz und hat ein verkürztes Bein. Dadurch habe ich angefangen, mich intensiver mit Gesundheit, Bewegung und Therapie bei Hunden zu beschäftigen. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Kann ich aus dieser Leidenschaft vielleicht noch mehr machen? Hundetrainerin wollte ich nicht werden. Bei Wind und Wetter auf dem Hundeplatz zu stehen, ist nicht so mein Ding (lacht). Ein befreundeter Tierarzt brachte mich schließlich auf die Idee, eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin zu machen. Er erzählte mir, dass Fachkräfte in diesem Bereich dringend gesucht werden.
„Meine Hunde haben eine alte Leidenschaft wieder geweckt.“
Katharina Ferstl
Also begann ich neben meinem Beruf eine Ausbildung, die ich im März abgeschlossen habe. Die Wochenenden gehörten plötzlich nicht mehr der Freizeit, sondern dem Lernen. Jetzt möchte ich erste praktische Erfahrungen sammeln und zunächst Hunde im Freundes- und Bekanntenkreis behandeln. Im Herbst möchte ich zusätzlich eine Ausbildung im Bereich Hunde-Osteopathie beginnen.
Für mich ist das kein kompletter Berufswechsel. Aber es ist ein Ausgleich und eine neue Aufgabe, die mir viel Freude macht. Ohne meine Hunde wäre ich diesen Weg vermutlich nie gegangen. Sie haben eine alte Leidenschaft wieder geweckt.“
Ilaria Paulus, 32, aus Augsburg, mit Chopper
Ilaria Paulus mit ihrem Hund Chopper. Er half ihr durch eine schwere Zeit.Foto: Ilaria Paulus
„Mit Anfang 20 hatte ich meine ersten Hunde: zwei Chihuahuas und meine Dobermann-Hündin Leyla. Sie war meine Seelenhündin. Meine Hunde waren immer Familie für mich. Während andere feiern gingen, habe ich meine Zeit lieber mit ihnen verbracht. Besonders eng wurde die Bindung zu Leyla, nachdem sie an meiner Seite war, als ich in der zehnten Schwangerschaftswoche ein Kind verlor.
Ich wusste immer: Hunde begleiten uns nur einen Teil unseres Lebens. Trotzdem kann man sich auf den Abschied nicht vorbereiten. Innerhalb von nur sieben Monaten habe ich meine beiden letzten Hunde verloren. Erst starb Leyla im Juni 2025, dann mein zweiter Chihuahua im Januar darauf. Leyla hatte einen Tumor an der Gebärmutter, später Metastasen in der Lunge. Sie gehen zu lassen, war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Dieser Schmerz hat mich komplett aus der Bahn geworfen.
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns gegenseitig gerettet haben.“
Ilaria Paulus
Und dann kam Chopper. Ein Mischlingshund aus Bulgarien, der mit seinen Geschwistern und seiner Mutter auf der Straße gefunden worden war. Eigentlich hatte ich mich nur als Pflegestelle beworben, damit er aus dem Tierschutz ausreisen kann. Aber schon bevor er überhaupt bei mir war, hatte ich mich verliebt. Als er mir aus dem Transporter in die Arme gedrückt wurde, wusste ich sofort: Er gehört zu mir. Durch Chopper gehe ich wieder an den See, genieße die Natur und freue mich über die kleinen Fortschritte, die er macht. Zu sehen, wie aus einem verunsicherten Straßenhund ein fröhlicher junger Hund wird, hat wieder Freude in meinen Alltag gebracht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns gegenseitig gerettet haben. Er brauchte ein Zuhause – und ich brauchte ihn.“
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