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Wissen: Lohnt sich eine Windanlage im Garten?

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Lohnt sich eine Windanlage im Garten?

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    Kleinwindanlagen wie diese können den Haushalt mit Strom versorgen.
    Kleinwindanlagen wie diese können den Haushalt mit Strom versorgen. Foto: Axel Heimken, dpa

    Der Anteil steigt: 2020 trug Windenergie in Deutschland 27 Prozent zum Strommix bei - und lag damit erstmals vor Stein- und Braunkohle mit 24,1 Prozent. Solarenergie in Form von Photovoltaik kam im selben Jahr auf 10,4 Prozent, also weniger als die Hälfte des Anteils der Windenergie. Im privaten und gewerblichen Bereich der erneuerbaren Energien ist es hingegen umgekehrt: Hier dominiert die Photovoltaik mit großem Abstand. Es gibt zwar einen Markt für Kleinwindkraftanlagen, doch der ist bisher ertragsschwach und unübersichtlich. Kann sich das in den kommenden Jahren ändern?

    Kleinwindkraftanlagen (KWA) dürfen in Deutschland eine maximale Höhe von 50 Metern haben, sind aber in der Praxis meist niedriger als 30 Meter. Solche Kleinanlagen dürfen aufs eigene Grundstück gestellt werden. Im Grunde sind sie wesentlich älter – etwa in Form von Windmühlen – als die modernen großen Anlagen. Doch zu einem Großfaktor beim Ausbau der erneuerbaren Energien, der wegen des Klimawandels notwendig ist, haben es erst die Großwindanlagen gebracht, bei denen Deutschland bis heute eine führende Stellung in der Welt hält. Dies gilt allerdings nicht für Kleinanlagen, die hierzulande ein Schattendasein fristen.

    Am stärksten weht der Wind in Küstenregionen

    Während die privaten Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen zeitweilig eine Vergütung von mehr als 55 Cent pro Kilowattstunde erhielten, galt für KWA immer derselbe Tarif wie für große Windräder: Er wird für 2022 mit 8,4 Cent pro Kilowattstunde prognostiziert. Grundsätzlich bieten KWA manche Vorteile: Wind weht auch nachts, wenn Photovoltaik-Anlagen keinen Strom liefern. Und der Wind weht stärker im Herbst und Winter, wenn die Solarmodule wegen der kürzeren Tage weniger Elektrizität erzeugen. Deshalb sieht Patrick Jüttemann darin eine gute Ergänzung zur Photovoltaik, wenn man unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz werden will. Doch zugleich warnt der KWA-Experte: „Kleinwindkraftanlagen können sich für Gewerbebetriebe in windstarker Lage lohnen, fürs private Eigenheim mitten im windschwachen Wohngebiet dagegen nicht.“

    Geeignet können Standorte sein, die aus der Hauptwindrichtung gut vom Wind erreicht werden. Richtung West/Südwest sollten möglichst keine Bäume oder Gebäude stehen. Generell weht der Wind in Küstenregionen am stärksten, aber auch im Mittelgebirge gibt es exponierte Lagen. So beschreibt Jüttemann in einem Fachbuch ein Beispiel aus Mittelfranken in Bayern: An einem geeigneten Standort fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hat die KWA eines Privatmanns seit 2015 jährlich etwa 5000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht etwa dem mittleren Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie, wenn das Warmwasser elektrisch bereitet wird. Die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit beträgt an dem Standort rund 4,5 Meter pro Sekunde. Damit sich die Kosten für eine KWA amortisieren, sollte der Standort eine mittlere Jahreswindgeschwindigkeit von mindestens vier Metern pro Sekunde haben, so Jüttemann.

    Reinhard Loch von der Verbraucher-Zentrale NRW rät zur Vorsicht

    Vielerorts liegt dieser Wert deutlich niedriger. Selbst wer einen Windpark in der Nähe hat, kann nicht unbedingt davon ausgehen, an einem geeigneten Standort zu wohnen. Denn in 10 oder 20 Metern Höhe, der Nabenhöhe einer KWA, bläst der Wind sehr viel schwächer als in 150 Metern Höhe, wo große Windräder diese Energie nutzen. Zudem können Häuser und Bäume noch in 200 Metern Entfernung für Windschatten sorgen und die Leistung der Anlagen erheblich verringern. „Letztlich muss beim Planen einer Kleinwindkraftanlage immer der einzelne Standort betrachtet werden“, betont Jüttemann. Immer wieder würden Anbieter von Kleinwindkraftanlagen bei privaten Hausbesitzern unrealistische Erwartungen wecken – etwa durch übertriebene Leistungsangaben. Hinzu komme mangelnde Qualität mancher Anlagen, die kaum einen Sturm überstünden. Sturmsicherheit, geringe Ausfallzeiten, hohe Effizienz und geringe Geräuschentwicklung nennt Jüttemann als entscheidende Qualitätskriterien für eine KWA.

    Auch Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät bei der Anschaffung einer KWA zur Vorsicht: In den meisten Fällen könne nicht damit gerechnet werden, mit den mehrere 1000 Euro teuren Anlagen Energiekosten einzusparen – selbst über viele Jahre hinweg. Sinnvolle Standorte seien die Ausnahme. „Wenn überhaupt, ist die Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindkraftanlage meist nur über einen hohen Eigenverbrauch zu erreichen“, erklärt Loch. Die Einspeisevergütung reiche nicht aus, um die Investitionskosten auszugleichen. Wenn man allerdings wegen des Eigenverbrauchs weniger Strom für etwa 35 Cent pro Kilowattstunde aus dem öffentlichen Netz beziehen muss, dann kann sich die Anlage an einem Standort mit guten Windverhältnissen rechnen. „An einsamen Hütten, auf Jachten oder im Campingbereich gibt es durchaus sinnvolle Anwendungen für kleine, robuste Windräder“, sagt Loch. Für das Dach des eigenen Hauses oder den Garten in einer Siedlung lohne sich die Anschaffung in der Regel nicht.

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