Sie wollte zunächst gar kein Interview zu ihrem Geburtstag geben - "auch nicht Bild und nicht Bunte, sagte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die am 23. Februar 50 wird.
Denn sie trete nur an die Öffentlichkeit, wenn sie auch eine Botschaft habe. Dass sie sich dann doch entschloss, mit uns zu sprechen, haben wir ein wenig dem Glück sowie der Fürsprache des Wallfahrtsdirektors von Maria Vesperbild, Wilhelm Imkamp, zu verdanken, zu dem die Fürstin ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.
Gnädige Frau …, tja, wie lautet eigentlich Ihre korrekte Anrede?
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis: Fürstin ist richtig. Wie Sie sicher wissen, wurde der Titel eines Adeligen mit Beginn der Weimarer Republik mit in den Namen übernommen.
Jetzt fällt es mir auch wieder ein. Warum wollen Sie eigentlich zu Ihrem Geburtstag keine Interviews geben?
Fürstin Gloria: Weil das nichts Besonderes ist, und ich dazu nichts mitzuteilen habe. Aber weil Sie mir aus Maria Vesperbild empfohlen wurden, mache ich eine Ausnahme.
Der 50. ist wie der 49. und der 51.?
Fürstin Gloria: Sie sagen es.
Ich hätte ein Thema, worüber wir sprechen könnten?
Fürstin Gloria: Ich höre.
In Würde altern.
Fürstin Gloria: Ein interessantes Thema.
Haben Sie eigentlich Angst vor dem Alter?
Fürstin Gloria: Nein, überhaupt nicht. Älter werden passiert einfach.
Sie fürchten sich auch nicht vor Krankheiten?
Fürstin Gloria: Warum sollte ich? Man kann auch mit Krankheiten gut leben. Ich habe es aus der Nähe miterlebt. Selbst Krebskranke können ein würdiges Dasein führen. Wer sich vor Krankheiten fürchtet, nimmt sich selbst Lebensqualität. Das macht doch keinen Sinn, oder?
Sie haben recht. Aber in Zeiten des Jugendwahns und des Körperkults fällt vielen das Älterwerden schwer. Sie lassen von Ärzten an sich schnippeln und versuchen optisch und auch bezüglich ihres Verhaltens, immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Woran, glauben Sie, liegt das?
Fürstin Gloria: Weil wir immer weniger Kinder und Jugendliche haben, schlüpfen offenbar die Erwachsenen in deren Rolle. Ich war kürzlich mit meinen Neffen und Nichten in Disney World in Paris. Da waren in der Mehrzahl Leute zwischen 35 und 50. In einem Karussell hatten die meisten Glatze und die anderen erwachsenen Männer Baseballmützen. Das ist schon komisch. Die Leute kleiden sich wie Kinder. Wenn erwachsene Männer mit Baseballmütze herumlaufen, muss ich darüber lachen.
Warum gibt es Ihrer Meinung nach eigentlich so wenige Kinder?
Fürstin Gloria: Das wissen Sie doch selbst. Sie werden umgebracht. Babys werden abgetrieben.
Warum tun Menschen so etwas?
Fürstin Gloria: Ich habe keine Ahnung. Kinder werden empfangen. Wenn man sie heute nicht will, lässt man sie abtreiben. Viele denken nur an sich und an ihr eigenes Leben.
Das ärgert Sie?
Fürstin Gloria: Nein, ich habe keine Wut. Sehen Sie, die Dinge werden sich auch wieder ändern, bevor die Menschheit ausstirbt.
Sie wirken gelassen, ist das nicht auch einer der Vorzüge des Alters?
Fürstin Gloria: Ich glaube schon. Ich habe lange zu Gott gebetet, dass er mir innerliche Ruhe gibt. Ich bin ausgeglichener geworden. Vieles tangiert mich nicht mehr. Gleichmut ist etwas sehr Schönes.
Ein anderer Vorzug des Alters ist die durch Erfahrung gewonnene Weisheit. Warum wird sie in unserer Gesellschaft vergleichsweise wenig geschätzt?
Fürstin Gloria: Da könnten wir von den Chinesen lernen. Da spielen alte Leute eine große Rolle. Bei uns ist es schon lange so, dass Ältere nicht in dem Maß geschätzt werden, wie sie es verdient hätten. Für mich persönlich sind alte Menschen sehr attraktiv. Ich habe schon in meiner Kindheit gerne meiner Großmutter zugehört. Außerdem - ich habe einen wesentlich älteren Mann geheiratet. Ich kann mit älteren Leuten oft mehr anfangen als mit jungen.
Gehen Sie eigentlich ins Fitness-Studio?
Fürstin Gloria: Nee! Das ist nix für mich.
Klare Antwort.
Fürstin Gloria: Ja. Was soll ich mich denn quälen, noch sehe ich doch ganz gut aus. Das liegt wohl an den Genen. Meine 80-jährige Mutter ist trotz ihres Alters sehr attraktiv. Viele glauben, sie müssten mit aller Macht jung aussehen und schlank bleiben, dabei kostet das in meinem Alter jede Menge Disziplin.
Der Grundumsatz nimmt ab, der Körper verbrennt weniger Kalorien.
Fürstin Gloria: Ja, und dennoch bringen viele bereitwillig dem Kult der Schönheit und Jugend große Opfer. Früher lachten sie über die katholische Kirche, deren Lehre fordert, an Freitagen kein Fleisch zu essen und einige Wochen im Jahr zu fasten. Doch heute sieht man, wie opferbereit die Menschen sind, denn der Körperkult fordert viel härtere Opfer. Die verzichten das ganze Jahr über auf jeglichen Genuss, nur um schlank zu bleiben. In Wirklichkeit ist die hedonistische Gesellschaft gar keine genießerische.
Aber Sport, behaupten viele, mache sie glücklich?
Fürstin Gloria: Mich macht Sport auch froh. Aber ein Arzt sagte mir einmal: Zählt man die mit Dauerlauf oder im Fitnesscenter verbrachten Stunden zusammen, müsste man diese eigentlich von der Lebenszeit wieder abziehen, denn mit Lebensqualität hat das gar nichts zu tun. Abgesehen von den kaputten Gelenken. Also, dass Sport das Leben verlängert oder gar verbessert, ist eine Mär. Da ist schon was dran. Wenn Sport zur Zwangshandlung wird, um dem Körper zu dienen, hat es nichts mehr mit Lebensfreude zu tun.
Bietet Musik für Sie Lebensqualität? Haben Sie eine Lieblingsmusik?
Fürstin Gloria: Musik aus der Konserve, also von Schallplatten oder CDs, höre ich heute fast gar nicht mehr. Ich liebe Livemusik. Ich gehe gerne zu Konzerten.
Was hören Sie gerne, Opern?
Fürstin Gloria: Opern gern von Richard Wagner. Aber ich liebe Jazz oder Schlager aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, das was Max Raabe so toll interpretiert.
Sie hatten früher ein - wie soll ich sagen - bewegtes Leben. Bereuen Sie etwas?
Fürstin Gloria: Nein.
Kurz und bündig.
Fürstin Gloria: Ja.
Wenn Sie zum Geburtstag einen Wunsch frei hätten, wie würde er lauten?
Fürstin Gloria: Ich würde mir wünschen, dass meine Kinder ein glückliches Leben haben.
Und was haben Sie in den kommenden Jahren selbst noch vor?
Fürstin Gloria: Ich habe gar nichts vor. Ich nehme die kommenden Herausforderungen an und warte, was mir das Leben noch vor die Füße spült.
Wie sieht Ihr Alltag aus?
Fürstin Gloria: Alltag gibt es nicht, jeder Tag ist anders. Mal ist es anstrengend, mal nicht.
Sie sind als religiös bekannt und unterstützen die katholische Kirche. Welche Rolle spielt Gott in Ihrem alltäglichen Leben?
Fürstin Gloria: Religion gibt mir Heimat, einen sehr schönen Rahmen, in dem ich mich frei bewegen kann. Gott gibt mir das Gefühl, geborgen zu sein und geliebt zu sein. Ich habe einen Vater im Himmel. Er gibt mir die Zuversicht, ein Kind Gottes zu sein.
Fürstin, vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Josef Karg